Wohnheime der Behindertenhilfe am Limit?

Lange Wartelisten, altgewordene Eltern am Limit. Verlieren Menschen mit hohem Hilfebedarf womöglich als erstes ihr Zuhause und was kommt dann? Wer kennt die Gesichter und die Geschichte hinter den Menschen, die eigentlich volle Mitglieder der Gesellschaft sind?

Eine Gedankensammlung mit Bestandsaufnahme und was für Schritte für mich wichtig sind.

Wohnangebote retten und ausbauen.pdf (43,3 KB)

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Während über Kürzungen in der Pflegeversicherung diskutiert wird, warten Familien vergeblich auf Kurzzeitpflegeplätze, die vielerorts gar nicht oder nur in völlig unzureichendem Umfang vorhanden sind. Auch die Streichung oder Einschränkung von Nachbarschaftshilfen würde vielen Familien eine weitere wichtige Stütze nehmen. Eltern und Geschwisterkinder geraten dadurch zunehmend an den Rand der Gesellschaft.

Und dann ist da noch der Gedanke, der vielen Eltern irgendwann Hoffnung gibt: Die Zeit wird kommen, in der die Kinder erwachsen sind, vielleicht ausziehen und ein selbstbestimmteres Leben führen. Vielleicht beginnt dann auch für die Eltern ein neuer Lebensabschnitt. Zeit für sich selbst. Zeit für die Partnerschaft. Zeit zum Durchatmen.

Doch was passiert, wenn dieser Moment kommt und es keine passenden Wohnheimplätze gibt? Wenn betreute Wohnformen fehlen, Kurzzeitpflege weiterhin nicht verfügbar ist und die Entlastungsangebote immer weiter zurückgebaut werden?

Dann endet die Verantwortung nicht mit dem Erwachsenwerden des Kindes. Sie bleibt. Oft ein Leben lang.

Wer pflegt eigentlich die Eltern, wenn ihre Kräfte erschöpft sind? Wer ermöglicht Geschwisterkindern ein unbeschwertes Aufwachsen? Und wer gibt den pflegenden Eltern ihre eigene Lebensperspektive zurück?

Pflegende Eltern brauchen keine warmen Worte und keine Sonntagsreden. Sie brauchen verlässliche Unterstützung, echte Entlastung, Wahlfreiheit und eine Infrastruktur, die nicht nur auf dem Papier existiert.

Denn Inklusion bedeutet nicht, Familien mit ihrer Verantwortung allein zu lassen. Menschenrechte gelten auch für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf – und ebenso muss die Lebensrealität ihrer Angehörigen gesehen und ernst genommen werden.

Pflege darf nicht bedeuten, dass eine ganze Familie ihr eigenes Leben aufgibt, bzw. aufgeben muss!

#behindertenhilfe

#diakonie

bundesregierung

#wohlfahrtsverbände

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Ihr seid alle herzlich eingeladen, hier eure Erfahrungen zu teilen und euch aktiv an der Diskussion zu beteiligen!

Es ist bereits fünf nach zwölf! Wenn wir auch in Zukunft die Rechte, die Würde und das Wohlergehen unserer Kinder und Angehörigen bewahren wollen, müssen wir gemeinsam handeln.

Traut euch, eure Stimme zu erheben!

Ganz besonders willkommen sind auch diejenigen, die gute Plätze gefunden haben und positive Erfahrungen mit Einrichtungen gemacht haben. Teilt eure Empfehlungen, berichtet von euren Erfahrungen und helft damit anderen Familien, die noch auf der Suche nach einer geeigneten Betreuung und Versorgung sind.

Leider werden viel zu oft gar keine oder nur sehr wenige Informationen weitergegeben. Häufig aus Angst, selbst angreifbar zu werden. Doch diese Angst sollte uns nicht davon abhalten, offen über Erfahrungen zu sprechen und Missstände anzusprechen.

