Erfahrungen beim Finden eines Wohnheimes

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Schöne Worte und dann kommt erstmal nichts.
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Gespräche werden geführt. Meine 43 Jahre alte geistig schwerst behinderte Tochter sitzt neben mir. Keiner vom Heim zeigt Interesse für den vielleicht zukünftigen Bewohner. Alle konzentrieren sich auf mich. Begrüßt wird N. auch nicht.
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Für Türen abschließen, Unruhebett und Haltegurt zum Spazieren gehen braucht es einen richterlichen Beschluss. Als N. im Kinderheim gewesen war, brauchte es solche Beschlüsse nicht.
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Einerseits wird N. wie ein Kind angesehen.
Andererseits soll N. wie eine Erwachsene sein.
Zweierlei.
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Wie soll sich ein Mensch wohlfühlen in fremder Umgebung mit völlig neuen Menschen, die aus allen Ländern der Erde kommen, und kein Interesse an diesem behinderten Menschen haben???
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Kurzzeitpflege scheint es nur noch in Verbindung mit einem Heimaufenthalt zu geben. Das heißt, dass zur Kurzzeitpflege nur angeboten wird, wenn schon eingeschätzt wurde, dass derjenige einziehen wird.
Die Abrechnung dieser Pflege erfolgt für 24 Stunden, auch wenn der Behinderte nur 3 Stunden bleibt. Entweder bin ich damit einverstanden, oder ich lasse es bleiben.
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Als Krönung wurde mir erklärt, dass N. eine Einstellung in der Psychiatrie braucht. Das wäre Einzelhaft und hätte untragbare Folgen. Meine Tochter würde zu einem Zombie umgeformt, damit sie leicht händelbar ist. Das heißt, dass sie damit einverstanden ist den Tag im sitzen drinnen zu verbringen.
Nach draußen gehen die Betreuer mit den Bewohnern etwa 2 mal die Woche und auch nur die leichter händelbaren dürfen mit gehen.
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Ich habe gedacht, dass meine Tochter mit dem Geist eines 1 - 3 jährigen Kindes auch entsprechend behandelt wird.
Es wird nicht einmal gedacht, dass ein behinderter Mensch auch unter Trennungsangst leiden kann.
Mit dem Betatschen (Anfassen) ihres Körpers sind alle, wo wir gewesen waren, schnell gewesen. N. mag Körperkontakt nicht. Dies habe ich angesprochen und wird ignoriert.
Dass N. Angst haben könnte, weil sie in einer völlig unbekannten Umgebung mit völlig neuen Menschen zusammen ist, darauf kommt keiner. Dies wird einem behinderten Menschen nicht getraut. … Na ja. Nicht ganz.
Da ich um die Ängste und Panikattacken meiner Tochter weiß, spreche ich sie an. Fazit: Empfehlung in die Psychiatrie zu gehen, damit sie dort eingestellt werden kann.
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Ich bin fassungslos.
Was ist nur in den letzten 24 Jahren passiert?
Ich erlebe mich gerade im Mittelalter.
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Wo bleibt die Würde des Menschen, des behinderten Menschen?
Ich sehe sie nicht mehr.
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Michaela

Liebe Michaela,

Es geschieht einzig zum Schutz eines Erwachsenen mit Behinderung und das ist auch gut so! Auch muss dieser Beschluss regelmäßig durch das Betreuungsgericht überprüft und entsprechend neu angeordnet werden. Warum aber ist ein Fixieren überhaupt nötig? Wird sie auch in ihrer Tafö fixiert? Hat sie Weglauftendenzen?

Ich weiß nicht, um was für eine Einrichtung es sich handelt (SGB 9 oder 11 ?) die ihr aufgesucht habt. Das Tatenwerk in Eisingen will auch künftig Arbeitskräfte aus Indien nach Deutschland holen. Es finden sich immer weniger Fachkräfte und Hilfskräfte sind sich oftmals alleine im Dienst überlassen. Nicht selten 1 Hilfskraft auf 7 - 8 Bewohner. Das ist Alltag in Unterfranken. Nicht überall, aber es kommt halt vor.

