Behinderungen durch Geburtskomplikationen (perinatal)

Schwangerschaft

Behinderungen durch Geburtskomplikationen (perinatal)

Stand: 15.09.2022

Vielleicht bist Du hier, weil Du gerne ein Kind bekommen möchtest oder die Geburt bald ansteht. Vielleicht machst Du dir deshalb auch viele Gedanken. Es ist durchaus wichtig, dass man gut informiert ist. Dadurch können Unsicherheiten ausgeräumt und offene Fragen geklärt werden. Wir wollen dich dabei mit diesem Fachbeitrag unterstützen. Eine Geburt ist ein natürlicher Vorgang, der in den überwiegenden Fällen komplikationslos verläuft. Behinderungen, die durch Komplikationen während der Geburt auftreten, sind sehr selten. Zudem ist die medizinische Versorgung heutzutage sehr gut.


Bildquelle: © Rene Asmussen - pexels.com

Welche Ursachen für perinatale Schäden gibt es?

Eine Behinderung hat meist nicht nur eine Ursache. Oft sind es verschiedene Gründe die durch ihr Zusammenwirken letzten Endes eine Behinderung hervorrufen.
Ursachen für eine Behinderung können zum Beispiel in verschiedenen Stadien der Schwangerschaft auftreten. Vor, nach und während der Geburt. Es gibt verschiedene perinatale Schäden (Schäden, die während der Geburt aufteten), welche im Folgenden dargestellt werden. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Wahrscheinlichkeit für perinatale Schäden bei Kindern die zum Geburtstermin geboren werden deutlich niedriger ist, als bei Frühgeborenen. Aber nicht jede perinatale Schädigung führt zwangsläufig zu einer Behinderung. Viele heilen nach der Geburt wieder ab.

Im Folgenden bekommst Du einige Informationen darüber,  welche Geburtskomplikationen beispielsweise auftreten könnten. Es ist auch zu beachten, dass diese Auflistung nicht vollständig ist und lediglich einen ersten Überblick über mögliche Geburtskomplikationen geben soll.

Sauerstoffmangel

Bei einem Sauerstoffmangel (perinatale Asphyxie) kommt es zu einer Mangelversorgung lebenswichtiger Organe. Das kann zu einer zeitlich begrenzten oder zu einer bleibenden Schädigung führen. Von der Minderversorgung kann unter anderem das Gehirn betroffen sein. Die hauptsächlichen Ursachen hierfür sind:

  • Plazentainsuffizienz bei welcher das Kind nicht ausreichend Nährstoffe, Sauerstoff und
    andere Substanzen erhält
     
  • Fruchtwasseranomalien, bei denen entweder zu viel oder zu wenig Fruchtwasser
    vorhanden ist
     
  • Plazenta-Nabelschnur-Anomalien, die eine ungewöhliche Lage der Plazenta und der
    Nabelschnur umschreiben
     
  • Lageanomalien des Kindes, die eine unübliche Lage des Kindes umschreiben

Die perinatale Asphyxie und die damit einhergehende Minderversorgung können zu schweren Schädigungen des Gehirns führen. Durch diese Schädigungen können unter anderem eine Cerebralparese, Entwicklungsstörungen oder Epilepsie auftreten. Eine perinatale Asphyxie tritt bei 1 % aller Geburten auf. Tritt ein Sauerstoffmangel auf muss eine neurologische Untersuchung erfolgen, um zu erkennen, ob eine Minderversorgung des Gehirns (hypoxisch-ischämische Enzephalopathie) mit Sauerstoff vorliegt.  Sie kann durch eine Abkühlung des Neugeborenen (Hypothermie) therapiert werden.

Physische Ursachen

Bei der Geburt können Verletzungen auftreten, jedoch ist nicht eindeutig, inwieweit diese die Ursache für eine Behinderung sind. Die meisten Verletzungen, die während der Geburt auftreten können, sind größtenteils unbedenklich. Verletzungen am Skelett, Blutungen oder kleinere Nervenverletzungen heilen in der Regel von ganz alleine wieder aus. 

Bei komplizierten Geburten kann es jedoch auch dazu kommen, dass der obere Armplexus des Kindes beschädigt wird. Beim Armplexus handelt es sich um ein Geflecht aus Nerven, welches für die Versorgung von Schulter und Oberarmmuskeln sorgt. Wird dieses Nervengeflecht bei der Geburt verletzt, so kann es zu einer Lähmung des Armes kommen. 
Dabei kann es sich entweder um eine Lähmung "Erb-Duchenne" oder eine Lähmung "Klumpke" handeln. Bei der Lähmung Erb-Duchenne können die Finger noch bewegt werden, bei Klumpke ist der komplette Arm gelähmt. Die Beeinträchtigungen der Lähmung bilden sich bei rund 30 % der betroffenen Neugeborenen innerhalb einiger Monate nach der Geburt wieder zurück. Bei einer kompletten Durchtrennung der Nervenbahnen ist eine schnelle operative Behandlung direkt nach der Geburt notwendig. Eine Nerventransplantation kann vorgenommen und die Nervenbahnen dadurch wiederhergestellt werden. Ansonsten wird eine physiotherapeutische Behandlung angewandt, um die Funktionsfähigkeit des Armes zu verbessern.

Auf der Videoplattform YouTube gibt es ein Video des Kanals "Plexuskinder", welches die Plexusparese nochmal genauer erklärt.

Welche Präventionsmöglichkeiten gibt es?

Die zuvor dargestellten Ursachen geben nur einen Überblick. Dennoch solltest Du dir nicht allzu viele Sorgen vor der Geburt machen. Bei all der theoretischen Auseinandersetzung mit diesem Thema darf nicht ausgelassen werden, dass es in der heutigen Zeit viele medizinische Möglichkeiten gibt, bereits im Voraus einzuschätzen, ob weitreichende Komplikationen während der Geburt auftreten könnten. Dadurch kann zum einen eine Vorbereitung auf die Geburt erfolgen oder ein Kaiserschnitt in Betracht gezogen werden. Mittlerweile gibt es sehr gute medizinische Möglichkeiten und das medizinische Personal steht dir und deinem Kind zur Seite, um mögliche Komplikationen abwenden.

Falls Du dir Sorgen vor der Geburt machst, die wegen tatsächlicher Risiken auftreten oder wegen eines unguten Gefühls, dann solltest Du nach einer Klinik schauen, welche eine Neugeborenen-Intensivstation hat.
Auch Perinatalzentren können für den Fall einer Risikogeburt eine sinnvolle Anlaufstelle sein. Alle Perinatalzentren in Deutschland und weitere Informationen kannst Du auf der Seite perinatalzentren.org finden.

Weitere Informationen zur Pränataldiagnostik findest Du in unserem Fachbeitrag.

Welche Unterstützungsmöglichkeiten gibt es?

Bei allen Fragen rund um die Geburt können dich verschiedene Beratungsstellen unterstützen. In unserer Adressdatenbank findest Du viele Anlauf- und Beratungsstellen in Bayern. Die Beratungen sind immer kostenlos. Ebenso findest Du weitere Informationen rund um die Unterstützung bei einer Schwangerschaft auf der Seite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Zudem gibt es das Hilfetelefon "Schwangere in Not - anonym und sicher" von Geburtvertraulich.de unter der Rufnummer 0800 / 40 40 020 an das Du dich rund um die Uhr, an allen Tagen wenden kannst. 

Weiterführende Informationen
Quellenverzeichnis
Bildquellen