Parkausweis

Mobilität und Verkehr

Parkausweis

Stand: 13.02.2020

Menschen mit einer außergewöhnlichen Gehbehinderung haben Anspruch auf einen Parkausweis. Welche verschiedenen Parkausweise es gibt und alle weiteren wichtigen Informationen zum Thema Parkausweis findest Du in diesem Fachbeitrag.


Bildquelle: © Gundolf Renze - stock.adobe.com  

Wer hat Anspruch auf einen Parkausweis?

Grundsätzlich haben Menschen mit einer außergewöhnlichen Gehbehinderung (Merkzeichen „aG“ im Schwerbehindertenausweis) Anspruch auf Parkerleichterungen und können einen besonderen Parkausweis beantragen.

Die außergewöhnliche Gehbehinderung wird in § 229 SGB IX definiert.

Sie legt fest, dass ein Mensch, der sich aufgrund der Schwere seiner Beeinträchtigung dauernd und nur mit fremder Hilfe oder großer Anstrengung außerhalb des Kraftfahrzeuges bewegen kann, eine außergewöhnliche Gehbehinderung hat. Diese allein entspricht einem Grad der Behinderung (GdB) von 80.

Ist dein Kind z. B. dauerhaft, auch nur bei sehr kurzen Strecken, auf einen Rollstuhl angewiesen ist, so spricht man hier von einer außergewöhnlichen Gehbehinderung.  

Mittlerweile gelten neben einer außergewöhnlichen Gehbehinderung noch weitere Voraussetzungen, unter denen ein Parkausweis bereits genehmigt wird (z. B. das Merkzeichen „Bl“ für Blindheit, die Merkzeichen G für „erhebliche Gehbehinderung und „B“ für Begleitperson oder auch bestimmte Krankheiten).

Auch Du als Elternteil eines Kindes mit einer Behinderung kannst einen solchen Parkausweis beantragen und diesen immer nutzen, wenn dein Kind mit im Auto sitzt.

Welche Merkzeichen und Voraussetzungen Du für welchen Parkausweis benötigst, möchten wir dir nun erklären.

Welche Parkausweise gibt es und wo kann ich sie beantragen?

Es gibt drei verschiedene Parkausweise. Für alle diese Parkausweise gilt:  

  • Parken bis zu drei Stunden im eingeschränkten Haltverbot
     
  • Überschreitung der zugelassenen Parkdauer im Bereich eines Zonenhaltverbots
     
  • Parken über die zugelassene Zeit hinaus an Stellen, die durch Zeichen „Parkplatz“ oder Zeichen „Parken auf Gehwegen“ gekennzeichnet sind und für die durch ein Zusatzschild eine Begrenzung der Parkzeit angeordnet ist
     
  • Parken während der Ladezeit in Fußgängerzonen, in denen das Be- oder Entladen für bestimmte Zeiten freigegeben ist
     
  • Parken an Parkuhren und bei Parkscheinautomaten ohne Gebühr und ohne zeitliche Begrenzung
     
  • Parken auf Parkplätzen für Anwohner bis zu drei Stunden
     
  • Parken in verkehrsberuhigten Bereichen außerhalb der gekennzeichneten Flächen, ohne den durchgehenden Verkehr zu behindern
     

Diese Rechte gelten jedoch nur, wenn in zumutbarer Entfernung keine andere Parkmöglichkeit besteht. Außerdem darf dort max. 24 Stunden am Stück geparkt werden.  

Beantragen kannst Du alle Ausweise in deiner örtlichen Stadt- oder Gemeindeverwaltung. Der Ausweis ist gebührenfrei und gilt max. fünf Jahre, danach muss er erneut beantragt werden. Der Parkausweis sollte immer gut sichtbar hinter der Windschutzscheibe liegen. Zusammen mit dem Parkausweis erhälst Du auch einen Bescheid, der dir alle Parkmöglichkeiten erklärt.

