Was sind Assistenzhunde?

Recht auf Teilhabe

Was sind Assistenzhunde?

Stand: 11.08.2022

Von Assistenzhunden hast Du vielleicht schon einmal gehört. Manchmal werden sie auch Begleithunde genannt. Assistenzhunde unterstützen Menschen mit einer Behinderung in ihrem Alltag. Im Folgenden bekommst Du Informationen darüber, was ein Assistenzhund ist und wie er dein Kind unterstützen kann.


Bildquelle: © cylonphoto/ 123RF.com 

Was ist ein Assistenzhund?

Es gibt viele verschiedene Assistenzhunde. Sie unterstützen Menschen mit Behinderung dabei, ihren Alltag möglichst selbstbestimmt zu meistern oder helfen, die Behinderung auszugleichen. Die Hunde sind speziell ausgebildet und erfüllen je nach Ausbildung unterschiedliche Funktionen.

Ein Hund muss einige Charaktereigenschaften aufweisen, um sich für eine Ausbildung zum Assistenzhund zu qualifizieren. Er muss beispielsweise menschenfreundlich, nicht ängstlich oder aggressiv und gelehrig sein. Für die Ausbildung gibt es Richtlinien und spezielle Ausbilder. Am Schluss gibt es eine Abschlussprüfung. 

Unabhängig davon, dass Assistenzhunde sehr wichtige Funktionen übernehmen, sind Assistenzhunde auch dafür da, um dem Menschen ein Freund und Begleiter zu sein. Sie können Trost spenden, für Freude sorgen oder ablenken. Kinder haben einen treuen Gefährten zum Spielen und Umsorgen. Wenn Menschen mit Behinderung alleine leben, steigt oftmals zusätzlich die Lebensqualität durch das Zusammenleben mit dem Tier. 

In diesem YouTube-Video vom Sozialverband Deutschland kannst Du dir einen ersten Eindruck von Assistenzhunden verschaffen.

Für wen sind Assistenzhunde geeignet?

Eine grundlegende Voraussetzung für einen Assistenzhund ist, dass man Hunde mag und sie respektiert. Nur so entsteht eine Verbindung zwischen Mensch und Hund, die eine für beide Seiten positive Zusammenarbeit ermöglicht. 

Eine weitere Voraussetzung ist, dass die Versorgung und Pflege des Hundes in jedem Fall gewährleistet sein muss. Ein Hund braucht regelmäßig Auslauf und genügend Zuwendung, er darf nicht ausschließlich als Hilfsmittel verstanden werden, sondern als Partner.

Der Hundehalter muss dazu fähig sein die Führungsrolle zu übernehmen, da der Hund sich sonst nicht einordnen kann und zuvor eintrainierte Kommandos verlernt werden. Aus diesem Grund kann es zum Teil für Kinder und Menschen mit geistiger Behinderung schwer sein, einen Assistenzhund zu bekommen, da bestimmte Kommandos eintrainiert und zum richtigen Zeitpunkt gegeben werden müssen.

Das kann - muss aber nicht - für Menschen mit geistiger Behinderung eine Herausforderung sein. 

Welche Arten von Assistenzhunden gibt es?

Im Folgenden stellen wir dir einige Assistenzhunde und ihre Funktionen vor.

Servicehunde  

Diese Hunde sind vielseitige und nützliche Helfer im Alltag von Menschen mit Körperbehinderung. Dabei unterstützen sie vor allem Menschen im Rollstuhl und erhöhen deren Lebensqualität dadurch sehr. Dinge, die auf den Boden gefallen sind, können Herausforderungen im Alltag von Menschen mit Körperbehinderung darstellen. Servicehunde können diese Gegenstände z. B. aufheben und ihrem Besitzer bringen. Sie können auch lernen Schranktüren zu öffnen, Knöpfe und Schalter zu betätigen, die Waschmaschine aus- und einzuräumen, Türklinken zu drücken und vieles mehr. 

