Erwachsenenbildung

Jugend- und Erwachsenenalter

Erwachsenenbildung

Stand: 19.06.2020

Jedes Kind wird einmal erwachsen und die Schulzeit endet. Damit endet auch das schulische Lernen. Erwachsenenbildung schafft die Möglichkeit sich auch über die Schulzeit hinaus weiterzubilden und ermöglicht ein lebenslanges Lernen. Im folgenden Fachbeitrag bekommst Du Informationen darüber, was Erwachsenenbildung ist, welche Angebote es gibt, wie Du deinem Kind Erwachsenenbildung ermöglichen kannst und wo es geeignete Ansprechpartner gibt.


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Was ist Erwachsenenbildung?

Bildung ist dazu da, Menschen zu befähigen, dass sie in der Gesellschaft mitwirken und mitbestimmen können.

Umgangssprachlich umfasst Erwachsenenbildung alle Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Menschen nach der Schulzeit. Das kann in einem organisierten Rahmen als Seminar oder als Lernen in Eigenregie z. B. durch das Lesen eines Buches stattfinden. Erwachsenenbildung gibt es schon seit mehreren 100 Jahren, ist aber in den letzten 20 Jahren sehr populär geworden und bezieht seit der UN-Behindertenrechtskonvention ganz gezielt auch Menschen mit Behinderung ein.  

Die Grundsätze der Erwachsenenbildung sind Freiwilligkeit, Wahlfreiheit und Mitbestimmung.

Welche Inhalte vermittelt Erwachsenenbildung im Allgemeinen?

Thematisch gibt es Angebote in alle Richtungen, wirft man nur einmal einen kurzen Blick in das Angebot einer Volkshochschule vor Ort. Lebenslanges Lernen ist hier der Schlüssel. Die Idee dahinter: Bildung endet nicht nach 9, 10 oder 12 Jahren Schulzeit, einer anschließenden Ausbildung oder einem Studium. Menschen können und sollen ihr ganzes Leben lang neue Dinge lernen und sich in vielen Bereichen, die sie interessieren, weiterbilden und -entwickeln.  

Grob kann man die Erwachsenenbildung in allgemeine und berufliche Erwachsenenbildung einteilen.

Allgemeine Erwachsenenbildung

  • Vermittlung von Grundkompetenzen (z. B. Lesen und Schreiben)
     
  • Nachholen von Schulabschlüssen
     
  • Training von Fremdsprachen und Kommunikation
     
  • Alltagskompetenzen und Allgemeinwissen (z. B. Wirtschaft, Medizin, Biologie)
     
  • Politische und soziale Bildung
     
  • Weiterbildung von EDV- bzw. Computerkenntnissen

Berufliche Erwachsenenbildung

  • Berufliche Grundbildung, z. B. eine Ausbildung, die zu einem Beruf befähigt
     
  • Umschulungen zu einem anderen Beruf
     
  • Fortbildungen, um sich in seinem Beruf spezieller weiterzubilden
     
  • Aufstiegsfortbildungen, mit welchen ein höherer Posten erworben wird
     

Die meisten Bildungsinhalte der Erwachsenenbildung sind für Menschen mit Behinderung genauso erstrebenswert und ansprechend, wie für Menschen ohne Behinderung. Trotzdem müssen, je nach Beeinträchtigung, teilweise verschiedene Voraussetzungen gegeben sein, um ein lebenslanges Lernen zu ermöglichen.

Was unterscheidet Erwachsenenbildung für Menschen mit Behinderung?

Im Sinne der Inklusion könnte man fragen, warum es überhaupt spezielle Angebote der Erwachsenenbildung für Menschen mit Behinderung gibt. Leider sind die meisten Erwachsenenbildungseinrichtungen nicht auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen ausgerichtet, obwohl lebenslanges Lernen als klares Ziel in Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention formuliert wurde:  

Erwachsenenbildung für Menschen mit Behinderung soll  

  • das Selbstwertgefühl steigern,
     
  • die Persönlichkeit, Begabungen und Kreativität entfalten,
     
  • Teilhabe in der Gesellschaft fördern.

Erwachsenenbildung für Menschen mit geistiger Behinderung

Lebenslanges Lernen für Menschen mit geistiger Behinderung setzt voraus, dass der Anbieter der Bildungskurse für diese Personengruppe wichtige Inhalte klar verständlich, z. B. in leichter Sprache, vermittelt.

Dabei sind alle Inhalte denkbar, die die Menschen interessieren, doch der Fokus wird auf Themen wie

  • Umweltorientierung und -bewältigung
     
  • Kulturtechniken (Lesen, Schreiben und Rechnen)
     
  • Gesundheit und Erwachsenwerden
     
  • Wohn-/ freizeit-/ psychosoziale Themen

gelegt.
 

