Geschwisterkinder

Familie und Freizeit

Geschwisterkinder

Stand: 17.01.2020

In Deutschland leben derzeit rund zwei Millionen Kinder und Jugendliche mit einem schwer chronisch kranken oder behinderten Geschwisterkind. In den Familien spielt zwangsläufig das kranke oder behinderte Kind eine zentrale Rolle. Gesunde Geschwister erfahren daher häufig weniger Aufmerksamkeit und stehen im Schatten ihres behinderten Geschwisters. Deshalb werden sie auch oft Schattenkinder genannt. In diesem Fachbeitrag sollen diese Schattenkinder im Licht stehen: Was sind Ihre Herausforderungen? Was sind ihre Chancen beim Aufwachsen mit einem so besonderen Geschwisterkind? Welche Unterstützungsmöglichkeiten gibt es für sie? Auf diese und weitere Fragen erhälst Du im Folgenden Antworten.


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Welche Herausforderungen haben die Geschwisterkinder?  

Zu Beginn muss gesagt werden, dass die Situation der Geschwisterkinder in Familien sich komplett unterscheiden kann. Viele Faktoren beeinflussen das subjektive Empfinden der Geschwisterkinder gegenüber dieser besonderen Situation. Die Familiensituation, die Position in der Geschwisterreihenfolge und der persönliche Charakter der Kinder ist nur eine kleine Auswahl dieser Faktoren. Es ist wichtig, dass Du als Elternteil ein Gespür dafür bekommst, welche Schwierigkeiten sich für die Geschwisterkinder ergeben können. Ziehe aus der Aufzählung jedoch keine generellen Rückschlüsse, sondern betrachte alles im Lichte deiner ganz individuellen Familiensituation. Bei den folgenden beschriebenen Herausforderungen geht es also lediglich um Beispiele, die vielleicht jeweils auf ein paar, nicht aber auf alle Geschwisterkinder zutreffen werden.  

Die frühe Konfrontation mit dem Leid

Kinder, die ein geistig behindertes Geschwister und womöglich auch körperlich behindertes Geschwisterkind haben, werden häufig früher als Gleichaltrige mit Behinderungen, Krankheiten, gefühlter Hilflosigkeit oder Leid konfrontiert. Dadurch erfahren sie früh, was es heißt, auf Hilfe anderer angewiesen zu sein. Sie müssen schon oft in sehr jungem Alter lernen, Rücksicht auf das Geschwister mit Behinderungen zu nehmen, Eigenverantwortung zu übernehmen und mit gewissen Einschränkungen zu leben. Dies ist besonders schwierig für Kinder, die jünger als das Geschwister mit Behinderung sind, da sie es oft nicht verstehen, dass dem behinderten Geschwister notwendigerweise mehr Hilfe und Aufmerksamkeit zukommt.  

Selbstüberforderung und Überforderung der Geschwister

Die Geschwister sind teilweise durch die Unterdrückung von negativen Gefühlen, dem frühen Übernehmen von Verantwortung und durch vermehrte Betreuungspflichten bezüglich des Geschwisters mit Behinderungen, betroffen. Sie reagieren daraufhin häufig mit Gehemmtheit und Überangepasstheit, d.h. übertriebener Folgsamkeit, indem sie sich selber emotional überfordern, um allen Anforderungen gerecht zu werden. Dies zeigt sich manchmal in einer Idealisierung des behinderten Geschwisters, von dem nur positive Eigenschaften wahrgenommen werden oder auch in dem Versuch, den Eltern ein “perfektes Kind” zu sein. An dieser Stelle ist es sehr wichtig, dass die Eltern ihre Kinder auf keinen Fall überfordern und die Selbstüberforderungstendenzen der Geschwister damit unterstützen. Dies gilt ebenfalls für außerfamiliäre Bereiche, wie Schulnoten oder sportliche Leistungen.