Blindenführhunde

Diese Hunde werden auch Blindenhunde genannt. Sie helfen blinden oder hochgradig sehbehinderten Menschen dabei, sich in ihrer Umgebung besser zurecht zu finden. Das ist vor allem in fremder Umgebung sehr hilfreich. Dabei sucht er z. B. Zebrastreifen und Ampeln, bringt seinen Besitzer zu Türen von neuen Gebäuden, oder findet für ihn einen freien Sitzplatz im Bus. Der Besitzer hält sich dabei mit einem Griff am Geschirr des Blindenführhundes fest und lässt sich von ihm leiten. Für diese Aufgabe ist nicht jeder Hund geeignet. Je nach Größe der Person, sollte der Blindenführhund zwischen 50 und 65 Zentimeter hoch sein. Weitere Informationen zum Umgang mit einem Blindenführhund findest Du in der Broschüre "Der Blindenführhund - Assistenz auf vier Pfoten" vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband.

Signalhunde

Signalhunde unterstützen Menschen mit Höreinschränkung im Alltag und zeigen ihnen Geräusche in der Umgebung an. Das können vielfältige wichtige Geräusche sein, wie z. B. die Türklingel, der Wecker, das Telefon, der Rauchmelder, das Weinen von Babys, das Rufen des eigenen Namens oder Sirenen.

Warnhunde

Warnhunde werden ausgebildet, um vor einer bestimmten Sache zu warnen. Problematisch ist allerdings, dass Warnhunde empathisch auf frühe Anzeichen eines Anfalls, z. B. bei Asthma reagieren müssen. Daher werden als Warnhunde nur Hunde ausgewählt, die teilweise selbstständig auf einen Anfall aufmerksam werden. Das Deutsche Assistenzhundezentrum spricht davon, dass Hunde zum Warnhund geboren werden und nicht wirklich ausgebildet werden können. 

Es gibt folgende Arten von Warnhunden:

Diabetikerwarnhund

Diese Hunde erkennen, wenn der Blutzuckerspiegel ihres Besitzers sinkt oder steigt. Sie zeigen eine drohende Über- oder Unterzuckerung an und machen ihren Besitzer darauf aufmerksam. Diabetikerwarnhunde können auch lernen, im Notfall über ein Notfalltelefon Hilfe zu verständigen.

Epilepsiewarnhund und Epilepsieanzeigehund

Beide Hunde unterstützen Menschen mit Epilepsie. Ein Epilepsiewarnhund bemerkt den Anfall einige Minuten zuvor und macht den Epileptiker darauf aufmerksam. Dadurch kommt der Anfall nicht überraschend. Der Epilepsieanzeigehund erkennt einen epileptischen Anfall, wenn er auftritt und verständigt Angehörige oder holt Hilfe. Epilepsiehunde können auch weitere Aufgaben erlernen, wie das Erinnern an Medikamenteneinnahme, Bringen eines Telefons nach Anfällen oder das eigenständige Verständigen von Hilfe durch ein Notfalltelefon.

Asthmawarnhund

Der Asthmawarnhund erkennt einen Asthmaanfall bevor er auftritt. Er macht seinen Besitzer darauf aufmerksam. Dieser kann daraufhin Medikamente einnehmen, die Schlimmeres verhindern. Diesen Hund bekommen nur Asthmatiker, vor allem auch Kinder, bei denen der Arzt das Asthma als Schwerbehinderung einstuft

Schlaganfallwarnhund

Der Schlaganfallwarnhund warnt vor einem kommenden Schlaganfall. Diese Hunde werden für Menschen ausgebildet, die stark gefährdet sind einen (weiteren) Schlaganfall zu erleiden.

Autismushunde

Das Besondere an einem Autismushund ist seine Rolle. Er ist nicht nur ein Begleithund, sondern auch ein Therapiehund. Als Therapiehund hilft er z. B. einem Kind mit Autismus dabei, Motorik und Sprache zu verbessern und soziale Bindung zu fördern. Viele Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung können sich gut auf eine Bindung zu ihrem Tier einlassen und sind dafür sehr empfänglich.