Für die Erwachsenenbildung für Menschen mit schwerer geistiger Behinderung können andere Themen relevant sein, z. B.

  • Ganzheitliches Spüren von z. B. Zuverlässigkeit und Rhythmus
     
  • Erfahrung von Abläufen und Regeln
     
  • Erfahrung des eigenen Körpers und der Selbsttätigkeit
     
  • Erfahrungen, die eigene Umwelt beeinflussen zu können

Je nach Schwere der geistigen Behinderung ist speziell geschultes Personal notwendig, um Kurse anzuleiten und durchführen zu können.

Weitere Hilfen, um sich in fremden Einrichtungen und Örtlichkeiten zurechtzufinden, sind z. B. klar verständliche einfache Schilder. Oft kann mit dem Kursleiter eine Möglichkeit gefunden werden und beispielsweise ein Treffpunkt vereinbart werden, falls die Orientierung in der Einrichtung zu kompliziert ist.

Erwachsenenbildung für Menschen mit Körperbehinderung

Barrierefreiheit wird immer gewünscht und doch selten umgesetzt. Schulungsgebäude müssen nahe gelegene Parkplätze oder eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr haben. Der Eingang muss barrierefrei, sprich rollstuhlgeeignet sein und - bei Schulungsräumen in oberen Etagen - ein Aufzug o.Ä. vorhanden sein. Auch unterfahrbare Tische sind in vielen Kursen eine große Erleichterung. Manchmal stehen solche Tische in der Einrichtung ohnehin zur Verfügung und müssen nur in den jeweiligen Raum gebracht werden. Diesen Sachverhalt muss man vorher mit dem Kursleiter absprechen.

Bei handwerklichen oder anwendungsbezogenen Kursen muss erfragt werden, ob eine Assistenzkraft den Kurs kostenlos begleiten darf, um der angemeldeten Person zu helfen oder ob diese ebenfalls eine Kursgebühr bezahlen muss. Auch die Anwesenheit eines Assistenzhundes muss abgeklärt werden.

Im Großen und Ganzen ist eine Flexibilität des Kursleiters wünschenswert – dann steht der Erwachsenenbildung im organisierten Rahmen nichts im Wege.

Erwachsenenbildung für Menschen mit Hörbehinderung

Wenn dein Kind eine Hörbeeinträchtigung oder ein Cochlea-Implantat hat, kann das Vorhandensein einer induktiven Höranlage eine große Erleichterung sein. Gerade bei großen Gruppen ist durch eine induktive Höranlage das Verstehen des Seminarleiters einfacher und unkomplizierter. Bei der zuständigen Einrichtung oder Volkshochschule kann sich vorab informiert werden, ob eine induktive Höranlage in den Räumlichkeiten vorhanden ist.

Weiter gibt es die Möglichkeit von Schriftdolmetschern, welche aber im Normalfall nicht von Veranstaltungen gestellt werden.  

Spezielle Veranstaltungen für taube Menschen bieten Erwachsenenbildung in Gebärdensprache an. Diese Veranstaltungen sind dann aber nicht mehr im regulären Pool der Volkshochschulen oder anderer Einrichtungen zu finden, sondern von gehörlosen Menschen für gehörlose Menschen. Durch sie können Menschen ohne Hörvermögen Zugang zu Anwesenheitsseminaren und deren Erwachsenenbildung bekommen.

Für Menschen mit Hörbehinderung kann es auch eine alternative Möglichkeit sein, virtuelle Angebote wahrzunehmen, z. B. in Schriftform oder in Videoform mit Untertiteln. Gerade, wenn in direkter Umgebung keine Räumlichkeit mit induktiver Höranlage oder in Gebärdensprache angeboten werden, kann das eine gewinnbringende Lösung sein.

Unter diesem Link bekommst Du weitere Informationen.

Erwachsenenbildung für Menschen mit Sehbehinderung und Blindheit

Sollte dein Kind blind sein, ist es hilfreich sich über die Barrierefreiheit in den Räumlichkeiten zu informieren. So sollten alle Hindernisse entfernt sein bzw. Unnötiges nicht im Weg stehen, oder für Menschen mit Sehbehinderung entsprechend markiert sein (z. B. Glastüren oder Treppenstufen). Eine große Hilfe kann es auch sein, wichtige Aufschriften, z. B. im Aufzug, in Braille-Schrift lesen zu können oder vorgelesen zu bekommen. So können sich Menschen mit Sehbehinderung und Blindheit auf dem Weg zu ihren Kursen in der Einrichtung leichter und ohne fremde Hilfe zu Recht finden. Abgeklärt werden muss auch, ob ein Blindenführhund im Kurs anwesend sein darf.  