Die Entwicklung von Schuldgefühlen

Durch unterdrückte Aggressionen und Eifersucht gegenüber dem behinderten Kind können bei dem Geschwister häufig Schuldgefühle entstehen, da sie sich vielleicht ihrer “bösen” Gedanken schämen. Auch dadurch, dass die Geschwister die reduzierten Möglichkeiten des Geschwisters mit Behinderung im Vergleich zu ihren eigenen Lebenschancen erkennen, können Schuldgefühle verursacht werden. In diesem Zusammenhang kommen häufig Fragen auf wie: “Warum bin ich nicht behindert? Warum bin ich gesund bzw. warum trifft das Schicksal ausgerechnet meine Schwester?”

Die Entwicklung dieser Schuldgefühle stellt sich als äußerst ungünstig für eine positive Verarbeitung der Situation durch die Geschwister und deren weitere Entwicklung dar. Deswegen ist es für die Eltern sehr wichtig, diese frühzeitig zu erkennen und mit ihren Kindern zu besprechen. Schuldgefühle äußern sich oft durch Selbstüberforderung des Kindes, allzu starker Selbstaufopferung oder auch Verdrängung und Distanzierung von der Familie.

Bevorzugung des Geschwisters und erschwerter Zugang zu den Eltern

Durch die starke organisatorische und seelische Belastung der Eltern bleibt oft nicht sehr viel Zeit, sich den Geschwisterkindern zuzuwenden. Das behinderte Kind muss zum Arzt, zum Physiotherapeuten oder zur Ergotherapie gebracht werden und auch zu Hause rund um die Uhr betreut werden. All dies erfordert sehr viel Zeit. So erhalten Geschwister geistig behinderter Kinder vor allem – wenn sie jünger als das behinderte Geschwister sind – insgesamt oft weniger Zuwendung und Aufmerksamkeit als Geschwister nicht behinderter Kinder.

Dies ist von den Eltern meist gar nicht beabsichtigt, doch die Geschwister fühlen sich trotzdem manchmal zurückgesetzt und erleben das Verhältnis zu ihren Eltern teilweise angespannt. Dabei können Gefühle wie Neid, Eifersucht und der Eindruck weniger geliebt zu sein entstehen. Aufgrund von Untersuchungen wurde festgestellt, dass vor allem jüngere Geschwister im Kleinkind- und Vorschulalter häufig weniger intensiven Kontakt zu ihren Eltern haben, als es eigentlich für sie in diesem Alter wichtig wäre.

Deshalb ist es wichtig, dass Eltern sich schon früh Gedanken um ihre nichtbehinderten Kinder machen, sich bewusst für sie Zeit nehmen, um möglichen psychischen Problemen, schulischen Schwierigkeiten und Kontaktstörungen rechtzeitig entgegenzuwirken.  

Anderes Erleben der Geschwisterfolge

In der Regel eifert ein jüngeres Geschwister dem älteren nach: Es will genauso groß sein, die gleichen Rechte bekommen und profitiert häufig von dem Vorbild des älteren Geschwisters.  

Dies ist bei einem älteren Geschwister mit geistiger Behinderung, welches aufgrund seiner verzögerten Entwicklung meist länger auf Hilfe angewiesen ist als seine Geschwister, völlig anders. Vor allem jüngere Kinder die erleben, wie sie das ältere behinderte Geschwister in seiner Entwicklung überholen, fühlen sich dadurch in ihrer Position als kleiner Bruder oder kleine Schwester verunsichert und reagieren darauf nicht selten mit Schuldgefühlen. 

Verbotene Rivalität

In jeder Geschwisterbeziehung sind Rivalität, Eifersucht, Streit, aber auch das Empfinden von Nähe und Geschwisterliebe an der Tagesordnung. Rivalität und Hass sind zwischen Brüdern und Schwestern normalerweise ausgeglichen, so dass der alltägliche Kampf um die Gunst der Eltern oder die beste Position in der Geschwisterreihe zum Familienleben dazu gehört. In der Geschwisterbeziehung ist dieser Kampf bzw. dieses Gleichgewicht nicht in gleicher Weise gegeben, da von dem nichtbehinderten Geschwisterkind häufig Rücksichtnahme gefordert wird und sich das Geschwister mit Behinderungen nicht als gleichberechtigter “Streitpartner” erweist. Es kann in diesem Fall leicht dazu kommen, dass sich bei dem Geschwister durch die ständige Unterdrückung seiner Bedürfnisse und Gefühle Wut aufstaut. Diese wird oftmals unterdrückt, da sie sich nicht gegen das behinderte, hilflose Geschwister richten kann, oder entlädt sich durch Zornesausbrüche.