Natürlich geht es allen Eltern vor so einer schweren Entscheidung so und es fällt einem immer schwer, auch das Positive zu sehen. Es war schon immer so und wird immer so sein, dass es unseren Kindern zuhause am besten geht. Je länger sie zuhause wohnen bleiben, je schwerer wird der Entschluss, sie anderen Händen zu überlassen. Und unsere Kinder müssen da alle irgendwann durch.

Was die Mitarbeiterinnen betrifft, wird es in jeder Einrichtung mittlerweile ähnlich zugehen. Es gibt viele Beiträge in unserer Community die vom Alltag berichten.

Es wird auch so sein, dass du Gast sein wirst, wenn du deine Tochter besuchst. Ihre „Familie“ wird die Wohngruppe sein. Dieses Abgeben fällt uns und unseren Kindern meistens nicht leicht. Manchmal blühen Kinder aber auch auf. Und vor allem entwickeln sie sich alle nochmal im Sinne einer gewissen Selbständigkeit weiter, egal wie alt sie sind.

Was das Kurzzeitwohnen betrifft, ist die momentane Situation generell schwierig geworden. Und auch ein Wohnheim hat zunehmend nur noch knapp gestrickte Ressourcen und auch knapp verhandelte Kostensätze. Probewohnen ist generell gut, aber letztendlich ist es Sekt oder Selters. Und leider kann man nicht mehr wählen, sondern froh sein, wenn man einen Platz findet, mit dem man einigermaßen zufrieden sein kann. Wartelisten sind lang!

Wenn deine Tochter auch psychische Probleme hat, dann solltet ihr vielleicht das auch bei der Suche nach einer passenden Einrichtung berücksichtigen.

Ansonsten kann ich nur noch anmerken, dass unsere Kinder teilweise ja bereits in Einrichtungen sind und wir müssen damit leben und umgehen. Wir sind aber immer unterwegs im Sinne unserer Kinder, bringen uns ein und versuchen schlimmeres abzuwenden. Es wird in den nächsten Jahren zunehmend schwerer werden, generell eine Einrichtung zu finden.

Hallo Kirsten,
Kürzungen sind das eine.

Mir fehlt die Menschlichkeit. Diese kann auch bei 8 oder mehr Bewohnern realisiert werden. Zugewandtheit, Vertrauen aufbauen, ein Gefühl von “hier bin ich sicher” ausstrahlen. Dies kann jeder Betreuende, egal aus welchem Land er kommt. Na ja. Oder auch nicht, denn genau daran hapert es in allen Einrichtungen, die meine Tochter und ich besucht haben. Sie sehen N. nicht. Sie sehen nur mich. Das ist entsetztlich.

Ich habe dies vor den Zeiten der Inklusion anders erlebt.
Das hieß es auch noch Integration.
Inklusion sperrt ein.
Integration beteiligt.

Auf jeden Fall habe ich den Brief an unser Gericht abgeschickt und bin auf dessen Antwort gespannt. Ich brauche Fakten und Unterlagen.

Dieser Absatz liest sich für mich so, dass ich keine Ahnung davon hätte, dass das Wohnheim ihr Lebensplatz dann sein wird. :frowning: Es geht um einen Auszug.

Und dies rechtfertigt andere Menschen sie in Einzelhaft zu stecken?
Genau so eine Unterbringung, die nur eine Nacht lang gewesen war, damals, hatte diese Folgen.

Es ist schon so, wie mein Mann äußerte:
Die meisten Eltern sind froh ihre Kinder loszuhaben. Da werden Medikamente gegeben, die Blutwerte werden auffällig und es wird weitergemacht wie gehabt. :frowning:

Was ist der Unterschied von SGB 9 und 11?
Michaela

Zuerst, der Unterschied zwischen SGB 9 und SGB 11 ist einmal auf Basis der Eingliederungshilfe SGB 9 mit heilpädagogischen Personal und Recht auf auf einen 2. Lebensbereich sowie SGB 11 auf Basis mit Versorgungsvertrag ohne Anspruch auf Eingliederungshilfe und damit verbundenen Besuch einer Tagesförderstätte.

