Assistenzhunde

Recht auf Teilhabe

Assistenzhunde

Stand: 18.06.2020

Von Assistenzhunden hast Du vielleicht schon einmal gehört. Manchmal werden sie auch Begleithunde genannt. Assistenzhunde unterstützen Menschen mit einer Behinderung bei verschiedenen Dingen im Alltag. Im Folgenden bekommst Du Informationen darüber, was ein Assistenzhund ist und wie er dein Kind unterstützen kann.


Bildquelle: © cylonphoto/ 123RF.com 

Was genau ist ein Assistenzhund?

Es gibt sehr viele verschiedene Assistenzhunde. Aber alle sollen Menschen mit Behinderung dabei helfen, ihren Alltag möglichst selbstbestimmt zu meistern oder dabei helfen, die Behinderung auszugleichen. Sie sind speziell ausgebildet und erfüllen je nach Ausbildung unterschiedliche Funktionen.

Ein Hund muss allerdings einige Charaktereigenschaften aufweisen, um sich für eine Ausbildung zum Assistenzhund zu qualifizieren. Er muss beispielsweise menschenfreundlich, nicht ängstlich oder aggressiv und gelehrig sein. Für die Ausbildung gibt es Richtlinien und spezielle Ausbilder. Am Schluss gibt es eine Abschlussprüfung.

Assistenzhunde sind auch dafür da, um dem Menschen mit Behinderung ein Freund und Begleiter zu sein. Sie können Trost spenden, für Freude sorgen oder ablenken. Kinder haben einen treuen Gefährten zum spielen und umsorgen. Wenn Menschen mit Behinderung alleine leben, steigt oftmals die Lebensqualität durch das Zusammenleben mit dem Tier. Sie haben jemanden, um den sie sich kümmern müssen, und mit dem sie zusammen ihren Alltag verbringen können.

In diesem Video kannst Du dir einen ersten Eindruck von Assistenzhunden verschaffen.

Für wen sind Assistenzhunde geeignet?

Assistenzhunde unterstützen sehr häufig Rollstuhlfahrer oder Menschen mit Gehbehinderung. Aber auch bei vielen anderen Einschränkungen kann ein Assistenzhund unterstützen.

Eine grundlegende Voraussetzung ist allerdings, dass man Hunde mag und sie respektiert. Nur so ensteht eine Verbindung zwischen Mensch und Hund, die eine für beide Seiten positive Zusammenarbeit ermöglicht. Eine weitere Voraussetzung ist, dass die Versorgung und Pflege des Hundes in jedem Fall gewährleistet sein muss. Ein Hund braucht regelmäßig Auslauf und genügend Zuwendung, er darf nicht ausschließlich als Hilfsmittel verstanden werden, sondern als Partner.

In jedem Fall muss der Halter fähig sein die Führungsrolle zu übernehmen, da der Hund sich sonst nicht einordnen kann und zuvor eintrainierte Kommandos verlernt werden. Aus diesem Grund ist es zum Teil schwer für Kinder und Menschen mit geistiger Behinderung, einen Hund als Helfer zu bekommen, da bestimmte Kommandos eintrainiert und zum richtigen Zeitpunkt gegeben werden müssen.

Das kann, muss aber nicht, für Menschen mit geistiger Behinderung eine Herausforderung sein.  

Welche Arten von Assistenzhunden gibt es?

Im Folgenden stellen wir dir einige Assistenzhunde und ihre Funktionen vor.

Servicehunde  

Diese Hunde sind vielseitige und nützliche Helfer im Alltag von Menschen mit Körperbehinderung. Dabei unterstützen sie vor allem Menschen im Rollstuhl und erhöhen deren Lebensqualität dadurch sehr. Gerade Dinge, die auf den Boden gefallen sind, können Herausforderungen im Alltag von Menschen mit Körperbehinderung darstellen. Servicehunde können diese Gegenstände z. B. aufheben und ihrem Besitzer bringen. Doch sie können auch lernen Schranktüren zu öffnen, Knöpfe und Schalter zu betätigen, die Waschmaschine aus- und einzuräumen, Türklinken zu drücken und vieles mehr.  

