Sozialministerium kürzt Sitze des Sozialverbands VdK im Bayerischen Landesbehindertenrat

Der Sozialverband VdK Bayern muss nach einer Entscheidung der bayerischen Sozialministerin Ulrike Scharf ab 1. August 2025 zwei seiner drei Sitze im Landesbehindertenrat abgeben. VdK-Landesvorsitzende Verena Bentele hat kein Verständnis für diese Maßnahme. Sie sieht dadurch die unabhängige politische Vertretung von Menschen mit Behinderung geschwächt. Die Entscheidung der Staatsministerin wurde dem VdK per Brief mitgeteilt, ohne dass die Sitzverteilung innerhalb der Interessenvertretungen der Menschen mit Behinderung vorab besprochen worden wäre, wie es eigentlich den Regularien entspricht.

Meines Wissens und wer mehr weiß gerne hier mitschreiben, könnte das auch alles mit der Doppelanhörung im Landtag im Februar zusammenhängen. Ihr erinnert euch? Kathrin Higgen hat mit dem von ihr gegründeten Verein Zukunft Wohnen bereits sehr viel erreicht. Vom Gefühl her wurde endlich etwas ernst genommen, von dem bereits seit Jahren auch auf intakt engagiert recherchiert und am Thema gearbeitet wurde. Nämlich die Versorgung von Menschen mit höherem und hohen Hilfe- und Unterstützungsbedarf. Man sollte vielleicht nicht immer Menschen mit Behinderung über einen Kamm scheren, sondern eher die individuellen Ansprüche und Versorgungslücken im Blick haben. Wohl ist das VDK mittlerweile eine sehr große Unterstützung auch im Bereich der Versorgung von Menschen mit angeborener Behinderung, oder auch durch Geburt entstandenen Behinderungsbildern geworden, aber neben dem VDK und seinem Klientel gibt es eben auch noch die Kinder und Jugendlichen, sowie jungen und älteren Erwachsenen, die mit einem komplexen Behinderungsbild leben. Also auch eine Betroffenengruppe, die sich mit ihren Eltern in der Gesamtheit nicht mehr vertreten fühlt. Vielleicht auch, weil man vom Gefühl her nirgends so richtig dazugehört. Es geht bei diesem Klientel nicht um sicher sauber und satt, oder einem angepasstem Rollstuhl. Es geht um das Recht auf Teilhabe und Paragraphen aus den Sozialgesetzbüchern 9 und 11.
Eigentlich sollte nach der Anhörung ein großer Runder Tisch im Landtag von Bayern eingerichtet werden. Daraus wurde bis jetzt leider noch nichts. Der Verein von Kathrin Higgen „Zukunft Wohnen“ hat wohl einen Platz in der Runde der LAG Selbsthilfe ergattert. Wir brauchen (wieder) die Stimme von Eltern, deren Kinder sich eben nicht selbst vertreten können. Nur dann werden ihre Kinder auch erhört und das Recht auf Teilhabe findet sich für sie nicht nur auf einem geduldigen Papier wieder.

VDK: Sozialministerium kürzt Sitze des VDK im Bayer. Landesbehindertenrat

Infos zum Thema Zukunft Wohnen für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf:
Menschen mit Behinderung in Bayern - Aktuelle Wohn- und Beschäftigungssituation - intakt-Blog - intakt.info Fragen und Antworten zu meinem Kind mit Behinderung

Wenn schwerbehinderte Kinder erwachsen werden.

#vdk #behindertenhilfe

Wenn ihr Kinder mit hohem Hilfebedarf habt und ihr momentan fast völlig am verzweifeln seid, oder auch euch Gedanken darüber macht, wie es mit euren jugendlichen und erwachsenen Kinder mit hohem Hilfebedarf weitergehen wird, dann schaut einfach auf der Seite von Zukunft Wohnen vorbei. Dort könnt ihr euch für den Newsletter anmelden. Ein großes Engagement und auch Wissen von bereits erfahrenen Eltern steckt hinter diesem Verein. Es ist einfach etwas neues, was sich unter all dem eingesessenen breit macht. Was aufzeigt wo etwas überhaupt nicht mehr stimmig ist. Der Verein sticht genau da rein, wo man lange versucht hatte, alles irgendwie noch am laufen zu halten und nun die eine oder andere Institution mehr oder weniger nicht mehr weiter kommt und große Lücken sich im System auftun. VDK als großer Verband, die Lebenshilfe, die Betroffenheit von Selbstvertretern, aber auch die Stimme der Unerhörten an einem Tisch mit anderen Vertretern. Jetzt gilt es. Hoffen wir mal das Beste und ich persönlich empfinde es von Frau Staatsministerin Scharf sehr gut, dass die Plätze jetzt in der Runde ergänzt wurden.