Was die Psychische Voraussetzung und Gruppenfähigkeit etc. betrifft, müsst ihr alleine im Gespräch mit Fachleuten wissen und entscheiden. Da kann von außen keiner reinschauen. Es ist nur so, dass es in Wohnpflegeheimen auf SGB 9 Basis, oder auch mit Versorgungsvertrag (SGB 11) sich um überwiegend hilflose Menschen handelt, die alle irgendwie entsprechend geschützt werden müssen vor Fremd- und Eigengefährdung.

Aus meiner jahrzehntelangen Erfahrung aus der eigenen Vita mit einem hilflosen, erwachsenen Kind sowie hier im Forum, wo du auch bereits sehr lange immer mal wieder dabei bist, lese ich zwischen den Zeilen deine Zweifel, Unmut, Trauer, Angst und diese Probleme mit dem Loslassen, welche irgendwann einfach auftreten. Bei jedem!

Niemand gibt sein Kind ab und ist froh darüber. Wenn dein Kind schon im Kinderheim war, habt ihr ja auch schon Erfahrungen sammeln können. Manche Eltern klammern bis ultimo, sterben weg und hinterlassen Kinder, die dann irgendwo untergebracht werden. Aus dem nichts in andere Verhältnisse. Andere fangen früher an und begleiten, kämpfen für den Erhalt der Einrichtung, für mehr Gelder vom Bezirk, für bessere Arbeitsbedingungen und auch wirtschaftliche Verhältnisse des Trägers selbst. Sie engagieren sich in der Lebenshilfe, im Blindenbund, Epilepsie Selbsthilfe, werden politisch aktiv und laut. Zumindest solange sie können! Und dann gibt es Alleinerziehende die keine andere Wahl haben. Dazu kommt, dass gerade Eltern von Kindern mit komplexem Behinderungsbild oftmals früher verbraucht sind. Nicht mehr können, von kleiner Rente als verwitweter Elternteil alles noch irgendwie stemmen müssen. Und je älter die Betroffenen in den Einrichtungen sind, umso älter sind die Angehörigen. Welche Alternativen haben sie denn zunehmend überhaupt noch. Und haben nicht auch Eltern irgendwann das Recht auf ein eigenes Leben, ohne als Rabeneltern dazustehen? Dafür gibt es unseren Sozialstaat und den gilt es momentan im Bereich der Behindertenhilfe auch in die Spur wieder zu bringen!

Ich hatte dir bereits geschrieben, dass es unseren Kindern überwiegend im Elternhaus am besten geht. Aber alles hat seine Zeit. Um eine Wohngruppe nach euren Vorstellungen aufzubauen, wie Z.B. Iwok, braucht es sehr viele Jahre, sehr viel Einsatz, Geld und Engagement von Eltern. Zudem in der Zeit wo wir gerade unterwegs sind, fast aussichtslos. Und doch hält es das Recht immer noch vor.

Und nochmal was die Bezeichnung „Gast“ betrifft, du wärst in all meiner Erfahrung die erste Mutter, die das auf Anhieb in der Umsetzung tolerieren würde und vor allem könnte!!

Ich maße es mir nicht an, Dir diese Qualifikation zu nehmen, ich bin nur selbst mit meinem Kind und meinem Mann durch diese schwere Zeit des Loslassens und vor allem Respektierens gegangen. Und neben mir sehr viele weitere Eltern auch.

Wer sein Kind loswerden will, braucht es in unserem Land noch nichtmal aus dem Krankenhaus mitzunehmen. Wer es im Alter, bzw. im Erwachsenenstadium in eine Einrichtung warum auch immer geben möchte, oder muss, darf niemals zur Zielscheibe und angegriffen werden. Auch ein verurteilen für solch eine Entscheidung ist nicht angebracht.

Es geht um die Menschen in den Einrichtungen und um das Personal und die dahinterstehenden Verantwortlichen, denen man immer wieder zeigen sollte, dass sie die Verpflichtung haben, die Rechte unserer Betroffenen auch zu erfüllen.

Danke für die Aufklärung von SGB 9 und 11.

Wer schützt meine Tochter vor den Gefahren des Desinteresses, die das traumatische Erleben in meiner Tochter auslöst und sie dann orientierungslos macht?

Wie ergeht es deinem Sohn, sobald du tot bist?
Bleibt er dann dort in der gleichen Versorgung?
Ich glaube eher, dass du dein nicht Loslassen können mir einreden willst.
Ich lese hier eine diskriminierende Haltung gegenüber Eltern, die mir seit ich angefangen habe zu suchen, ständig begegnet.

