Hilfsmittel

Medizinische Versorgung

Hilfsmittel

Stand: 16.05.2022

Hilfsmittel unterstützen dein Kind im Alltag und fördern die Teilhabe deines Kindes . Im folgenden Fachbeitrag findest Du Informationen darüber welche Hilfsmittel es gibt, wer ein Hilfsmittel bekommen kann und weitere Informationen zu diesem Thema.

Hilfsmittel - Eine blonde junge Frau in einem weißen T-Shirt hält eine Fußorthese in den Händen und betrachtet diese.

Bildquelle: © Dan Race - stock.adobe.com 

Was sind Hilfsmittel?

Grundsätzlich sind Hilfsmittel, Mobilitäts- und Kommunikationshilfen, die eine gleichberechtigte Teilhabe an allen Lebensbereichen ermöglichen. Dies beginnt bei der Gestaltung des Alltags, über den Besuch der Schule bin hin zum Ausüben eines Berufs.  In all diesen Bereichen sind Menschen mit Behinderung oft auf Hilfsmittel angewiesen. Hilfsmittel nehmen bei der Entwicklung von Kindern mit Behinderung einen besonderen Stellenwert ein, denn sie werden oft für Therapien benötigt und ohne  die Hilfsmittel können Entwicklungsfenster nicht genutzt werden. Dadurch können weitere Entwicklungsdefizite auftreten.

Im Folgenden findest Du einige Beispiele für Hilfsmittel in verschiedenen Bereichen:

  • Hörhilfen
     
  • Sehhilfen (Brillen, Kontaktlinsen) für unter 18-Jährige,
     
  • Körperersatzstücke
     
  • Gegenstände zur Unterstützung der Mobilität (z.B. Rollatoren, Rollstühle)
     
  • Pflegehilfsmittel (z. B. Inkontinenzmittel, Windeln), diese sind gesondert im § 40 Abs. 1 SGB XI festgeschrieben
     
  • Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA), die bei der Erkennung und Behandlung von Krankheiten unterstützen, sowie zu mehr Selbstbestimmung führen sollen
     
  • orthopädische und
     
  • andere Hilfsmittel, die im Einzelfall erforderlich sind, um den Erfolg der Krankenbehandlung zu sichern, einer drohenden Behinderung vorzubeugen oder eine Behinderung auszugleichen.

Es gibt verschiedene Träger die für die Bereitstellung von Hilfsmittel zuständig sind. Im Grunde richtet sich die Zuständigkeit nach dem Zweck des Hilfsmittels. Also weshalb es benötigt wird und was damit ausgeglichen werden soll. Konkret lassen sich Hilfsmittel nochmal nach „Hilfsmittel zur Krankenbehandlung“ im § 33 SGB V ff und „Hilfsmittel zur Teilhabe“ in den § 47 SGB IX und § 84 SGB IX unterscheiden. Wenn mit dem Hilfsmittel die Teilhabe gefördert werden soll, so sind neben der Krankenkasse, unter anderem die gesetzliche Rentenversicherung, die gesetzliche Unfallversicherung, das Integrationsamt, die Träger der Sozialhilfe oder die Arbeitsagentur die Leistungsträger. 

Dabei beschränkt sich die Leistung nicht nur auf die Bereitstellung bzw. die Beschaffung des Hilfsmittels. Es sind auch notwendige Änderungen am Hilfsmittel, Ersatzbeschaffungen, die Ausbildung im Gebrauch des Hilfsmittels und die Reparatur und technische Kontrollen mit inbegriffen.       

Wichtig: Alltägliche Gebrauchsgegenstände, also Gegenstände die beispielsweise auch von Kindern ohne Behinderung täglich gebraucht werden (z. B. eine Matratze), gelten nicht als Hilfsmittel.  

Wie bekommt mein Kind ein Hilfsmittel?

Ein Hilfsmittel kann von eurem Kinderarzt verordnet werden; d.h. der Kinderarzt stellt beispielsweise den Bedarf eines Hörgerätes bei deinem Kind fest und kann dieses verordnen.  