Blindenführhunde

Diese Hunde werden auch Blindenhunde genannt. Sie helfen blinden oder hochgradig sehbehinderten Menschen dabei, sich in ihrer Umgebung besser zurecht zu finden. Das ist vor allem in fremder Umgebung sehr hilfreich. Dabei sucht er z. B. Zebrastreifen und Ampeln, bringt seinen Besitzer zu Türen von neuen Gebäuden, oder findet für ihn einen freien Sitzplatz im Bus. Der Besitzer hält sich dabei mit einem Griff am Geschirr des Blindenführhundes fest und lässt sich von ihm leiten. Hier ist nicht jeder Hund geeignet. Damit die Person bequem stehen kann, muss ein Blindenführhund zwischen 50 und 65 Zentimeter hoch sein. Weitere Informationen zum Umgang mit einem Blindenführhund findest Du in der Broschüre "Der Blindenführhund - Assistenz auf vier Pfoten".

Signalhunde

Signalhunde helfen Menschen mit Höreinschränkung im Alltag und zeigen ihnen Geräusche in der Umgebung an. Das können vielfältige wichtige Geräusche sein, wie z. B. die Türklingel, der Wecker, das Telefon, der Rauchmelder, das Weinen von Babys, das Rufen des eigenen Namens oder Sirenen.

Warnhunde

Warnhunde werden ausgebildet, um vor einer bestimmten Sache zu warnen. Problematisch ist allerdings, dass Warnhunde oftmals empathisch auf frühe Anzeichen eines Anfalls, Asthmas etc. reagieren müssen. Daher werden als Warnhunde nur Hunde ausgewählt, die teilweise selbstständig auf einen Anfall aufmerksam werden. Das Deutsche Assistenzhundezentrum spricht davon, dass Hunde zum Warnhund geboren werden und nicht wirklich ausgebildet werden können.  

Es gibt folgende Arten von Warnhunden:

Diabetikerwarnhund

Diese Hunde erkennen, wenn der Blutzuckerspiegel ihres Besitzers sinkt oder steigt. Sie zeigen eine drohende Über- oder Unterzuckerung an und machen ihren Besitzer darauf aufmerksam. Diabetikerwarnhunde können auch lernen, im Notfall über ein Notfalltelefon Hilfe zu verständigen.

Epilepsiewarnhund und Epilepsieanzeigehund

Auch wenn es sich hier um zwei unterschiedliche Hundearten handelt, so helfen sie beide einem Menschen mit Epilepsie. Ein Epilepsiewarnhund bemerkt den Anfall einige Minuten zuvor und macht den Epileptiker darauf aufmerksam. Dadurch kommt der Anfall nicht überraschend. Der Epilepsieanzeigehund erkennt einen epileptischen Anfall, wenn er auftritt, und verständigt Angehörige oder Hilfe. Epilepsiehunde können auch weitere Aufgaben erlernen, wie das Erinnern an Medikamenteneinnahme, Bringen eines Telefons nach Anfällen oder das eigenständige Verständigen von Hilfe durch ein Notfalltelefon.

Asthmawarnhund

Der Asthmawarnhund erkennt einen Asthmaanfall bevor er auftritt. Er macht seinen Besitzer darauf aufmerksam. Dieser kann daraufhin Medikamente einnehmen, die Schlimmeres verhindern. Diesen Hund bekommen nur Asthmatiker, vor allem auch Kinder, bei denen der Arzt das Asthma als Schwerbehinderung einstuft.  

Schlaganfallwarnhund

Der Schlaganfallwarnhund warnt vor einem kommenden Schlaganfall. Diese Hunde werden für Menschen ausgebildet, die stark gefährdet sind einen (weiteren) Schlaganfall zu erleiden

Autismushunde

Das besondere an einem Autismushund ist seine Rolle. Er ist nicht nur ein Begleithund, sondern auch ein Therapiehund. Als Therapiehund hilft er dem Kind mit Autismus dabei, Motorik und Sprache zu verbessern und soziale Bindung zu fördern. Viele Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung können sich gut auf eine Bindung zu ihrem Haustier einlassen und sind dafür sehr empfänglich.