Es geht nicht darum, jemanden grundlos anzugreifen oder Einrichtungen pauschal zu verurteilen. Es geht um unsere Angehörigen, um ihre Rechte, ihre Würde und eine Versorgung, die ihnen wirklich gerecht wird.

Ein wichtiger Punkt dabei: Der Wohn- und Betreuungsplatz gehört dem Menschen, der dort lebt – nicht der Einrichtung. Und jeder Mensch hat ein Recht auf eine angemessene, menschenwürdige Versorgung.

Als gesetzliche Betreuerinnen und Betreuer haben wir Verantwortung. Wir müssen uns regelmäßig davon überzeugen, dass es unseren Angehörigen gut geht, ihre Interessen vertreten und dort aufmerksam werden, wo etwas nicht stimmt. Missstände dürfen und müssen angesprochen werden.

Niemand sollte mit seinen Sorgen und Erfahrungen allein bleiben!

Wie man vorgehen kann und welche Möglichkeiten es gibt, ist im oben genannten Dokument beispielhaft beschrieben.

Lasst uns voneinander lernen, uns gegenseitig unterstützen und Informationen teilen. Denn nur wenn wir offen miteinander sprechen, können wir etwas bewegen.

Gemeinsam sind wir stärker. Für die Menschen, die selbst oft keine eigene Stimme haben. Und für ihre Rechte – heute und in Zukunft!

Liebe Kirsten,

dein Beitrag spricht mir aus der Seele. Ich möchte allerdings noch eine andere Seite der Situation in unseren Wohneinrichtungen ansprechen.

Ich bin Mutter und gesetzliche Betreuerin eines 40-jährigen Sohnes mit hohem Unterstützungsbedarf. Er lebt seit rund 20 Jahren in einer Einrichtung der Behindertenhilfe.

Wir sprechen immer wieder über fehlende Wohnplätze, über Personalmangel und steigende Kosten. Aber sprechen wir genügend darüber, was mit den Menschen geschieht, die bereits in diesen Einrichtungen leben?

Ein Wohnplatz bedeutet noch lange nicht, dass ein Mensch dort ein erfülltes, selbstbestimmtes Leben führen kann.

Mein Sohn ist ein Mensch mit Humor, mit Freude, mit noch etwas eigenen Willen und mit Fähigkeiten, die erhalten und weiterentwickelt werden können. Er möchte kommunizieren, sich bewegen mit dem Rolli, dazulernen und am Leben teilnehmen.

Doch ich erlebe seit Jahren, wie schwierig es ist, eine wirklich individuelle Förderung und die selbstverständliche Nutzung seiner Kommunikationshilfen im Alltag sicherzustellen.

Was passiert mit einem Menschen, wenn seine vorhandenen Möglichkeiten nicht regelmäßig genutzt werden? Wenn er nicht ausreichend Gelegenheit bekommt, sich mitzuteilen, sich selbst zu bewegen und eigene Entscheidungen zu treffen?

Es geht nicht allein um Pflege und Versorgung. Es geht um Lebensqualität, um körperliche und geistige Entwicklung und um die Würde eines erwachsenen Menschen.

Ich frage mich inzwischen grundsätzlich, ob wir in der Behindertenhilfe nicht viel zu sehr über Plätze, Zuständigkeiten und Finanzierung sprechen und viel zu wenig über das tatsächliche Leben der Menschen hinter diesen Zahlen.

Deshalb beschäftige ich mich mittlerweile intensiv mit alternativen Wohn- und Assistenzformen und dem Persönlichen Budget.

Mich würde interessieren, ob andere Angehörige ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Wie wird in euren Einrichtungen sichergestellt, dass individuelle Teilhabeziele nicht nur auf dem Papier stehen, sondern tatsächlich im Alltag umgesetzt werden?

Denn unsere erwachsenen Kinder brauchen nicht einfach nur einen Platz zum Wohnen.

Sie brauchen ein Leben, das ihnen gehört.

Herzliche Grüße Uschi, Mutter eines erwachsenen Sohnes mit komplexer Behinderung

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