Das Auto selbst muss weder auf die Person mit Behinderung zugelassen sein, noch muss die Person mit Behinderung selbst einen Führerschein haben. Wichtig ist nur, dass der Ausweis nur dann genutzt werden darf, wenn die Person mit Behinderung auch wirklich Beifahrer ist, also mit im Auto sitzt.  

Hellblauer internationaler Parkausweis (EU-Parkausweis)

Mit dem hellblauen EU-Parkausweis darfst Du die oben genannten Rechte in ganz Deutschland nutzen. Außerdem berechtigt dich dieser Ausweis, auf speziell gekennzeichneten Schwerbehindertenparkplätzen zu parken.

Vor einer Fahrt ins Ausland informiere dich bitte über die dort jeweils bestehenden Rechte (unter diesem Link kannst Du dich informieren), da diese teilweise sehr unterschiedlich sind.

Einen hellblauen internationalen Parkausweis bekommt, wer eine der folgenden Voraussetzungen erfüllt:

  • das Merkzeichen aG für außergewöhnliche Gehbehinderung im Schwerbehindertenausweis
     
  • das Merkzeichen Bl für blind im Schwerbehindertenausweis
     
  • Contergan-Schädigung oder vergleichbare Beeinträchtigung, z. B. Amputation beider Arme

Dunkelblauer Parkausweis Bayern  

Der dunkelblaue Parkausweis berechtigt dich dazu, neben den oben genannten allgemeinen Rechte auch Behindertenparkplätze zu nutzen – allerdings gilt dies nur in Bayern.

Einen dunkelblauen Parkausweis mit Vermerk „nur BY“ bekommen:  

  • Schwerbehinderte Menschen, die allein für die Funktionsstörungen an den unteren Gliedmaßen (und der Lendenwirbelsäule, soweit sich diese auf das Gehvermögen auswirken) einen GdB von wenigstens 80 und die Merkzeichen G und B zuerkannt bekommen haben
     
  • Schwerbehinderte Menschen, die allein für die Funktionsstörungen an den unteren Gliedmaßen (und der Lendenwirbelsäule, soweit sich diese auf das Gehvermögen auswirken) einen GdB von wenigstens 70 zuerkannt bekommen haben und gleichzeitig durch Funktionsstörungen des Herzens oder der Atmungsorgane, die wenigstens einen GdB von 50 bedingen, beeinträchtigt sind sowie die Merkzeichen G und B erhalten haben

Dieser Parkausweis wird jedoch nicht mehr ausgegeben. Personen mit einem dunkelblauen Parkausweis mit Vermerk "BY" können beim ZBFS die Zuerkennung des Merkzeichens aG beantragen. Dann erhalten Sie einen hellblauen internationalen Parkausweis. 

Orangefarbener Parkausweis Deutschland

Der orangefarbene bundesweite Parkausweis berechtigt dich nur zu den oben genannten Rechten.

Den orangefarbenen bundesweiten Ausweis erhalten:

  • Schwerbehinderte Menschen, die allein für die Funktionsstörungen an den unteren Gliedmaßen (und der Lendenwirbelsäule, soweit sich diese auf das Gehvermögen auswirken) einen GdB von wenigstens 80 und die Merkzeichen G und B zuerkannt bekommen haben
     
  • Schwerbehinderte Menschen, die allein für die Funktionsstörungen an den unteren Gliedmaßen (und der Lendenwirbelsäule, soweit sich diese auf das Gehvermögen auswirken) einen GdB von wenigstens 70 zuerkannt bekommen haben und gleichzeitig durch Funktionsstörungen des Herzens oder der Atmungsorgane, die wenigstens einen GdB von 50 bedingen, beeinträchtigt sind sowie die Merkzeichen G und B erhalten haben
     
  • Personen mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa mit Einzel-GdB 60
     
  • Personen mit Doppelstoma (künstlicher Darmausgang und künstliche Harnableitung nach außen) mit Einzel-GdB 70
Weiterführende Informationen
Quellenverzeichnis
Bildquellen
  • https://stock.adobe.com/de/images/parkplatz-rollstuhlfahrer-parken-pause-menschen-verkehr/87127709