Die Stimme aus dem Nirgendwo, wahrscheinlich irgendwo in Bayern:
Verzweifeln könnte ich und es liegt nicht nur am Bezirk, sondern auch am Träger und wie man mit Ressourcen von vorhandenem Personal umgeht. Ich kann euch erzählen, wie es sich in einer Einrichtung lebt, wo das Personal ständig wechselt und mich als blinden Menschen aus dem Nichts, morgens eine fremde Stimme weckt und berührt. Ich habe dann Angst und verkrampfe mich. Ich wehre ab. Ich muss trotzdem.
Mein Frühstück nur aus schnell Tabletten rein besteht, da meist die Zeit nicht für mehr reicht, das gemeinsame Frühstück abgeschafft wurde. Keine Zeitressource wegen Umstellung der Anwesenheitszeiten vom Personal weil immer einer fehlt und es so besser kompensiert werden kann. Dafür werde ich aber liebevoll in der Tafö empfangen. Da bekomme ich auch in Gemeinschaft mein Frühstück.
Ich verstehe es, wenn die Betreuer lieber in so einem Rahmen arbeiten. Ja, das verstehe ich. Hier in der Tagesförderstätte ist man nicht alleine und muss nicht immer fern aller Vorhaben und Verantwortung Dienst ableisten. Hier ist Leben und gelebte Teilhabe und nicht der Gedanke: „Hoffentlich stirbt keiner in meiner Schicht!“ Aber auch da bekomme ich zunehmend eine gewisse Problematik mit. Kürzen, einsparen, wegrationalisieren, oder einfach nicht ersetzen und ich kann froh sein, dass meine Gruppe noch passt. Nur wie lange noch? Nach unten geht’s immer und dafür braucht es keine Partei wie eine AfD! Vielleicht laufen auch deshalb alle vom Personal in der Wohneinrichtung immer wieder weg, oder sind wieder krank, schlimmstenfalls langzeitkrank. Vor allem dann, wenn ich mich gerade wieder an eine neue Stimme gewöhnt habe. Die meiste Routine haben noch die Zeitarbeitskräfte und die wären billiger, weil routiniertes und eingearbeitetes, erfahrenes Personal zu teuer für den Träger sei. An die hab ich mich schon gewöhnt. Die sind auch nett. Ich kann auch bis 11 zählen, nur merkt das keiner hier auf meiner Gruppe. Ich werde immer viel schlechter dargestellt als ich bin. Das bringt wohl Geld.
Aber ich merke nichts davon. Nachts werde ich fixiert, damit mir nichts passiert. Damit ich mir nicht wieder irgendetwas breche. Und keiner merkt es.
Ich spüre den Frust unter dem Personal und reagiere dann auch mit Verhaltensauffälligkeiten. Momentan müssen meine T-Shirts dran glauben. Wenn ich doch nicht reden kann. Manchmal möchte ich schreien. All meine Sehnsucht nach Zuwendung und Zeit rausschreien, aber es geht nicht. Ich möchte „Hallo“ rufen, weil ich nicht weiß, ob jemand da ist, überhaupt noch da ist? . Ich kann auch nicht weinen. Ich bin traurig, aber ich warte und lausche in das Dunkle. Nicht selten muss ich lange warten, bis jemand mir mein Essen reicht, von dem ich öfters gerne auch mal mehr hätte. Aber dafür reicht die Zeit leider nicht immer. Ich schaukle und stimuliere mich damit, nur das gibt mir Sicherheit. Meine Freundin Lena in Rheinland-Pfalz wird jeden Tag geduscht! Bei uns in Bayern geht das nicht, weil die Zeit nicht reicht. Dabei ist es der gleiche Bezirk der dafür zahlt! Liegt es doch am Träger und die wenigen Verantwortlichen, die es noch in dessen Reihen gibt? Warum machen die, die bleiben, am Ende alles mit? Handeln sie nicht verantwortungslos uns gegenüber, die wir ihnen anvertraut wurden? Frei nach dem Motto: „Lieber schlechte Betreuung, als gar keine?“ War das nicht ungefähr auch so im Dritten Reich? Mama? Ich hab Angst! Wir Bewohner haben alle eine schwere Beeinträchtigung und wir sind hilflos. Wenn nur eine Hilfskraft im Dienst ist, reicht es nunmal nur für das allernötigste. Ich dusche doch so gerne und mag es, wenn das Wasser über meine Haare läuft. Es erinnert mich an früher. Da konnte ich mich auch in der Badewanne entspannen. Es soll eine Badewanne auf der Gruppe geben, aber mich badet keiner. Niemand geht mit mir raus, oder ins Schwimmbad. So gut wie nie mal spazieren. Alleine im Dienst sei zu gefährlich und überhaupt, man sei überfordert. Da sind ja noch die Mitbewohner. 2 Hände und 8 Rollstühle? Das verstehe auch ich. Ich weiß auch die Mühe der MitarbeiterInnen zu schätzen, die sich immer wieder auf das gefährliche Spiel mit der Verantwortung einlassen. Uns zuliebe, denn wer überhaupt sonst noch? Ich lebe in Bayern in einem Wohnheim auf Basis der Eingliederungshilfe. In einem wirtschaftlich gut aufgestelltem Land. Einem reichen Bundesland. Ich liebe Bayern! Ich werde aber nur auf das billigste verwahrt, zumindest kommt es mir so vor. Man merkt noch nicht einmal, wenn ich mir den Fuß gebrochen habe. Ich mag gar nicht daran denken was mit mir passiert, wenn meine Eltern nicht mehr regelmäßig nach mir schauen und auch nachhause holen. Da darf ich wieder duschen, da darf ich Mensch sein und werde nicht wie ein Insasse mit Nummer behandelt. Unser Träger gönnt uns noch nicht einmal einen Sonnenschutz. Und ihr da draußen jammert und wollt immer mehr. Nichts passt euch. Ihr spendet Millionen, wenn es euch treffen könnte. Für meine MitbewohnerInnen spendet trotz Spendenaufruf höchstens mal ein Angehöriger. Ich lebe, aber nicht unter euch. Ihr redet von Teilhabe, ich gehöre aber nicht dazu! Ich werde fernab aller Vorgaben versorgt. Papier ist geduldig.
#heimaufsicht
#pflewoqg
#behindertenhilfe