Generell ist es bei einer ärztlichen Verordnung wichtig, dass der Arzt das notwendige Hilfsmittel in der Verordnung so genau wie möglich beschreibt (z. B. Modell eines Rollstuhls). Das erleichtert oftmals die Kostenübernahme durch die Krankenkasse. 

Sobald Du die Verordnung des Kinderarztes oder Arztes hast, kannst Du einen Antrag bei der Krankenkasse stellen. Dient das Hilfsmittel dem Ausgleich einer Behinderung, so hat die Krankenkasse maximal zwei Monate Zeit über die Bewilligung zu entscheiden. Eine Verlängerung des Zeitraums ist nur möglich, wenn die Krankenkasse Gründe für die Verzögerung nennt und einen genauen Tag angibt, an dem eine Entscheidung erfolgen wird. Sollte die Krankenkasse die Frist überschreiten und keine Gründe und ein genaues Datum angeben, so gilt das Hilfsmittel als genehmigt. Du kannst das Hilfsmittel dann vorerst auf eigene Kosten beschaffen und der Krankenkasse in Rechnung stellen, wenn für dich aus der ärztlichen Verordnung hervorgeht, dass das Hilfsmittel erforderlich ist (§18 SGB IX).

Es ist gut möglich, dass dein Antrag auf ein Hilfsmittel von der Krankenkasse abgelehnt wird. Ein Drittel aller beantragten Hilfsmittel wird zunächst abgelehnt. Lass dich davon jedoch nicht entmutigen, denn eine Ablehnung durch die Krankenkasse bedeutet nicht, dass dein Kind das Hilfsmittel nicht benötigt und Du solltest deshalb unbedingt Widerspruch einlegen. Widerspruch kannst Du innerhalb eines Monats nach der Ablehnung einlegen. Sollte daraufhin erneut eine Ablehnung erfolgen, dann kannst Du innerhalb eines Monats Klage erheben. 

Bei der Antragstellung ist es nicht besonders wichtig, ob nun wirklich die Krankenkasse als Leistungsträger auftreten muss. Wenn sie es nicht ist, so ist sie verpflichtet deinen Antrag an den zuständigen Leistungsträger weiterzuleiten.  

Wer übernimmt die Kosten?

Für Kinder mit Behinderung ist oftmals die gesetzliche Krankenversicherung für die Kostenübernahme der Hilfsmittel zuständig.  

Da es häufig für die Eltern nicht ganz einfach nachzuvollziehen ist, was nun als Hilfsmittel gilt und was nicht, gibt es ein Hilfsmittelverzeichnis. In diesem sind Hilfsmittel – für die auch in der Regel die Kosten übernommen werden – aufgeführt. Du kannst außerdem gezielt nach Gegenständen suchen.

Das Hilfsmittelverzeichnis beinhaltet jedoch nicht alle Hilfsmittel. Im Einzelfall können auch Gegenstände als Hilfsmittel anerkannt werden, die nicht in diesem verzeichnet sind. 

In unserem Fachbeitrag zum Thema Zuzahlungen für Hilfsmittel und Medikamente erhälst Du weitere Informationen. 

Rechtliche Grundlagen

Die Hilfsmittelversorgung ist im Sozialgesetzbuch V und IX geregelt:

Im Vorfeld der Bewilligung eines Hilfsmittels kann es sein, dass geprüft wird, ob dein Kind die notwendigen Voraussetzungen erfüllt, um die Arbeitsweise mit dem beantragten Hilfsmittel zu erlernen; beispielsweise den Umgang mit einem Talker. Diese Prüfung wird vom medizinischen Dienst durchgeführt. 

Weiterführende Informationen

Für ein Kind mit Behinderung sind passende Hilfsmittel eine sehr hilfreiche Unterstützung im Leben. Daher ist es für dich als Elternteil wichtig, sich über die verschiedenen Hilfsmittel zu informieren, um die geeignetsten für dein Kind finden zu können. 

Quellenverzeichnis
Bildquellen