Pflegehilfsmittel

Pflegeversicherung

Pflegehilfsmittel

Stand: 24.03.2020

Um pflegebedürftige Personen zu Hause pflegen zu können, werden manchmal besondere Hilfsmittel benötigt. Über die Pflegekasse können diese Pflegehilfsmittel beantragt werden. Was genau man unter Pflegehilfsmitteln versteht, welche Voraussetzungen für die Versorgung mit Pflegehilfsmitteln durch die Pflegversicherung gelten und welche Pflegehilfsmittel Du beantragen kannst erfährst Du in diesem Fachbeitrag.


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AKTUELLER HINWEIS: Die monatliche Pauschale für zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel wurde rückwirkend zum 01.04.2020 von 40 € auf 60 € angehoben. Dies gilt vorerst bis zum 30.09.2020.

Im Überblick 

Voraussetzungen

  • Die pflegebedürftige Person hat Anrecht auf Leistungen aus der Pflegeversicherung, also mindestens Pflegegrad 1.
     
  • Die Pflege findet zu Hause statt (häusliche Pflege).
     
  • Das Pflegehilfsmittel muss erforderlich sein, ggf. prüft der Medizinische Dienst der Krankenkassen diese Erforderlichkeit.

Leistungen

Eine Übersicht über Pflegehilfsmittel findest Du beim GKV-Spitzenverband. Das Verzeichnis ist jedoch nicht bindend, d.h. es können auch Hilfsmittel beantragt werden, die dort nicht gelistet sind.

Antrag

Du stellst den Antrag bei der Pflegekasse. 

Hinweis: Sollte die Feststellung der Pflegebedürftigkeit durch einen Gutachter noch ausstehen, dann zählt, sofern die pflegebedürftige Person zustimmt, bereits die Empfehlung des Gutachters bezüglich der Versorgung mit Hilfsmitteln bei dieser Feststellung als Antrag (§ 18 Absatz 6a Satz 2 und 3 SGB XI).

Gesetzliche Grundlage

Die gesetzliche Grundlage dazu ist § 40 SGB XI.

Wer hat Anspruch auf Pflegehilfsmittel?

Pflegebedürftige haben Anspruch auf Versorgung mit Pflegehilfsmitteln, die zur Erleichterung der Pflege, zur Linderung der Beschwerden des Pflegebedürftigen beitragen oder ihm eine selbständige Lebensführung ermöglichen (§ 40 SGB XI). Dies gilt, wenn diese Hilfsmittel nicht schon durch einen anderen Leistungsträger, wie Krankenkasse oder Sozialamt, gewährt werden müssen. 

Ob und in welcher Weise die Versorgung mit Hilfsmitteln notwendig ist, prüft der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) oder eine beauftragte Pflegefachkraft. Man sollte daher gleich bei der Begutachtung durch den MDK angeben, welche Hilfsmittel benötigt werden, damit die Leistungen schneller bewilligt werden können. Der MDK ist verpflichtet Empfehlungen zur Hilfsmittel- und Pflegehilfsmittelversorgung abzugeben (nach § 18 Abs. 6a SGB XI).

Was sind Pflegehilfsmittel?

Pflegehilfsmittel sind Hilfsmittel, die die Pflege zu Hause unterstützen bzw. ermöglichen. Dabei unterscheidet man zum Verbrauch bestimmte Hilfsmittel von technischen Pflegehilfsmitteln.

Zum Verbrauch bestimmte Hilfsmittel sind Hilfsmittel wie Windeln oder Schutzkleidung. Bei Verbrauchsmaterialien gilt folgende Regelung: Aufwendungen für zum Verbrauch bestimmte Hilfsmittel (wenn diese die Krankenkasse nicht zahlt) werden monatlich bis zu 40 € ersetzt.

Technische Pflegehilfsmittel sind Pflegehilfsmittel, die nicht zum Verbrauch bestimmt sind. Hierzu gehören Pflegehilfsmittel zur Erleichterung der Pflege, zur Körperpflege, zur selbständigen Lebensführung und Mobilität sowie zur Linderung von Beschwerden. Bei technischen Hilfsmitteln gibt es für Volljährige eine Eigenbeteiligung von bis zu 25 € je Hilfsmittel (10 % des Preises), wenn diese nicht nur leihweise überlassen werden (§ 40 Abs. 3 SGB XI). Eine Zuzahlungsbefreiung gilt unter den gleichen Voraussetzungen wie bei der Krankenkasse.

