Die Diakonie und auch andere Träger von Einrichtungen geraten zunehmend unter Druck und immer häufiger lese ich von drohenden, oder auch bereits erfolgten Schließungen.
Noch kann ich das nicht richtig einordnen, aber manchmal nimmt es für mich mafiöse Zustände an. Die einen bekommen immer mehr Geld nachgeschoben, polarisieren über die Grenzen überstülpend hinaus und hinterlassen eine Wüste der Verzweiflung hinter sich. Die anderen tragen einen großen Namen und trennen sich von allem was eben mehr kostet. Schau ich mir die letzten Posts zum Thema hier auf eurem Angebot an, schwankt es zwischen Insolvenz und geplanten Millionen Projekten. Todesanzeigen von Menschen mit komplexer Behinderung häufen sich, Verantwortliche werfen das Handtuch, Eltern verzweifeln und verstummen. Geschwisterkinder, denen die Verantwortung übertragen wurde, sind froh, wenn ihr Angehöriger immer noch untergebracht ist.
Ich weiß von mehreren Einrichtungen, oder auch geplanten Einrichtungen in meinem Lebensbereich. Was da abgeht, grenzt für mich an unglaubliche Vorgehensweisen im Sinne einer guten Versorgung. Ich bin mir nicht sicher, ob da so mancher Träger, oder auch Politiker sich überhaupt darüber bewusst ist, wie sich die Gesetzeslage mittlerweile stellt. Es gibt da einen feinen Unterschied zwischen Pflege und Teilhabe. Das eine braucht das andere, aber wenn das eine nicht mehr dabei ist, wird es ein Verwahren in Unterkünften, wo sich noch nicht einmal das Personal mit identifizieren kann, weil es mit ganz anderen Voraussetzungen in den Beruf und an ein Klientel gegangen ist.
Verhalten sich manche Träger, die ja eigentlich ein gewisses Wertefundament besitzen, nicht zunehmend wie Konzerne im Krisenmodus: Risiko minimieren, Kosten auslagern, „unwirtschaftliche“ Menschen loswerden? Widersprüchlich aber entstehen gleichzeitig Prestigeprojekte, Modellbauten, Millioneninvestitionen, leider auch oft dort, wo Klientel, Personal und politische Aufmerksamkeit „besser passen“. Letztendlich wird doch die Verantwortung nach unten durchgereicht: an Einrichtungen, an Mitarbeitende, an Angehörige. Und irgendwann an Geschwister, die eigentlich noch froh sein können, wenn es irgendwie läuft.
In diesem ganzen wirrwarr verstummen auch die Eltern und das ist sicher kein Zufall, sondern ein ganz sicheres Zeichen und steht in meinen Augen für ein System, das Menschen zermürbt, statt sie zu tragen. Man redet immer von “wer stört wird erhört, oder wer laut ist, wird nicht übersehen.” Nur gelten diese mutigen und aufrichtigen Individualisten auch als schwierig und werden selbst auf Angehörigenabenden eher noch als Nörgler und die immer etwas am System auszusetzen haben registriert und verurteilt. Irgendwann ist man oft einfach nur froh, dass es noch irgendwie geht – was ein nicht nur abzulehnendes, sondern auch zu verurteilendes Ziel ist. Genauso lief es letztendlich im Dritten Reich und es war sogar der Vater, der aus Überzeugung den Antrag stellte, dass sein Sohn der Euthanasie zugeführt werden durfte. So wurde sein Kind der erste Mensch, der kontrolliert hingerichtet, sorry, dem schönen Tod zugeführt wurde. Mit einem Vertrauen des Mündels, dass alles im Guten für ihn gemacht wird. Für mich ist das ein erschreckend niedriges und zu verachtendes Ziel.