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Die Angst selber behindert zu werden oder behinderte Kinder zu bekommen

Geschwister behinderter Kinder bekommen schon früh mit, dass geistige und körperliche Unversehrtheit keine Selbstverständlichkeit ist. So fragen sie sich mitunter, ob sie nicht ebenfalls genetisch vorbelastet sind und somit auch selbst Kinder mit Behinderungen bekommen können.

Ebenso nehmen sie Ähnlichkeiten zwischen sich und dem Geschwister häufig sehr bewusst war, indem sie Gestik und Mimik bei ihrem Geschwister beobachten und eigene Züge darin erkennen. Die bestehende Familienähnlichkeit die für viele Kinder völlig selbstverständlich ist, kann auf Geschwister behinderter Kinder bedrohlich wirken. Oft sind die Kinder diesen Belastungen ziemlich allein ausgeliefert, da sie sich meist nicht trauen, den Eltern davon zu erzählen und auch in der Schule darauf keine Antworten bekommen können. Dadurch kann die psychosoziale Entwicklung und Lebensgestaltung der Geschwister stark beeinträchtigt werden.

Aufgrund dieser Ängste der Kinder bezüglich der eigenen Gesundheit sowie der der eigenen Kinder, ist es für die Eltern notwendig, ihre Kinder schon früh über genaue Ursachen der Behinderung und inwiefern sie vererbbar ist, zu informieren.

Weitere Ängste können im Bezug auf die Akzeptanz des Geschwisters mit Behinderungen beim zukünftigen Lebenspartner entstehen.

Angst vor lebenslanger Verantwortung für das Geschwister

Viele Menschen mit Behinderung leben noch bis ins hohe Erwachsenenalter bei den immer älter werdenden Eltern. Durch die häufig schön früh übernommene Mitverantwortung der Geschwister bezüglich der Betreuung und Pflege des Geschwisters mit Behinderungen stellt sich den Geschwistern häufig die Frage, was denn im Blick auf die Zukunft mit dem behinderten Geschwister geschehen soll. Die meisten Geschwister sehen sich dadurch mit einer lebenslangen Verantwortung für das behinderte Geschwister konfrontiert. Diese Situation wird als starke Belastung wahrgenommen und ist häufig mit den vorher beschriebenen Bedenken bezüglich der Partnerwahl verknüpft. Auch hier ist es die wichtige Aufgabe der Eltern, die Geschwister von der moralischen und finanziellen Verpflichtung freizusprechen und sie somit von der psychischen Belastung ein Stück weit zu befreien.  

Die Schwierigkeit in einer außergewöhnlichen Familie zu leben

In bestimmten Phasen des Lebens gewinnt das Streben nach Konformität für Kinder und besonders für Jugendliche stark an Bedeutung. Sie wollen die gleichen Kleider tragen wie ihre Freunde und verwenden mit Vorliebe bestimmte Wörter, die gerade “in” sind.

Das Leben in einer Familie mit einem behinderten Kind, das keineswegs der Norm entspricht, wird deswegen in diesen Lebensphasen häufig als äußerst schwierig erlebt. Behinderung entspricht nicht der Norm unserer Gesellschaft und kann somit in der Öffentlichkeit, wie z.B. in Restaurants, zu manchmal peinlichen Erlebnissen führen. So kommt es, dass Jugendliche gelegentlich die Behinderung ihrer Schwester oder ihres Bruders verheimlichen und sich in der Öffentlichkeit nicht gemeinsam mit ihrem Geschwister zeigen wollen.

Die Eltern sollten das Verhalten ihres Kindes akzeptieren und behutsam versuchen ihm emotionalen Beistand bei der Verinnerlichung, der in der Familie vertretenen Werte und Normen, die sich von denen der Gesellschaft unterscheiden, zu leisten.

