Zahnbehandlung

Medizinische Versorgung

Zahnbehandlung

Stand: 07.07.2021

Die Zahnbehandlung eines Kindes mit Behinderung kann aus verschiedenen Gründen manchmal nicht ganz leicht umsetzbar sein. Dennoch ist die richtige Zahnbehandlung für die Gesundheit deines Kindes sehr wichtig. Im Folgenden geben wir dir einige hilfreiche Informationen rund um das Thema Mundhygiene und Zahnbehandlung bei Menschen mit einer Behinderung.


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Warum ist die Frage nach der richtigen Zahnbehandlung so wichtig?

Die Mundhygiene und die richtige Zahnbehandlung sind nicht nur aus medizinischer Sicht wichtig, sondern auch für das allgemeine Wohlbefinden deines Kindes. Beschwerden, die aufgrund mangelnder oder erschwerter Zahnhygiene bei einem Kind auftreten, sind schmerzhaft und werden teilweise nicht immer gleich erkannt.

Manchmal können Kinder aufgrund einer Behinderung sich nicht selbst die Zähne putzen und sind auf Unterstützung angewiesen. Durch die dadurch erschwerte Mundhygiene (z. B. körperliche Beeinträchtigung, Zähne werden von jemand anderem geputzt) sind sie teilweise schneller von Karies betroffen, der behandelt werden muss. 

Darüber hinaus erfüllt nicht jeder Zahnarzt die räumlichen, fachlichen oder auch persönlichen Kriterien, die für die Behandlung wichtig sind.  Der Zahnarzt sollte Einfühlungsvermögen haben und auf die Bedürfnisse des Kindes auch während der Zahnbehandlung eingehen.

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Rechtliche Grundlagen

Pflegebedürftige Personen und Menschen mit einer Behinderung haben nach § 22a SGB V  einen zusätzlichen Anspruch auf Leistungen, die dazu dienen, Zahnerkrankungen vorzubeugen. 

Diese Leistungen umfassen:

  • Erhebung des Mundgesundheitszustandes
     
  • Aufklärung zur Bedeutung der Mundhygiene und was hilft, die Mundgesundheit zu erhalten
     
  • Erstellung eines Planes zur individuellen Mund- und Prothesenpflege
     
  • Entfernung harter Zahnbeläge (Zahnstein)

Menschen mit Behinderung haben zwei Mal im Jahr Anspruch auf eine zahnärztliche Untersuchung und auf eine Zahnsteinentfernung.
Gerade die Entfernung von harten Zahnbelägen kann helfen, die Zahnpflege deines Kindes zu unterstützen. Oftmals ist das Zähneputzen auch zu Hause  erschwert und eine professionelle Entfernung der harten Zahnbeläge kann helfen, Zahnschäden zu vermeiden.  

Außerdem haben Menschen mit einer Behinderung, die nicht oder nicht mehr in der Lage sind, eine Zahnarztpraxis aufzusuchen, ein Recht auf zahnmedizinische Versorgung, die zu Hause stattfindet. 

Wer übernimmt die Kosten?

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten für die zahnärztliche Behandlung deines Kindes. Darin enthalten sind Leistungen zur Verhütung, Früherkennung und Behandlung von Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten. Festgeschrieben sind die Leistungen in § 27 SGB V und § 28 Absatz 2 SGB V.

Häufig kann bei Kindern mit einer Behinderung die zahnärztliche Behandlung nur mit Hilfe einer Vollnarkose stattfinden. Diese Kostenübernahme muss gesondert betrachtet werden, da normalerweise die Behandlung unter einer lokalen Betäubung stattfindet und die Kosten für eine Vollnarkose nur dann übernommen werden, wenn es keine andere Möglichkeit zur Schmerzausschaltung während der Behandlung gibt

Für Eltern eines Kindes mit Behinderung ist es daher wichtig zu wissen, dass es Ausnahmen gibt, in denen die Krankenkasse die Vollnarkose bezahlt.

In diesen Fällen werden die Kosten übernommen:

  • Bei Patienten, die aufgrund körperlicher oder geistiger Behinderungen (z. B. bei unkontrollierbaren Spastiken) nur unter Vollnarkose zu behandeln sind
     
  • Bei Kindern unter 12 Jahren die nicht behandlungswillig sind, bei denen aber eine Behandlungsnotwendigkeit vorliegt und trotz mehrfacher Versuche keine Behandlung möglich ist
     
  • Patienten, bei denen eine Alternative (z. B. eine örtliche Betäubung) aufgrund von einer Erkrankung oder Allergie nicht möglich ist
     
  • Patienten mit hochentzündlichen Prozessen, da dadurch keine andere Schmerzausschaltung möglich ist
     
  • Patienten mit schweren, ärztlich anerkannten Angstreaktionen (gesonderte Ausnahme: direkte Nachfrage bei zuständiger Krankenkasse notwendig)

Angepasste Parodontitistherapie ab Juli 2021

Seit dem 01.07.2021 gibt es eine verbesserte Versorgung für gesetzlich Krankenversicherte bei Parodontitis. Grundlage ist die PAR-Richtlinie.

Besonderheiten gibt es bei pflegebedürftigen Personen und Menschen mit einer Behinderung. Diese haben das Recht eine auf ihre Bedürfnisse angepasste Behandlung/Parodontitis-Therapie zu erhalten, die also unter bestimmten Umständen von der allgemeinen Richtlinie abweichen kann.

Ein Anspruch kann bestehen, wenn

  • die Fähigkeit zur Aufrechterhaltung der Mundhygiene nicht oder nur eingeschränkt gegeben ist 
  • eine Behandlung nur unter Vollnarkose möglich ist
  • die Kooperationsfähigkeit nicht oder nur eingeschränkt vorhanden ist.

Ausführliche Informationen (unter anderem zu den bestehenden Leistungen) kannst Du nochmal in diesem Dokument nachlesen.

Ob ein Anspruch auf eine auf die Bedürfnisse angepasste Behandlung besteht, entscheidet der behandelnde Zahnarzt.

Wer behandelt mein Kind?

Es kann hilfreich sein zu wissen, welche Anlaufstellen für die Zahnbehandlung des Kindes geeignet sind. Beispielsweise ist es von Bedeutung, ob die Rahmenbedingungen in der Praxis (Barrierefreier Zugang, Aufzug, Parkmöglichkeiten) gegeben sind.

Zum einen gibt es speziell im Bereich der Zahnmedizin mehrere Verzeichnisse, in denen Du dich nach passenden Zahnarztpraxen umsehen kannst.

Hilfe findest Du auch bei der Patientenberatungsstelle, die dir bei der Suche nach einer geeigneten Zahnarztpraxis weiterhelfen kann.

Zum anderen ist es oftmals hilfreich, sich mit anderen Eltern über ihre Erfahrungen im Bereich der Zahnbehandlung auszutauschen. Viele Eltern kennen schon Praxen und Ärzte, in denen die Behandlung ihres Kindes sehr gut funktioniert hat und können dir Tipps oder Empfehlungen geben.

Schau doch einfach einmal in unserer intakt-Community vorbei.

Weiterführende Informationen
Quellenverzeichnis
Bildquellen