Die Ausstattung mit Pflegehilfsmitteln umfasst die Grundausstattung, das Zubehör, die Anpassung und Ausbildung im Gebrauch des Pflegehilfsmittels, die Änderung, Instandsetzung oder Ersatzbeschaffung.

Hilfsmittel, die die Krankenkasse bezahlen muss, stehen im GKV-Hilfsmittelverzeichnis. Der MDK, der auch den Pflegegrad feststellt, verfügt über das Hilfsmittelverzeichnis, so dass es sich empfiehlt, zunächst anhand dieses Verzeichnisses festzustellen, ob die Krankenkasse leisten muss. Nur wenn keine Leistungspflicht der Krankenkasse gegeben ist, tritt die Pflegekasse ein.
 

Folgende Pflegehilfsmittel können bei der Pflege zu Hause erforderlich sein:

Zur Erleichterung der Pflege

  • Lifter zur Fremdbedienung
     
  • Pflegebetten
     
  • Pflegebettzubehör (Bettgalgen, Bettverkürzer, Aufrichthilfen)
     
  • spezielle Pflegeliegestühle
     
  • Lagerungshilfen
     
  • Umsetz-/Hebehilfen zur Fremdbedienung
     
  • Schieberollstühle, fremdbedienbare Elektrorollstühle und Zusatzantriebe zur Fremdbedienung
     
  • fremdbedienbare Treppensteighilfen
     

Zur Körperpflege/Hygiene

  • Hilfen zum Baden oder Duschen (Badelifter, Badewanneneinsätze, Sicherheitsgriffe)
     
  • Toilettenhilfen (Toilettensitzerhöhung, Toilettenstühle, Toilettenstützgestelle, Sicherheitsgriffe)
     
  • Produkte zur Betthygiene (Bettpfannen und Urinflaschen, Bettschutzeinlagen)
     
  • Patientenwaschsysteme
     

Zur Mobilität bzw. zur selbständigen Lebensführung

  • An-/Ausziehhilfen
     
  • Aufstehhilfen
     
  • Hilfen zum Verlassen und Aufsuchen der Wohnung, z. B. mobile Rampen
     
  • Notrufsysteme
     

Zur Linderung von Beschwerden

  • Fersenschützer/Ellenbogenschützer
     
  • Sitz-/Liegehilfen zur Linderung von Druckbeschwerden (Fellauflagen, Sitzkissen, Matratzenauflagen)
     
  • Lagerungsrollen
     
  • spezielle Wärme-/Kälteapplikationshilfen (Wärme- und Kältepackungen)
     

Zum Verbrauch bestimmte Hilfsmittel

  • urinaufsaugende und -ableitende Produkte (z. B. Windelhose, Urinalkondom)
     
  • einmalverwendbare Bettschutzeinlagen
     
  • Schutzkleidung, wie Fingerling/Handschuh
     
  • Mundschutz

Ausführliche Informationen über eine Vielzahl an Hilfsmitteln findest Du auch bei REHADAT. Dort findest Du ebenfalls die Adressen der Hersteller, genaue technische Spezifikationen der jeweiligen Produkte und weiterführende Informationen zur Finanzierung.

Wird eine ärztliche Verordnung für Hilfsmittel benötigt?

Für die im MDK-Gutachten empfohlenen Pflegehilfsmittel und Hilfsmittel wie z. B. Rollstuhl wird eine Notwendigkeit vermutet. Seit dem 1.1.2017 bis zunächst 31.12.2020 ist daher keine ärztlichen Verordnung mehr durch einen Arzt erforderlich (§ 18 Abs. 6a SGB XI). 

Das heißt, dass auf Empfehlung des MDK ein Pflegehilfsmittel zu Lasten der Pflegekasse beschafft werden darf, sofern es im Hilfsmittelverzeichnis gelistet ist. Die Pflegekasse informiert ihrerseits ebenfalls den Antragsteller über ihre Entscheidung über die empfohlenen Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel. Damit kann dann direkt zu einem Sanitätshaus gegangen werden und dort bestellt und in Empfang genommen werden.

Weiterführende Informationen
Quellenverzeichnis
Bildquellen
  • https://de.123rf.com/photo_36539040_hand-die-den-handlauf-im-bad-konzentrieren-sie-sich-auf-den-handlauf-.html?fromid=RVBpQmxFQk84ZnFJQmRhYjVnZmFEUT09