Dies ist eine wahrhaft schwierige Aufgabe für Eltern und Kinder, die durch Hänseleien, bissige Bemerkungen und andere Zeichen der Ablehnung von Bekannten oder Klassenkameraden oft noch zusätzlich erschwert wird. Die Geschwister müssen lernen, mit offenen Angriffen umzugehen, sowie den Zwiespalt zwischen den Werten der Familie und denen der Gesellschaft zu ertragen, um schließlich eine eigene Position zu beziehen.

Im diesem Video bekommst Du einen Einblick in das subjektive Erleben eines Geschwisterkindes, das die Familiensituation nicht als äußerst herausfordernd erlebt.

Chancen für Geschwister behinderter Kinder

Das Familienleben mit einem behinderten Geschwister birgt neben diesen Erschwernissen auch Chancen und Möglichkeiten, die positive Auswirkungen auf die psychosoziale Entwicklung des nicht behinderten Geschwisters haben können. Wie bei den Herausforderungen, trifft auch hier nicht alles auf jedes Geschwisterkind zu. Es soll dir lediglich einen Einblick geben, welche positiven Veränderungen sich für Geschwisterkinder ergeben können.  

Viele Kinder sind sehr hilfsbereit, merken wenn es jemand anderem schlecht geht und haben ein großes Empathie Vermögen. Durch die oft frühe Übernahme von Verantwortung sind sie in ihrem Charakter und in ihrer Persönlichkeit schon fortgeschrittener, als Gleichaltrige das sind. Viele kennen sich selbst gut und haben auch konkrete Ideen, was sie in ihrem Leben mal erreichen wollen. Viele Kinder verfügen über ein großes Selbstvertrauen und können mit Kritik relativ gut umgehen. Menschen mit Behinderung und die damit verbundenen besonderen Umstände sind für Geschwisterkinder oft ganz normal.

Die meisten sind damit aufgewachsen und kennen es nicht anders. Deswegen zeigen sie oft eine große Offenheit gegenüber Menschen, die eher am Rande der Gesellschaft stehen. Sie müssen oft schon früh lernen mit Enttäuschungen umzugehen, wenn sich Pläne plötzlich verändern, weil das Geschwisterkind zum Beispiel einen Anfall hat. Dadurch entwickeln sie jedoch eine hohe Frustrationstoleranz und lernen mit ungeplanten Ereignissen im Leben besser umzugehen. 

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Wie können wir als Eltern unsere „Schattenkinder“ unterstützen? 

