Diagnose FAS – und nun?

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Diagnose FAS – und nun?

Stand: 19.12.2019

In diesem Artikel wollen wir Dir erklären, was man unter FAS (Fetales Alkoholsyndrom) versteht, welche Folgen dies für dein Kind haben kann und welche therapeutischen Maßnahmen möglich sind. Falls es noch nicht lange her ist, dass Du diese Diagnose für dein Kind erhalten hast, empfehlen wir dir zu Beginn den Artikel „Diagnose Erstmitteilung - vom Suchen und Finden“ zu lesen, bei dem Du wertvolle Informationen und Hinweise zu den ersten Schritten nach einer Diagnosemitteilung bekommst.


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Was ist das? 

Unter fetalem Alkoholsyndrom (FAS) oder Alkoholembryopathie (AE) versteht man eine Schädigung des Kindes, die durch übermäßigen, dauerhaften und krankhaften Alkoholgenuss der Mutter während der Schwangerschaft entstanden ist. Da Alkohol alle Zellen und Organe schädigen kann, sind Kinder, die an FAS leiden, in ihrer Gesamtheit betroffen. D.h. sie sind sowohl körperlich und geistig-intellektuell, als auch in der Verhaltensentwicklung und in der sozialen Reifung beeinträchtigt. Die Ausprägungen der einzelnen Symptome sind allerdings von Kind zu Kind sehr unterschiedlich.

Wodurch kommt es dazu? 

Ursache der Alkoholembryopathie ist immer eine Alkoholkrankheit der Mutter. Alkohol im Blut der Mutter gelangt in der Schwangerschaft ungehindert über den Mutterkuchen zum Embryo und wirkt dort direkt auf das ungeborene Kind ein, bei dem sich die gleiche Blutalkoholkonzentration einstellt, wie bei der Mutter. Da der Alkohol für alle Körperzellen giftig ist, entwickeln sich Organe mangelhaft oder fehlerhaft. Je nach Ausprägung der Alkoholkrankheit (von leicht bis schwer) und weiteren Umständen (Alter der Mutter, Menge und Art des Alkohols, Stoffwechsel der Mutter etc.) gibt es verschiedene Formen und Schweregrade der Alkoholschädigung beim Kind. In der Medizin unterscheidet man deshalb zwischen leichten, mittelgradigen und schwergradigen Formen.

Was ist typisch für diese Kinder? 

Körperliche Besonderheiten

Die Kinder leiden in den ersten Tagen unter Entzugserscheinungen von dem Alkohol, den die Mutter zu sich genommen hat. Außerdem sind sie bei Geburt leichter und kleiner als Gleichaltrige. Das Gewicht, der BMI oder die Körpergröße liegen zum Zeitpunkt der Geburt oft niedriger als 90% der restlichen Kinder. Meistens sind die Kinder mit FAS auch im Verlauf ihres Lebens immer etwas kleiner als ihre Altersgenossen. Besonders auffällig sind auch die Merkmale im Gesicht von Kindern mit FAS. Zwischen der Nase und der Mitte der Oberlippe verläuft eine Einkerbung, die sehr abgeflacht oder komplett verstrichen ist. Der Nasenrücken und die Nase selbst sind oft relativ klein und kurz. Die Lidspalte, also die Breite des Auges ist vergleichsweise klein und die Oberlippe sehr schmal. Auch der Umfang des ganzen Kopfes ist bei den meisten Kindern geringer als der Durchschnitt, das wird in Fachkreisen auch Mikrozephalie genannt. Bei vielen Kindern können auch Nieren- oder Genitalfehlbildungen vorliegen. Im Verlauf des Lebens kommt es häufig jedoch dazu, dass diese körperlichen Auffälligkeiten und Fehlbildungen in den Hintergrund treten und nicht mehr so auffällig erkennbar sind. 

Kognitive Besonderheiten 

Der Alkohol hat viele negative Folgen für das Gehirn des Kindes, da sich das Gehirn im Mutterleib nicht vollständig entwickeln konnte. Das führt dazu, dass das Gehirn unter Umständen deutlich kleiner ist und der Informationsaustausch der verschiedenen Bereiche des Nervensystems beeinträchtigt ist. Bei vielen Kindern führt die FAS zu einer Intelligenzminderung. Sie können neue Reize oft nicht richtig wahrnehmen und verarbeiten. Oft führen diese Beeinträchtigungen dazu, dass Kinder mit FAS Schwierigkeiten beim Spracherwerb bzw. Sprechen haben. Auch mit dem Lesen, Rechnen und Lernen tun diese Kinder sich oft sehr schwer. Sie können sich oft nicht lange auf eine Sache konzentrieren und sind leicht ablenkbar. 

Soziale Besonderheiten

Durch die veränderte Wahrnehmung und Informationsverarbeitung sind Folgen wie zum Beispiel sozialer Rückzug, Angst vor neuen Situationen, Unruhe und leichte Beeinflussbarkeit bei Kindern mit FAS festgestellt worden. Andere Kinder neigen zu aggressivem Verhalten und haben Schwierigkeiten damit, sich an Regeln zu halten. Viele reagieren auf herausfordernde Situationen sehr impulsiv und können sich schwer selbst beruhigen. Sie gehen gerne ein Risiko ein und können Gefahren nicht so gut einschätzen. Sie vertrauen Menschen sehr schnell und es fällt ihnen schwer eine gute Distanz zu Fremden zu bewahren. 

Was kann ich tun? 

Da der Alkohol bereits von Anfang an die Zellen des Kindes beschädigt hat, ist eine Heilung von FAS leider nicht möglich. Es gibt dennoch einige Therapien, die deinem Kind helfen könnten. Je nachdem welche Auffälligkeiten dein Kind zeigt, wären zum Beispiel eine Logotherapie oder eine Ergotherapie geeignet. Viele körperliche Organfehlbildungen können durch Operationen korrigiert werden, die Besonderheiten im Denken und Verhalten deines Kindes zu fördern ist etwas schwieriger und komplexer. Hierfür ist viel Geduld, Engagement und Kreativität gefordert, um die besten Therapiemethoden für das Kind zu finden. Unter dem Unterpunkt „weiterführende Literatur“ geben wir dir einige Tipps für gute Bücher und Anregungen zu diesem Thema. Außerdem sollte beachtet werden, dass Kinder, die von FAS betroffen sind ein erhöhtes Risiko haben, selbst eine Sucht zu entwickeln, da sie sich bereits im Mutterleib an den Suchtstoff gewöhnt haben. Hier findest Du unter dem Kapitel „FAS und Sucht“ noch mehr Erklärungen und Hilfestellungen zu diesem Thema. 

Bitte setz dich mit den Folgen von Alkohol in der Schwangerschaft sehr gut auseinander! Je mehr Du verstehst, welche negativen Folgen dies für die Kinder hat, desto mehr wirst Du von Alkohol in der Schwangerschaft Abstand nehmen wollen. Kläre auch dein Umfeld und Freunde und Bekannte über dieses Thema auf!

Das sagen Betroffene von FAS: 

In diesem Video wird die Sicht einer betroffenen Pflegemutter dargestellt. 
In diesem Video berichten eine betroffene junge Frau und ihre Mutter über das Leben mit FAS. 

Weiterführende Informationen
Beratung & Hilfe?
Literatur
Quellenverzeichnis