Zuzahlungen für Hilfsmittel und Medikamente

Krankenversicherung

Zuzahlungen für Hilfsmittel und Medikamente

Stand: 10.03.2020

Muss ich alle Medikamente und Hilfsmittel selbst zahlen? Oder werden bestimmte Kosten von der Krankenversicherung übernommen? In diesem Fachbeitrag wirst Du über generelle Bestimmungen zu Zuzahlung und Zuzahlungsbefreiung von Medikamenten und Hilfsmittel informiert.


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Zuzahlung bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln  

Derzeit ist es so geregelt, dass die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten für das Medikament übernimmt und Du als Versicherter lediglich eine Zuzahlung leisten musst. Diese Zuzahlung beträgt 10% des Preises einer Packung, höchstens 10€ und mindestens 5€.  

Ein paar Beispiele  

  • Kostet das Medikament 10€, muss der Patient 5 € (Mindestbetrag) selbst zahlen
  • Kostet es 80€, muss der Patient 8 € (10% des Verkaufspreises) zahlen
  • Kostet es 300 €, zahlt der Patient 10 € (Höchstbetrag)
  • Kostet es 4,50 €, zahlt er 4,50€ (Preis liegt unter dem Mindestbetrag von 5 €)

Müssen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren auch Zuzahlungen leisten?  

Eine gute Nachricht: Kinder unter 18 Jahren sind von allen Zuzahlungen für verschreibungspflichtige Arzneimittel befreit. 
Für Kinder unter 12 Jahren und Jugendliche mit Entwicklungsstörungen können sogar die Kosten für nicht rezeptpflichtige Medikamente von der Krankenkasse übernommen werden. Ausnahme bilden hier lediglich traditionell angewendete milde Arzneimittel ohne Indikationsbezug.  

Gibt es Ausnahmen für schwer erkrankte Patienten?  

Ja die gibt es. Leidest Du an einer schwerwiegenden Erkrankung und benötigst zur Therapie nicht verschreibungspflichtige Medikamente, kannst Du auch diese Kosten von der Krankenkasse zurückerhalten. Du musst lediglich bescheinigen, dass die Arzneimittel nach medizinischen Gesichtspunkten Therapiestandard sind.  

Gibt es eine Belastungsgrenze?  

Ähnlich wie bei den Zuzahlungen, die Du im Krankenhaus leisten musst, gibt es auch bei den Zuzahlungen für Medikamente und Hilfsmittel eine Belastungsgrenze. Das ist eine festgelegte finanzielle Grenze, ab der Du keine Zuzahlungen mehr leisten musst. 
Diese liegt bei 2% des Familienbruttoeinkommens und bei 1% für chronisch Kranke. Genauere Informationen hierzu findest Du im Fachbeitrag zum Thema „Kosten Krankenhausaufenthalt“.  

Zuzahlungsbefreiung für günstige Präparate  

Oft gibt es viele verschiedene Präparate mit sehr ähnlichen Wirkstoffen. Für einige dieser Medikamente muss inzwischen keine Zuzahlung mehr geleistet werden. Diese Zuzahlungsbefreiung soll ein Anreiz für Ärzte sein, dem Patienten eventuell ein vergleichsweise günstiges Medikament zu verschreiben, insofern dieses die gleichen Wirkstoffe enthält und medizinisch ausführlich getestet wurde. 
Durch gesetzliche Regelungen ist es möglich, dass es in Deutschland inzwischen mehrere tausende zuzahlungsfreie Arzneimittel gibt.  

Hier findest Du die aktuelle Liste zuzahlungsfreier Medikamente.

Grundlage für diese Regelungen sind die sogenannten Festbeträge für Arzneimittel und Rabattverträge der Krankenkassen mit den Herstellern.  

Was versteht man unter Festbeträgen?  

Festbeträge sind sogenannte Höchstbeträge, nach denen sich die gesetzlichen Krankenkassen bei der Erstattung von Arzneimittelpreisen richten. Das bedeutet, dass die Krankenkasse nicht jedes Medikament separat zahlt, sondern Festbeträge für verschiedene Gruppen von Arzneimitteln hat.  