  • Schaffe ein positives, optimistisches, liebevolles und stabiles Umfeld, in dem alle aufeinander achten und offen miteinander umgehen
  • Gebe allen deinen Kindern das Gefühl des Angenommenseins, indem Du dir für jedes Zeit nimmst und gleichermaßen zuwendest
  • Lasse sowohl positive als auch negative Gefühle der Geschwisterkinder gegenüber dem behinderten Kind zu
  • Sorge für eine offene Kommunikation in der Familie, so dass die Kinder über ihre Ängste und Sorgen mit dir sprechen können. Dabei kommen Schuldgefühle, Bedenken gegenüber der eigenen Gesundheit oder der der eigenen Kinder sowie bezüglich der zukünftigen Versorgung des behinderten Geschwisters zur Sprache
  • Höre deinen Kindern aktiv zu und zeigen deinem Kind dadurch, dass Du für sie da bist
  • Versuche deinen Kindern das Gefühl von Sicherheit zu geben. Bei den Geschwisterkindern darf nicht das Gefühl geweckt werden, dass sie sich selbst um die Eltern kümmern müssen
  • Informiere die Kinder über genaue Ursachen und Vererbbarkeit der Behinderung. Zur Unterstützung gibt es eine Reihe von Kinderbüchern, Bilderbüchern und Sachbüchern, die sich mit Behinderung auseinander auf kindgerechte Weise auseinandersetzen
  • Nimm dir bewusst mindestens einmal pro Woche Zeit, die Du mit deinem nichtbehinderten Kind alleine verbringst, um ihm bewusst zu machen, dass es auch wichtig ist
  • Setze dich einmal pro Woche mit allen Familienmitgliedern zusammen, um die nächste Woche zu besprechen, Klagen anzuhören und Aufgaben zu verteilen. Dadurch wird allen Beteiligten die Botschaft vermittelt, dass alle zusammen helfen, aber auch jeder mit seinen Bedürfnissen berücksichtigt wird.
  • Lasse deine Kinder Kinder sein! Alle Kinder brauchen eigene freie Zeit für Freunde, für Aktivitäten, zum Spielen oder auch zum Alleinsein. Binde es nicht zu stark in die Betreuung des behinderten Kindes ein oder zwingen es, sich mit ihm zu beschäftigen.
  • Lasse das Geschwister individuelle Freiräume suchen, in denen es sich ohne Verpflichtungen im Bezug auf das behinderte Geschwister entfalten kann (z.B. eigener Verein oder Freundeskreis)
  • Überfordere dein Kind nicht, in dem Du zu früh Mithilfe im Haushalt und bei der Betreuung des behinderten Kindes erwartest
  • Sei deinem Kind im Umgang mit der Behinderung vor allem in der Öffentlichkeit ein Vorbild. Zeigt die Mutter oder der Vater ein sicheres Verhalten mit ihrem behinderten Kind in der Öffentlichkeit, fällt es auch den Geschwistern sehr viel leichter gemeinsam mit ihm in der Öffentlichkeit aufzutreten.
  • Suche Kontakt zu anderen betroffenen Geschwistern und Familien. Gerade das Wissen, dass man mit einer Situation nicht allein auf der Welt ist und es Menschen gibt, die ähnliche Erfahrungen machen, kann vielfach schon eine Erleichterung an sich sein.
  • Zeige deinen Kindern Wege und Möglichkeiten, durch die sie effektive Verhaltensweisen erwerben können, um mit stressigen Situationen umgehen zu lernen. Die Geschwister brauchen Lösungsmodelle, sowohl für den Umgang mit ihrem Geschwister mit Behinderung, als auch z.B. für Konfliktsituationen im sozialen Umfeld.
  • Unterstütze Gespräche mit einer Vertrauensperson des Geschwisters, die außerhalb der Familie steht. Es kann deren Aufgabe sein, aus einer neutralen Position heraus Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen und dem Geschwister zu helfen, mit seinem Verhalten umgehen zu lernen bzw. es zu verändern.

Welche Unterstützungsmöglichkeiten gibt es? 

