Gerne setze ich mich mit Artikeln, die man in Broschüren, Zeitschriften und auch weiteren Medien über Menschen mit Beeinträchtigung findet, auch mal konstruktiv auseinander.
Nun bin ich auch auf einen Artikel in der neuen Lebenshilfe Zeitung gestoßen, der mich ebenfalls einerseits anspricht, andererseits in mir wieder dieses Gefühl hervorruft, das ich mir auch nicht nehmen lasse. Es geht mir um die Selbstvertreter und allgemeine Vertretung von Menschen mit Unterstützungsbedarf.
Alleine ein Artikel in der selben Ausgabe der Lebenshilfe Zeitung zum Thema: “Wie benenne ich eigentlich die Menschen, die wir in der Vergangenheit als Menschen mit geistiger Behinderung klassifizierten?” Also das eigentliche (einstige) Klientel einer Lebenshilfe? Da fängt es für mich bereits an. Lebenshilfe hat beschlossen, dass man (wir) künftig nur noch von Menschen mit Unterstützungsbedarf sprechen. Ok, liegt auch eine geistige Behinderung vor, erweitern wir die Bezeichnung auf “mit kognitiver Einschränkung” (Leichte Sprache?) Auf den ersten Seiten der genannten Zeitung kann ich mich über eine Kampagne informieren, die einfach darauf hinauszielt, dass Teilhabe ein Menschenrecht ist und Eingliederungshilfe nicht zum Sparposten wird.
Welcher Personenkreis gehört eigentlich zu dieser Kampagne? Werfe ich einen Blick in Wohneinrichtungen der Lebenshilfen, fehlen Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf und kognitiver Beeinträchtigung. Zumindest sieht man sie nicht.
Aber gut, meine Intension für diesen Beitrag liegt ja anders. Mir ging es eigentlich um einen ganz anderen Artikel. Die politische Teilhabe in Berlin. Bei dem Berliner Behinderten-Parlament bringen nämlich Menschen mit Unterstützungsbedarf ihre Wünsche und Forderungen ein. Einmal im Jahr tagt das Parlament im Abgeordneten-Haus und es tagte im November des vergangenen Jahres bereits zum 5. Mal. Im Vorfeld erarbeiten Fokusgruppen Anträge, die am Parlamentstag im Plenum beraten und abgestimmt werden. Diese Gruppen stehen wohl jedem Interessierten offen. Stimmberechtigt im Parlament sind dann bis zu 120 Berlinerinnen mit Beeinträchtigungen und chronischen Erkrankungen, ihre Angehörigen und Unterstützer*innen. Es ermöglicht Menschen mit Unterstützungsbedarf direkt mit Politikern und Vertretern der Verwaltung ins Gespräch zu kommen. Feine Sache, momentan aber nur in Berlin und auch Bremen zu finden, aber auch mit Tendenz, über die Landesgrenzen hinaus zu wirken. Um meine Gedanken auch zum Ende zu bringen, finden sich denn auch die Menschen mit sehr hohem Unterstützungsbedarf und kognitiver Einschränkung bei all diesen guten Einrichtungen wieder? Oder besser ausgedrückt, Menschen mit komplexer Behinderung hinter den Mauern von Einrichtungen, wer vertritt sie denn eigentlich in ihren Interessen und Bedürfnissen, die einfach zunehmend nicht mehr bedient werden können?
Hört man ihre Hilfeschreie, die oftmals stumm und jenseits von Interesse verhallen?
Quellenangabe Lebenshilfe Zeitung 1/2026 und Berliner Behinderten-Parlament
P.S. hinter der Idee steckt ein begabter Netzwerker namens Christian Specht, 57. Ein Mensch mit einer Lernbeeinträchtigung, der seinen Weg geht.