Medikamente, welche vom Hersteller zu einem Preis angeboten werden, der mindestens 30% unter dem Festbetrag liegt, können generell von der Zuzahlung befreit werden. Diese Medikamente werden in einer regelmäßig aktualisierten Liste erfasst. Inzwischen gibt es fast 4000 Arzneimittel, die von den Krankenkassen von der Zuzahlung befreit wurden (Stand Juli 2019). 
Neben den zuzahlungsbefreiten Arzneimitteln gibt es auch Medikamente, deren Preis über dem Festbetrag liegt. Wird dem Patienten solch ein Medikament verschrieben, muss er vom Arzt darauf hingewiesen werden. Der Patient muss dann die Kosten, die über die Regelversorgung hinausgehen, selbst bezahlen.  

Hier findest Du weitere Informationen zu dem Thema „Festbeträge“.

Rabattverträge

Die Arzneimittelhersteller können mit den Krankenkassen verschiedene Preisrabatte aushandeln, um Kosten zu sparen. Gegebenenfalls können die ausgehandelten Vorteile an die Versicherten in Form von Zuzahlungsbefreiungen weitergegeben werden. Das bedeutet, dass deine Krankenkasse beispielsweise einen Vertrag mit einem bestimmten Pharmahersteller hat. Medikamente von diesem Hersteller können somit eventuell für dich als Versicherter von einer Zuzahlung befreit sein, obwohl andere dafür eine Zuzahlung leisten müssen.  

Seit 2007 sind Mitarbeiter in der Apotheke dazu verpflichtet, rabattbegünstigte Arzneimittel bevorzugt zu verkaufen bzw. das vom Arzt verordnete Arzneimittel gegen ein günstigeres Medikament eines anderen Herstellers zu tauschen, mit dem die Krankenkasse einen Rabattvertrag hat. Voraussetzungen für die Abgabe rabattbegünstigter Arzneimittel sind ein identischer Wirkstoff und Wirkstärke, ein gleiches Anwendungsgebiet, gleiche oder ähnliche Darreichungsform und eine identische Packungsgröße. Somit soll sichergestellt werden, dass sich die Dosierung und die Einnahmemodalitäten durch ein anderes Medikament nicht verändern.  

Du hast die Wahl  

Du als Patient hast die freie Wahl und kannst dich aus gegebenen Gründen auch für das teurere Medikament entscheiden. Beachte dabei allerdings, dass Du das Wunschmedikament dann zunächst selbst bezahlen musst und die Kosten erst danach teilweise von deiner Krankenkasse erstattet bekommen kannst.  

Wie sieht es mit Hilfsmitteln aus?  

Zu Beginn des Fachbeitrags wurde erwähnt, dass die Zuzahlung pro Medikament maximal 10 € beträgt. Bei Hilfsmitteln kann ein höherer Eigenanteil verlangt werden, wenn dieses Hilfsmittel auch ohne Erkrankung oder Behinderung angeschafft werden müsste.  

Ein Beispiel: Jedes Kind unter 3 Jahren braucht in der Regel einen Kinderwagen. Leidet dein Kind unter einer schweren Behinderung, kann es sein, dass Du mit 2 Jahren bereits einen sehr viel teureren Reha-Buggy benötigen. Der entsprechende Anteil für diesen Buggy kann dann beispielsweise bei ca. 100 € liegen, weil ein normaler Kinderwagen durchschnittlich so viel kosten würden. Du zahlst dann also nicht den vollen Preis des Reha-Buggys, sondern nur den Preis, der ein normaler Kinderwagen kosten würde.  

Informiere dich gegebenenfalls vor Anschaffung des Hilfsmittels über Anbietern, die auf eine Zuzahlung verzichten. Weitere Informationen zu Hilfsmitteln bekommst Du in diesem Fachbeitrag

Weiterführende Informationen
Quellenverzeichnis
Bildquellen

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