Als Begleithund sorgt der Autismushund für die Sicherheit seines Besitzers und hat vielfältige Aufgaben:

  • Er verhindert, dass das Kind in der Öffentlichkeit wegläuft. Das geschieht mit einer speziellen Leine, durch die Hund und Kind verbunden sind.
     
  • Er verhindert, dass das Kind aus dem Haus läuft. Durch Bellen oder ein anderes Alarmsignal macht der Hund die Eltern aufmerksam, wenn das Kind das Haus verlassen will. Er kann auch die Tür versperren.
     
  • Er kann das Kind suchen, wenn es wegläuft. Durch den Geruch findet er es schneller als Menschen.
     
  • Er kann die Eltern nachts wecken, wenn das Kind aufsteht.
     
  • Er kann dem Kind im Straßenverkehr helfen.
     
  • Er kann das Kind bei Reizüberflutung beruhigen oder von stereotypem Verhalten ablenken.
     
  • Er kann das Kind oder den Erwachsenen in der Öffentlichkeit, z.B. in der Warteschlange, vor zu viel Nähe abschirmen.
     
  • Er kann Hindernisse anzeigen.
     
  • Er kann Geräusche anzeigen.
     
  • Er kann epileptische Anfälle anzeigen, wenn es gewünscht ist.

Welche Hunderassen eigenen sich als Assistenzhunde?

Am häufigsten werden die Hunderassen Königspudel, Riesenschnauzer, Deutscher Schäferhund, Labrador Retriever, Golden Retriever oder deren Mischlinge zu Assistenzhunden ausgebildet. Das ist aber je nach Art der Begleitung unterschiedlich. Bei manchen Begleithundearten ist z. B. die Körpergröße wichtiger als bei anderen.

Die Ausbildung der Hunde beginnt schon im Welpenalter. Wenn die Hunde noch so jung sind, lernen sie schneller und motivierter. Die Ausbildung dauert dabei ca. ein Jahr.

Wer übernimmt die Kosten?

Bisher werden die Kosten unter bestimmten Umständen nur für Blindenführhunde auf Grundlage eines Hilfsmittels von den Krankenkassen übernommen.

Die Kostenübernahme für einen anderen Assistenzhund gestaltet sich oftmals deutlich schwieriger und die Kostenträger von einer Kostenübernahme zu überzeugen, ist leider oftmals nicht ganz einfach. Andere mögliche Kostenträger wären ebenfalls unter bestimmten Umständen z. B. Pflegekassen oder Integrationsämter, wenn der Assistenzhund die Teilhabe des Menschen mit Behinderung deutlich verbessert. Jedoch bedarf es hier immer einer Einzelfallprüfung. Auf der Seite Pfotenpiloten findest Du weitere Informationen.  

Welche Rechte haben Assistenzhunde?

Alle Assistenzhunde sind besondere Hunde und haben deswegen auch besondere Rechte.

Ein Assistenzhund unterstützt einen Menschen mit Behinderung bei seiner Teilhabe an der Gesellschaft. Er darf deswegen seinen Besitzer in jeder Lebenssituation begleiten, ohne Ausnahme. Dies ist auch in Krankenhäusern, Arztpraxen, Kleidungsgeschäften, Restaurants und ähnlichen Einrichtungen der Fall. Auch im ÖPNV darf der Assistenzhund als Begleitung mitgenommen werden.  

Außerdem sind Assistenzhunde von der Anleinpflicht und dem Wegegebot befreit. Da alle öffentlichen Gebäude barrierefrei sein sollen, darf ein Assistenzhund diese auch immer betreten.  

Da Assistenzhunde Nutztiere sind, sind sie auch nicht hundesteuer- und haftungspflichtig. 

Weiterführende Informationen
Quellenverzeichnis
Bildquellen