  • Der Familienentlastende Dienst (FED)
    Der FED ist ein mobiler sozialer Dienst der Lebenshilfe in Deutschland, der Familien mit behinderten Kindern entlasten will. Mitarbeiter des FED übernehmen für einen Zeitraum von ein paar Stunden regelmäßig die Betreuung des behinderten Kindes, sowie manchmal auch die der Geschwister. Auf diese Weise werden sowohl Eltern, als auch Geschwister von der Betreuungssituation des behinderten Kindes entlastet und haben Zeit füreinander oder für eigene Interessen
  • Geschwisterseminare
    Geschwisterseminare sind für die Geschwister eine gute Möglichkeit, mit ihren Bedürfnissen, Wünschen und Sorgen einmal im Mittelpunkt zu stehen und zumindest für eine kurze Zeit Abstand von der Situation zu Hause zu gewinnen. Die Geschwisterseminare bieten den Geschwistern Raum, Fragen zu stellen, ihre eigenen Gefühle zu äußern und neue Ausdrucksmöglichkeiten zu finden, ohne dabei Rücksicht auf die Gefühle der anderen Familienmitglieder nehmen zu müssen. Es ist ein sehr positives Erlebnis für die Geschwister, wenn sie erfahren, dass es noch viele andere Kinder gibt, die sich in der gleichen Situation wie sie befinden. Hier finden Sie eine Suchmaschine, die Ihnen alle derzeitigen Angebote für Geschwisterkinder anzeigt.
  • Die Familienberatung
    Die Familienberatung ist eine Form der Beratung, bei der alle in der Familie lebenden Bezugspersonen mit einbezogen werden. Jedes Familienmitglied, auch die Geschwister, können ihre Probleme, Sorgen und Ängste erzählen und daraufhin Vorschläge und Hilfen zur Bewältigung der Situation durch den Therapeuten bekommen. In der Therapie haben die Geschwister die Möglichkeit, ihre negativen Gefühle, wie Neid, Eifersucht und Rivalitätsgedanken einzubringen, die daraufhin in der Beratungssituation Gegenstand gemeinsamer Gespräche und Überlegungen werden können. Die Familienberatung findet meistens in speziellen Institutionen, wie Therapiezentren, Kliniken, im Jugend- oder Sozialamt im Rahmen einer Erziehungsberatungsstelle oder in Behinderteninstitutionen, statt.
  • Selbsthilfegruppen für Eltern
    In diesen Selbsthilfegruppen können die Eltern Kontakt zu Menschen, die in gleicher Weise betroffen sind und somit auch ähnliche Probleme haben, bekommen. Es kann sehr hilfreich sein neben der Beratung durch Fachleute, Kontakt zu anderen betroffenen Eltern zu haben und mit ihnen über gemeinsame Erfahrungen zu sprechen. Auch für Geschwister gibt es in einigen Orten und Städten Geschwistergruppen zum gemeinsamen Erfahrungsaustausch. Am besten informieren Sie sich darüber über die Förderschule ihres Kindes, über die Lebenshilfe in der Stadt oder durch Recherche im Internet.
  • Heimunterbringung des behinderten Kindes
    Eine weitere Entlastung zur Entspannung kann die Unterbringung des behinderten Kindes in einem Wohnheim sein. Für viele Eltern ist diese Entscheidung oft sehr schwer. Dennoch erleben viele Eltern eine Unterbringung in einem Wohnheim als erhebliche Entlastung für den Alltag. Du als Elternteil musst dir bewusst machen, dass Du dein Kind nicht „abschieben“, sondern stattdessen Entwicklungsmöglichkeiten auf beiden Seiten ermöglichen kannst. Hier kannst Du dich über Vor- und Nachteile einer Unterbringung im Wohnheim aus Sicht einer betroffenen Mutter informieren. Auf die nicht behinderten Geschwister kann sich die Heimunterbringung unterschiedlich auswirken. Es ist sehr wichtig, dass du deinen Kindern genau erklärst, warum Du erwägst das behinderte Geschwister in einem Heim unterzubringen. Bei unzureichender Informierung der Kinder können häufig Ängste und starke Schuldgefühle bei den Geschwistern hervorkommen, weil der Gedanke entstehen kann, dass sie an der Entscheidung schuld seien. Manche Kinder haben ebenfalls Angst, dass sie bei schlechtem Benehmen ebenfalls in ein Heim kommen. Waren die Geschwister stark in die Betreuung des behinderten Kindes eingebunden, kann die Heimunterbringung jedoch durchaus auch für sie als Entlastung erlebt werden.
  • Kinderhospizvereine  
    Viele Kinderhospizvereine bieten ebenfalls Möglichkeiten an, die Eltern, das betroffene Kind und auch die Geschwisterkinder zu unterstützen und zu begleiten. Du kannst psychosoziale und professionelle Beratung, sowie einige Aktivitäten, wie z.B. Familientreffen oder Geschwistergruppen in Anspruch nehmen. Weitere Informationen erhälst Du zum Beispiel auf der Internetseite des Kinderhospiz Sternenzelt Mainfranken.

Filmtipps

Die Filme "Mehr als ein Bruder" und "Unzertrennlich".

Weiterführende Informationen

Literatur

  • Caroline Schaback: Zur Lebenssituation der Geschwister behinderter Kinder. Online veröffentlichte Examensarbeit, Universität Würzburg
    Download: Geschwister.pdf - 1.4 MBytes
  • Eberhard Grünzinger: Geschwister behinderter Kinder. Besonderheiten, Risiken und Chancen. Neuried 2005
  • Ilse Achilles: „… und um mich kümmert sich keiner!“ Die Situation der Geschwister behinderter und chronisch kranker Kinder. Ernst Reinhardt Verlag 2018
  • Conny Wenk: Außergewöhnlich: Geschwisterliebe. Neufeld Verlag 2017
  • Tom Tirabosco: Wunderland. Avant Verlag 2017.
  • Mark Lowery: Wie ein springender Delfin. Rowohlt Verlag 2017


Links

Quellenverzeichnis
Bildquellen
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