Versicherungen bei Menschen mit Behinderung

Versicherungen bei Menschen mit Behinderung

Versicherungen bei Menschen mit Behinderung

Stand: 02.04.2020

Versicherungen sind ein oft unübersichtliches Thema, das vielen Menschen Kopfzerbrechen bereitet. Im Folgenden bekommst du Informationen darüber, ob und bei welchen Versicherungen es andere Voraussetzungen für Menschen mit Behinderungen gibt und was dabei wichtig zu beachten ist.


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Krankenversicherung

Die Krankenversicherung trägt die Kosten für medizinische Behandlungen, Medizin und Arzneimittel, sowie Heil- und Hilfsmittel. Alles zum Thema Krankenversicherung für Menschen mit Behinderung findest Du in unseren Fachbeiträgen zum Thema Krankenversicherung.

Pflegeversicherung

Die Pflegeversicherung gewährt häusliche oder stationäre Pflegehilfe, Pflegegeld, Sachleistungen, Pflegepersonal etc. Alles zum Thema Pflegeversicherung für Menschen mit Behinderung findest Du in unseren Fachbeiträgen zum Thema Pflegeversicherung.

Rentenversicherung

Was ist eine Rentenversicherung?

Durch die Rentenversicherung werden Versicherte im Alter versorgt. Vor Eintritt des Rentenalters sichert sie Erhaltung, Besserung und Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit der Versicherten. Die allgemeine private Leibrentenversicherung kann ohne Gesundheitsprüfung abgeschlossen werden. 
Weitere Informationen zu Alter und Rente findest Du im Fachbeitrag "Alter und Rente"

Wann ist eine Riester-Rente für Menschen mit Behinderung sinnvoll?

Die Riester-Rente gibt es seit 2001 und soll die sinkenden staatlichen Renten ausgleichen. Laut § 10a EstG dürfen Menschen mit Behinderung, die in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung arbeiten, Riester-Rente beziehen. Allerdings sollte man die Umstände genau prüfen, bevor man eine Riester-Rente abschließt.

Oft bekommen Menschen mit Behinderung, die in einer Werkstatt arbeiten, Leistungen der Grundsicherung oder ähnliche Leistungen. Dann gibt es beispielsweise besondere Regelungen, in wie weit die Riester-Rente bei der Berechnung von Grundsicherungsleistungen angerechnet wird.
Früher wurde die Riester-Rente voll auf die Grundsicherungsleistungen angerechnet. Mittlerweile gibt es einen Grundfreibetrag in Höhe von 100 € monatlich. 
Wenn die Riester-Rente höher als diese 100 € ist, dann ist der übersteigende Betrag zu 30 % anrechnungsfrei. Maximal sind jedoch nur bis zu 216 € (Stand Jahr 2020) anrechnungsfrei möglich (§ 82 Abs. 4f SGB XII).

Unfallversicherung

Was ist eine Unfallversicherung?

Die Unfallversicherung kommt nach Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten zum Einsatz, um die Leistung und Gesundheit des Versicherten wiederherzustellen bzw. Hinterbliebene zu entschädigen. In bestimmten Situationen ist man gesetzlich unfallversichert, für andere Situationen kann man eine private Unfallversicherung abschließen. 

Was deckt die gesetzliche Unfallversicherung ab?

Besucht ein Kind mit oder ohne Behinderung einen (Förder-)Kindergarten oder eine (Förder-)Schule, ist es gesetzlich unfallversichert. Genauso ist es, wenn ein erwachsener Mensch mit Behinderung in einer speziellen Werkstatt, in Heimarbeit oder auf dem freien Arbeitsmarkt tätig ist. Der Schutz gilt in der Einrichtung, auf dem Weg zur oder von der Einrichtung oder auf Ausflügen der Einrichtung. Passiert in diesen Situationen ein Unfall greift die Unfallversicherung. Die gesetzliche Grundlage ist SGB VII

Die gesetzliche Unfallversicherung deckt nach einem Unfall Leistungen ab, wie:

  • Heilbehandlungen (Arztbesuche, Arzneimittel, Krankenhausaufenthalte)
     
  • Verletztengeld (80 % des Bruttogehalts, maximal 78 Wochen)
     
  • Berufshilfe (Umschulung oder Ausbildung bei Berufsunfähigkeit)
     
  • Soziale Rehabilitation (KFZ-, Wohnungs-, Haushaltshilfe, sowie Sport)
     
  • Pflegegeld (Bei Pflegebedürftigkeit nach dem Unfall)
     
  • Sterbegeld (An die Hinterbliebenen nach einem Unfalltod)

Allerdings deckt die gesetzliche Unfallversicherung keine Unfälle ab, die z. B. bei Essenspausen, auf Toilettengängen, während Therapiemaßnahmen oder Arztbesuchen geschehen. Lediglich Unfälle während Arbeits- oder Schulsituationen werden versichert.