Als Begleithund sorgt der Autismushund für die Sicherheit seines Besitzers und hat vielfältige Aufgaben:

  • Er verhindert, dass das Kind in der Öffentlichkeit wegläuft. Das geschieht mit einer speziellen Leine, durch die Hund und Kind verbunden sind.
     
  • Er verhindert, dass das Kind aus dem Haus läuft. Durch Bellen oder ein anderes Alarmsignal macht der Hund die Eltern aufmerksam, wenn das Kind das Haus verlassen will. Er kann auch die Tür versperren.
     
  • Er kann das Kind suchen, wenn es wegläuft. Durch den Geruch findet er es schneller als Menschen.
     
  • Er kann die Eltern nachts wecken, wenn das Kind aufsteht.
     
  • Er kann dem Kind im Straßenverkehr helfen.
     
  • Er kann das Kind bei Reizüberflutung beruhigen oder von stereotypem Verhalten ablenken.
     
  • Er kann das Kind oder den Erwachsenen in der Öffentlichkeit, z. B. in der Warteschlange, vor zu viel Nähe abschirmen.
     
  • Er kann Hindernisse anzeigen.
     
  • Er kann Geräusche anzeigen.
     
  • Er kann epileptische Anfälle anzeigen.

Welche Hunderassen eignen sich als Assistenzhunde?

Am häufigsten werden die Hunderassen Königspudel, Riesenschnauzer, Deutscher Schäferhund, Labrador Retriever, Golden Retriever oder deren Mischlinge zu Assistenzhunden ausgebildet. Das ist aber je nach Art der Begleitung unterschiedlich. Bei manchen Begleithundearten ist z. B. die Körpergröße wichtiger als bei anderen.

Die Ausbildung der Hunde beginnt schon im Welpenalter. Wenn die Hunde noch sehr jung sind, lernen sie schneller und motivierter. 

Wer übernimmt die Kosten?

Bisher werden die Kosten unter bestimmten Umständen nur für Blindenführhunde auf Grundlage eines Hilfsmittels (§ 33 Abs. 1 Satz 1 SGB V) von den Krankenkassen übernommen. 

Die Kostenübernahme für einen anderen Assistenzhund gestaltet sich oftmals deutlich schwieriger und die Kostenträger von einer Kostenübernahme zu überzeugen, ist leider oftmals nicht ganz einfach. Andere mögliche Kostenträger wären ebenfalls unter bestimmten Umständen z. B. Pflegekassen oder Integrationsämter, wenn der Assistenzhund die Teilhabe des Menschen mit Behinderung deutlich verbessert. Jedoch bedarf es hier immer einer Einzelfallprüfung.

Unter diesem Link der wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages (PDF-Download) findest Du eine Ausführung des Bundestages zur gesetzlichen Regelung und Kostenübernahme von Blindenführhunden und Assistenzhunden. 

Seit Juli 2021 gibt es durch in Kraft treten des Teilhabestärkungsgesetzes neue Regelungen zu Assistenzhunden. Im Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) wird jetzt beispielsweise von „Blindenführhunden und anderen Assistenzhunden“ gesprochen. Auf der Seite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales kannst Du noch einmal häufige Fragen und Antworten dazu nachlesen.

Welche Rechte haben Assistenzhunde?

Alle Assistenzhunde sind besondere Hunde und haben deswegen auch besondere Rechte.
Ein Assistenzhund unterstützt einen Menschen mit Behinderung bei seiner Teilhabe an der Gesellschaft. Er darf deswegen seinen Besitzer in der Regel in jeder Lebenssituation begleiten. Dies ist auch in Krankenhäusern, Arztpraxen, Kleidungsgeschäften, Restaurants und ähnlichen Einrichtungen der Fall. Auch im ÖPNV darf der Assistenzhund als Begleitung mitgenommen werden. Genau nachlesen kannst Du das auch in § 12e Menschen mit Behinderungen in Begleitung durch Assistenzhunde BGG.

Assistenzhunde sind oftmals von der Hundesteuer und Anleinpflicht befreit.   

Weiterführende Informationen
Quellenverzeichnis
Bildquellen