Wieso wird das angenommen?
In den Einrichtungen arbeiten Eltern. Was ist mit ihnen? Eltern sind überall, auf beiden Seiten.

Bedenke bitte, dass ein behinderter Mensch auch die Trennung verarbeiten muss. Da in seine Seele keiner wirklich reinblicken kann, kann er sehen, wie er mit den neuen Umständen klar kommt. Es geht um mein schwerstkrankes Kind, das Hilfe braucht, wie es einem Kindergartenkind gewährt wird. Das vermisse ich. Statt dessen wird argumentiert, wie du es tust. :frowning:

Eltern können sich zusammen schließen und sich austauschen. Meine Tochter kann das nicht. Sie ist sich selbst überlassen und das interessiert auch keinen.

An deiner Antwort sehe ich nicht den Blickwinkel des behinderten Menschen, der mit neuen Menschen, an einem neuen Ort; mit neuen Ritualen, klar kommen muss, unterstützt wird. Ich hatte gedacht, dass auch die Sicht des behinderten Menschen einbezogen wird. Aber scheinbar nur, wenn sie dies auch geistig irgendwie können. :frowning:

Rechte ist das eine. Das ist dann immer noch eine kalte abstoßende Atmosphäre.

Damit sich Menschen eingewöhnen und wohlfühlen können, braucht es eine Haltung, die Wohlgefühl vermittelt und eine freundlich zugewandte Gesinnung zum behinderten Menschen, der vielleicht gerade sabbert oder in die Windeln gemacht hat. Diese vermisse ich sehr. Diese gab es vor 24 Jahren noch.

Zwischenmenschliche Nähe ist etwas anderes als Rechte erfüllt zu bekommen.
Die Menschenrechte der Würde des Menschen werden nicht unbedingt im Umgang mit behinderten Menschen erfüllt. Wie sonst kann jemand sein Kind in die geschlossene Psychiatrie geben lassen, und als Zombie zurück erhalten? Auch diese starken Medikamente lassen in ihrer Wirkung nach und das Krankheitsbild verschlimmert sich und die Dosis muss erhöht werden, nur damit der behinderte Mensch in einer offenen Wohnform untergebracht werden kann.

Welche Rechte meinst du?

Ich beende hier meine Bemühungen und kann dir nur nochmal versichern, dass wir

A) alle im gleichen Boot sitzen und

B) du vielleicht etwas zu spät mit deinen Überlegungen dran bist.

Ich wünsche dir viel Erfolg bei der Suche nach der Einrichtung, die in allen Punkten deiner Vorstellung entspricht.

Hallo Micha,

ich kenne die eure bisherigen Erfahrungen nicht und kann nur auf meine eigenen Erfahrungen zurückgreifen und damit argumentieren. Auch bei uns gab es durch eine komplett misslungene Kurzzeitpflege sehr große Vorbehalte gegenüber Einrichtungen und fremde Menschen in einer fremden Umgebung.
Wir hatten dann das große Glück, dass der Umzug in die WG ein voller Erfolg war. Es gab und gibt zwar immer wieder Schwierigkeiten, aber die können wir gemeinsam erkennen und bewältigen. Wenn wir unsere Kinder in fremde Hände geben, kann sich das Vertrauen meistens nur langsam entwickeln. Dazu braucht es viel Kommunikation und auch etwas Mut.
Dass du deine Tochter nicht in die geschlossene Psychiatrie geben willst, kann ich gut verstehen.
Seid ihr schon im MZEB Würzburg in Behandlung? Vielleicht können die dortigen ÄrztInnen euch beraten. Auch bei meiner Tochter waren schon Psychopharmka notwendig - es war eine Notlösung, aber es hat ihr sehr gut geholfen. Sie wurde nicht ruhig gestellt, ihre Persönlichkeit war immer erkennbar, und sie wirkte insgesamt ausgeglichener und zufriedener.
Ich kann dir leider keinen allgemein gültigen „guten Rat“ geben, und eine Lösung deiner Probleme habe ich schon gar nicht, aber wenn du Fragen hast, versuche ich zu antworten.