Pflegeversicherung
Umwandlung des ambulanten Sachleistungsbetrags
Stand: 30.01.2025
Damit eine pflegebedürftige Person möglichst lange und möglichst selbstständig in ihrem Zuhause wohnen kann, gibt es die Möglichkeit Angebote zur Unterstützung im Alltag in Anspruch zu nehmen. Die Pflegebedürftige Person kann ihr zustehende Pflegesachleistungen in Angebote zur Unterstützung im Alltag umwandeln. In dem nachfolgenden Fachbeitrag informieren wir über die Voraussetzungen und die möglichen Leistungen.
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Im Überblick
Voraussetzungen
- Die pflegebedürftige Person hat Anspruch auf Pflegesachleistungen und damit mindestens Pflegegrad 2.
- Die Pflegesachleistung ist für den jeweiligen Kalendermonat noch nicht ganz ausgeschöpft.
Leistung
Umwandlung des Restbetrags der Pflegesachleistung in Leistungen zur Unterstützung im Alltag (z. B. Betreuungsangebote, Angebote zur Entlastung von Pflegenden, Angebote zur Entlastung im Alltag).
Antrag
Es muss kein Antrag im Voraus gestellt werden. Nach Inanspruchnahme der Angebote können die Belege und ein Antrag auf Kostenerstattung bei Pflegekasse eingereicht werden.
Gesetzliche Grundlage
Die gesetzliche Grundlage dazu ist § 45a SGB XI.
Was bedeutet Umwandlung des ambulanten Sachleistungsbetrags?
Damit eine pflegebedürftige Person möglichst lange zuhause wohnen kann, gibt es die Möglichkeit sogenannte Angebote zur Unterstützung im Alltag in Anspruch zu nehmen. Diese sollen Angehörige in der Pflege entlasten oder die pflegebedürftige Person bei der Bewältigung ihres Alltags unterstützen und das Aufrechterhalten von sozialen Kontakten ermöglichen.
Die Kosten für die Inanspruchnahme solcher Angebote können über den Pflegesachleistungsbetrag abgerechnet werden. Eine pflegebedürftige Person die den Anspruch auf Pflegesachleistungen für den jeweiligen Kalendermonat noch nicht ganz ausgeschöpft hat, kann den Restbetrag für Angebote zur Unterstützung im Alltag nutzen. Die Pflegesachleistung wird also umgewandelt.
Was sind Angebote zur Unterstützung im Alltag?
Angebote zur Unterstützung im Alltag umfassen:
- Betreuungsangebote
Das sind Angebote bei denen vor allem Ehrenamtliche die Betreuung von pflegebedürftigen Personen in einer Gruppe oder zuhause übernehmen (zum Beispiel durch den Familienentlastenden Dienst).
- Angebote zur Entlastung von Pflegenden
Diese sollen pflegende Angehörige in der Pflege entlasten, sie darin unterstützen und beraten (beispielsweise Helferkreise zur stundenweisen Entlastung pflegender Angehöriger).
- Angebote zur Entlastung im Alltag
Sie unterstützen pflegebedürftige Personen bei der Bewältigung ihres Alltags und der Haushaltsführung (zum Beispiel Serviceangebote für haushaltsnahe Dienstleistungen).
Welche Kosten werden übernommen?
Damit die Kosten für diese Angebote von der Pflegekasse übernommen werden, müssen die jeweiligen Angebote von der zuständigen Behörde nach Maßgabe des erlassenen Landesrechts anerkannt sein. Am besten erkundigst Du dich daher vorab bei der Pflegekasse, ob das von dir gewünschte Angebot anerkannt ist und die entsprechenden Kosten übernommen werden.
Wer hat Anspruch auf Umwandlung des ambulanten Sachleistungsbetrags?
Pflegebedürftige Personen mit mindestens Pflegegrad 2 haben Anspruch auf die Umwandlung des ambulanten Sachleistungsbetrags, wenn sie die Pflegesachleistung für den jeweiligen Kalendermonat noch nicht ganz ausgeschöpft haben und somit ein Restbetrag für die Umwandlung verbleibt.
In unserem Fachbeitrag zum Thema Pflegesachleistungen findest Du ausführliche Informationen zur Pflegesachleistung.
Wie hoch ist der Umwandlungsanspruch?
Monatlich können maximal 40 % der zustehenden Pflegesachleistungen umgewandelt werden.
- Pflegegrad 2: 318,40 €
- Pflegegrad 3: 598,80 €
- Pflegegrad 4: 743,60 €
- Pflegegrad 5: 919,60 €
Zusätzlich zum Umwandlungsbetrag kannst Du den Entlastungsbetrag nutzen. Mehr Informationen dazu findest Du in unserem Fachbeitrag zum Thema Entlastungsbetrag.
Weiterführende Informationen
- Beratung zu allen Themen rund um Pflege leisten die Pflegestützpunkte in Bayern. Eine Auflistung findest Du auf der Seite des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit, Pflege und Prävention
- auf der Seite des Medizinischen Dienstes Bayern
- im Online-Ratgeber Pflege des Bundesministeriums für Gesundheit
- im Ratgeber „Recht auf Teilhabe. Ein Wegweiser zu allen wichtigen sozialen Leistungen für Menschen mit Behinderung“ herausgegeben von der Bundesvereinigung Lebenshilfe
- in der Broschüre „Mein Kind ist behindert – diese Hilfen gibt es“ des Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e.V. (bvkm)
Quellenverzeichnis
- http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/
- https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/online-ratgeber-pflege/leistungen-der-pflegeversicherung/pflege-zu-hause.html#c13623
- https://bvkm.de/wp-content/uploads/FINAL_2018_Mein-Kind-ist-behindert_Stand_23_3_2018.pdf
- Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V. (Hrsg.) (2018). Recht auf Teilhabe. Ein Wegweiser zu allen wichtigen sozialen Leistungen für Menschen mit Behinderung. Lebenshilfe-Verlag: Marburg.
Bildquellen
- https://de.123rf.com/photo_110623972_hand-holding-envelope-with-arrows-around.html?term=circulate%2Bmoney&vti=nsxparzaufmhslb7o1-1-98