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Anmerkung von mir: Mein Sohn mit komplexer Behinderung und auch ich selbst sind Mitglied im VDK. Es geht mir bei diesem Beitrag auch nicht darum, gegen den VDK zu wettern. Ganz im Gegenteil. Alle Verbände sollten und müssen zusammenarbeiten und dürfen nicht den Blick darauf verlieren, dass es nicht den Menschen mit Behinderung gibt, sondern wie es da Gesetz auch vorschreibt, jedem individuell die Möglichkeiten zugestanden werden müssen, damit ein jeder dann auch sein Leben unter Berücksichtigung seiner Bedürfnisse in Teilhabe leben kann.
So sind übrigens auch mehrere meiner Familienmitglieder neben mir auch Mitglied in der Lebenshilfe. Einer meiner Söhne arbeitet seit vielen Jahren als Lehrer an einer Schule für motorische Entwicklung (LVKM) und er wird nimmermüde, sich gerade auch dem Klientel mit höherem Hilfebedarf zuzuwenden. Auch in dem Verein Zukunft Wohnen bin ich vertreten. Ich setze mich für den Ausbau von Tagesförderstätten ein. Ich bringe mich für den Ausbau von Wohnangeboten im Rahmen der Eingliederungshilfe auch für Menschen mit einem hohen Hilfebedarf ein. Persönlich hoffe und erwarte ich nun, dass sich die Mitglieder in diesem Landesbehindertenrat darüber im Klaren sind, dass es momentan um so vieles (mehr) geht. Es geht nicht nur um das Wachstum der SelbstvertreterInnen und des Ausbaus des Behindertensports. Es geht auch nicht nur um die Barrierefreiheit im Internet und in den Städten sowie der Verbreitung und Anerkennung der Leichten Sprache. Es geht auch nicht nur um das gewaltige Ressourcen fressende Thema um die Problematik der fehlenden MitarbeiterInnen auf dem Arbeitsmarkt. Alles sind nur einzelne Bausteine in der Behindertenhilfe. Das BTHG schließt alle Menschen mit Behinderung ein und niemand darf verloren gehen. Es kann und darf auch nicht sein, dass Menschen mit höherem und hohem Hilfebedarf, die zusätzlich eine geistige Behinderung haben, die nicht sprechend sind und rund um die Uhr versorgt werden müssen, am Ende die großen Verlierer sein werden. Verlierer, weil sie zu teuer sind. Weil sie zu pflegeaufwendig sind, weil sie sich eben nicht selbst vertreten können. Verlierer, weil ihre Eltern alt geworden sind, verbraucht und mutlos. Weil ihre Eltern anfangen zu akzeptieren, weil sie Angst haben, plötzlich ohne weitere Unterstützung dazustehen. Verlierer, weil man ihnen vieles nicht zutraut. Vor allem nicht, dass sie eine Seele haben, fühlen können, Freude empfinden, Liebe spüren und auch Dankbarkeit zeigen können. Und sie können sich einsam fühlen, alleine und verlassen. Sie können auch weinen. Es sind Menschen, oder wie Margot Friedländer sagte: Seid Menschen!

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Aktuelle Info:

Der Landesbehindertenbeirat wurde zum 1.8.25 neu berufen. Auf den ersten Blick bleibt alles wie es war. Vielleicht schaffen es die berufenen Mitglieder in den nächste 4 Jahren etwas mehr für das Wohnen und vor allem auch etwas mehr Druck auf die Umsetzung für alle Betroffenen auszuüben. Zweimal im Jahr ein Treffen in heutiger Zeit, erscheint bei der Brisanz viel zu wenig. Mir ist noch nicht ganz klar, wer eigentlich in diesem Rat die Menschen mit einem komplexen Behinderungsbild vertritt? Immerhin kam es erst zu den beiden großen Tagungen mit dem Thema: wer hilft wenn niemand mehr da ist, auch durch meine Intension und die Anhörung im Februar mit Sozial- und Gesundheitsministerium, aufgrund der großen Resonanz der Bemühungen von dem Verein Zukunft Wohnen.
Vielleicht hätte es dem Rat auch gut getan, die jüngeren ranzulassen. Jede Generation hat ihre Gangart.
Wie auch immer, wir interessieren uns für die Arbeit und sind gespannt was kommt. Vielleicht fragt man ja auch mal bei uns an, immerhin werden wir vom Bayerischen Sozialministerium finanziert!
Wir wünschen allen Berufenen viel Erfolg in ihrem Tun und viel Nähe zu den Betroffenen. Da merkt man als erstes. Wo die Hütte brennt.