Was deckt eine private Unfallversicherung ab?

Eine private Unfallversicherung deckt, im Vergleich zur gesetzlichen Unfallversicherung, Unfälle ab, die immer und überall passieren können. Allerdings zahlt sie nur bestimmte Geldbeträge aus und übernimmt in der Regel keine Kosten für Rehamaßnahmen, Pflegegeld, Berufshilfe etc. 

Schwer- und schwerstpflegebedürftige Menschen, sowie Menschen mit einer wesentlichen geistigen Behinderung oder einer schweren psychischen Erkrankung sind im Regelfall nicht versicherbar. 

Haftpflichtversicherung

Was ist eine Haftpflichtversicherung?

Eine Haftpflichtversicherung greift ein, wenn der Versicherte einem Dritten geschadet hat und ein Schadensersatz gefordert wird. Hier werden nur fahrlässig verursachte Schäden, wie z. B. durch einen Unfall, versichert. Absichtlich herbeigeführte Schäden sind ausgenommen.

Welche Besonderheiten gibt es bei Kindern mit Behinderung?

Ein Kind mit Behinderung ist anfangs oft bei seinen Eltern mitversichert. Im Schadensfall kann die Versicherung behaupten, nicht für den Schaden aufzukommen, wenn sie vorher nicht von der Behinderung in Kenntnis gesetzt wurde. Um sicher zu gehen, sollte daher die Versicherung schriftlich über die Behinderung des Kindes informiert werden mit der Bitte, den Erhalt dieser Information und das weitere Bestehen des Versicherungsschutzes für das Kind schriftlich zu bestätigen.

Übrigens: Rollstühle sind normalerweise in der Privathaftpflichtversicherung mitversichert. Das muss jedoch im Einzelfall geprüft werden. Schäden, die durch einen genutzten Rollstuhl verursacht werden, sind von vielen Haftpflichtversicherungen abgedeckt. Es ist jedoch unbedingt zu empfehlen, sich dies schriftlich von der Versicherung bestätigen zu lassen.

Benötigt ein erwachsener Mensch mit Behinderung eine Haftpflichtversicherung?

Da die Schadensfälle und Behinderungsarten gleichermaßen so unterschiedlich sein können, ist es nicht möglich generell zu sagen, ob ein Mensch mit Behinderung haften muss oder nicht. Dies wird von seiner Deliktsfähigkeit beeinflusst, die nach einem Vorfall eingehend geprüft wird.

Unter Deliktsfähigkeit versteht man die Fähigkeit, das Unerlaubte einer Handlung einzusehen und dieser Einsicht gemäß zu handeln. Ist eine Person deliktsfähig, ist sie für den Schaden, den sie einer anderen Person zufügt, verantwortlich. Doch selbst bei einer eindeutigen oder dauerhaften Deliktsunfähigkeit, z. B. bei Menschen mit einer schweren geistigen Behinderung, macht eine Haftpflichtversicherung Sinn: Sie deckt die Kosten für eine Prüfung der Deliktsfähigkeit ab. 

Achtung: Viele Werkstätten und Förderstätten, manchmal auch Wohneinrichtungen bieten Sammelhaftpflichtversicherungen an. Hier kann es manchmal zu Schwierigkeiten kommen, insbesondere dann, wenn nur eine bestimmte Anzahl von Menschen sammelversichert ist, aber die Namen der Versicherten nicht festgelegt sind. Im Zweifelsfall lieber eine eigene Versicherung abschließen. 

Auf dieser Seite kannst Du dich über spezielle Versicherungsangebote insbesondere für Menschen mit geistiger Behinderung informieren.

Welche Versicherung brauche ich für Kraftfahrzeuge und Rollstühle?

Jeder Kfz-Halter ist verpflichtet, sein Fahrzeug zu versichern. Damit es im Schadenfall kein „böses Erwachen“ gibt, ist zu beachten, dass Sonderausstattungen wie z. B. Rollstuhlhebebühnen oder der behindertengerechte Fahrzeugumbau der Versicherung gemeldet werden müssen.

Maschinell angetriebene Rollstühle ab 6 km/h müssen ebenfalls mit einer Kfz-Haftpflichtversicherung versichert werden und mit einem Versicherungskennzeichen ausgestattet, jedoch nicht angemeldet werden.