Spezielle Kurse für blinde Menschen besitzen Kursmaterial und Skripte in Braille-Schrift oder Screen-Reader. Gerade bei Computer- / EDV- / anderen schriftbasierten Kursen ist dieses Material kaum verzichtbar. Hier kann es sinnvoll sein, einen speziellen Kurs einem regulären vorzuziehen.

Trotz teilweise spezieller Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung heißt es nicht, dass es immer nur spezielle Angebote für Erwachsenenbildung geben muss. Integrative oder inklusive Angebote können auch so gestaltet werden, dass sowohl Menschen mit als auch Menschen ohne Behinderung daran teilhaben können.  

Welche Anbieter für Erwachsenenbildung gibt es?

Deutsche Volkshochschule (vhs)

Die Volkshochschule ist mit der bekannteste Anbieter von Erwachsenenbildung mit zahlreichen Standorten in ganz Deutschland. Das Kursangebot ist vielfältig, eine grundsätzliche Barrierefreiheit ist aber nicht gewährleistet und von Kurs zu Kurs unterschiedlich. Weitere Informationen kannst Du aber bei der vhs in deiner Region erfragen.

Kursthemen sind unter anderem:

  • Arbeit und Beruf
     
  • Politik, Gesellschaft und Umwelt
     
  • Gesundheit und Sport
     
  • Grundbildung inkl. Kulturtechniken (Lesen, Schreiben, Rechnen)
     
  • Kunst, Musik und Gestalten
     
  • Sprachen und Kultur
     
  • Nachholen von Schulabschlüssen

Das Kursangebot ist unter diesem Link online einsehbar.
 

Weiter bietet die vhs ein umfangreiches digitales Angebot:

  • Kombinierte Präsenz- und Onlineseminare
     
  • Unterrichtsmaterialien im virtuellen Raum
     
  • Webinare (ohne Internet) und Onlinekurse (mit Internet)

Weitere Informationen dazu findest Du unter diesem Link

 

EUCREA

EUCREA ist der Dachverband zur Vertretung der Interessen von Künstlern mit Beeinträchtigungen im deutschsprachigen Raum. Er möchte Kunst und Kultur jedem Menschen mit und ohne Behinderung zugänglich machen. So entstehen verschiedene Projekte im gesamten deutschsprachigen Raum über Kunst, Kultur, Musik, Schauspiel, Film und ähnliches, die inklusiv gemeinsam mit anderen Gruppen und Vereinen vielfältige Themen besprechen und Projekte verwirklichen.  

Alle Events, Programme und Projekte von EUCREA findest Du auf ihrer Seite

Weiterführende Informationen
Quellenverzeichnis
  • Ackermann, Karl-Ernst (2012): Erwachsenenbildung für Menschen mit geistigen Behinderungen. Zwischen den Stühlen. Online unter: https://www.die-bonn.de/zeitschrift/22012/inklusion-03.pdf
  • Spies, Norbert (2014): Anforderungen an die Erwachsenenbildung für Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung. Online unter: http://digibib.hs-nb.de/file/dbhsnb_derivate_0000001824/Bachelorarbeit-Spies-2015.pdf
  • Gesellschaft Erwachsenenbildung und Behinderung e.V. Zeitschrift Erwachsenenbildung und Behinderung. Online unter: http://www.geseb.de/index.php/startseite.html bzw. http://www.geseb.de/index.php/zeitschrift.html
  • Deutscher Kulturrat (2018): Was ist Erwachsenenbildung? Online unter: https://www.kulturrat.de/themen/kulturelle-bildung/kulturelle-erwachsenenbildung/was-ist-erwachsenenbildung/
  • Artikel 24 UNBK: https://www.lwl.org/lja-download/datei-download-schulen/UN_Konvention_fuer_die_Rechte_von_Menschen_mit_Behinderungen_Inklusion/Inklusive_Beschulung/Tagungsdoku/1288330256_0/UN-Konvention_Artikel_24.pdf
  • Eder-Gregor, Beatrix (2019): Barrierefreie Erwachsenenbildung. Online unter: https://www.pedocs.de/volltexte/2019/16871/pdf/EderGregor_Speta_Baeck_2019_Barrierefreie_Erwachsenenbildung.pdf
  • Appelhans, Margrita (2011): Inklusive Bildung, die sich an Bedürfnissen orientiert: Erwachsenenbildung auch für blinde und sehbehinderte Menschen. Online unter: https://www.ssoar.info/ssoar/bitstream/handle/document/64170/ssoar-erwachsenenbildung-2011-4-gregori_et_al-Inklusive_Bildung_die_sich_an.pdf?sequence=1&isAllowed=y
  • Volkshochschule: https://www.volkshochschule.de/index.php
  • EUCREA: https://www.eucrea.de/
Bildquellen