Nicht maschinell angetriebene Rollstühle sollten ebenfalls versichert sein, z. B. durch die Privat-Haftpflichtversicherung des Betroffenen, der Eltern oder eines sonstigen Trägers. Das ist jedoch nicht verpflichtend. Außerdem besteht die Möglichkeit, den Rollstuhl selbst gegen Schäden zu versichern. In diesem Fall kommt die Versicherung auf, falls Dritte den Rollstuhl beschädigen.

Wie hängen Aufsichtspflicht und Haftung zusammen?

Die Aufsichtspflicht hat grundsätzlich zwei Aspekte:

  • Eine Person beaufsichtigen, damit Dritte nicht zu Schaden kommen.
     
  • Eine Person beaufsichtigen, damit sie sich selbst nicht verletzt.

Verursacht die beaufsichtigte Person einen Schaden, haftet die Aufsichtsperson nur dann, wenn sie sich schuldhaft fehlverhalten hat. Hier wird allerdings jeder Einzelfall gesondert geprüft.

Rechtsschutzversicherungen

Was ist eine Rechtsschutzversicherung?

Die Rechtsschutzversicherung trägt das Kostenrisiko von Rechtsstreitigkeiten. Hierbei geht es insbesondere um die Übernahme von Rechtsanwalts- und Gerichtskosten.

Gibt es Besonderheiten bei Menschen mit Behinderung?

Nein. Beim Abschluss einer Rechtsschutzversicherung gelten keine anderen Regelungen im Vergleich zu Menschen ohne Behinderung. Der Umfang der Versicherung ist derselbe und ist nicht vom Gesundheitsstatus abhängig. Insofern ist die Frage, ob eine Rechtsschutzversicherung gebraucht wird, unter den gleichen Umständen zu beantworten, wie bei einem Mensch ohne Behinderung und abhängig von den jeweiligen Lebensumständen. 

Allerdings sind nicht zwingend in jedem Versicherungsangebot auch sozialrechtliche Verfahren abgedeckt. Diese sind aber oftmals bei Menschen mit Behinderung relevant und man sollte sich im Vorfeld genau darüber erkundigen.

Sachversicherungen

Was sind Sachversicherungen?

Sachversicherungen versichern das Hab und Gut einer Person. Dazu gehören die Hausratversicherung und die Wohngebäudeversicherung.

Gibt es Besonderheiten bei Menschen mit Behinderung?

Da sich diese Versicherungen auf das Eigentum, nicht auf die Person beziehen, ist die Behinderung eines Menschen dabei nicht relevant. Auch die Frage nach der Notwendigkeit einer Sachversicherung ist unter den gleichen Punkten zu betrachten, wie bei einem Menschen ohne Behinderung. Sollten nach Versicherungsabschluss bauliche Maßnahmen getroffen werden, wie z. B. der Einbau eines Lifts für Menschen mit Behinderung, muss die Versicherung lediglich darüber in Kenntnis gesetzt und die Versicherungssumme angepasst werden.

Reiseversicherungen

Was sind Reiseversicherungen?

Reiseversicherungen schützen vor Eventualitäten, die während einer Reise entstehen können. Hierzu zählen z. B. die Auslandskrankenversicherung, die Reiserücktrittsversicherung oder die Reisegepäckversicherung.

Gibt es Besonderheiten bei Menschen mit Behinderung?

Soll eine Gruppenreise angetreten werden, kann der Versicherungsschutz mit dem Veranstalter abgeklärt werden. Oft ist der Versicherungsschutz schon im Reisepreis beinhaltet.

Bei der Auslandskrankenversicherung ist grundsätzlich zu beachten, dass sie nur allgemeine Behandlungen im Ausland ersetzt, sowie lebensbedrohliche Akutsituationen jeglicher Art. Allgemeine Behandlungen aufgrund einer Vorerkrankung, Behinderung etc. werden nicht ersetzt.

Bei der Reiserücktrittsversicherung ist es wichtig zu erfragen, ob auch eine unerwartete Verschlechterung einer bisherigen Krankheit mitversichert ist. In diesem Fall werden die Stornierungskosten bei Nichtantreten der Reise ersetzt.

Versicherungen allgemein


Es gibt für alle möglichen und unmöglichen Risiken Versicherungen. Man kann nicht objektiv feststellen, welche Versicherung sinnvoll ist und welche nicht. Letztlich muss man die Menge und auch den Umfang von eigenem Versicherungsschutz für sich selbst entscheiden und für sich selbst berücksichtigen, welchen Versicherungsschutz man als wichtig und notwendig betrachtet.

Weiterführende Informationen

Solltest Du genauere Informationen zum Thema Versicherung bei Menschen mit Behinderung benötigen, findest Du weitere Informationen genau erklärt

Quellenverzeichnis
Bildquellen
  • https://stock.adobe.com/de/images/concept-of-disability-insurance/286825265?asset_id=286825265