Diagnose Toxoplasmose - und nun?

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Diagnose Toxoplasmose - und nun?

Stand: 12.12.2019

Du bist auf dieser Seite gelandet, weil dein Kind die Diagnose „Toxoplasmose“ erhalten hat. Sicherlich hast Du gerade viele Fragen, auf die Du Antworten brauchst. Wir haben gute Nachrichten: Du bist hier richtig. Wir möchten dich im Folgenden mit all dem informieren und ausstatten, was Du fürs Erste wissen musst. Hier erfährst Du alles rund um Toxoplasmose, Du erhälst konkrete Hilfestellungen und Kontaktdaten von wichtigen Ansprechpartnern. Falls es noch nicht lange her ist, dass Du diese Diagnose für dein Kind erhalten hast, empfehlen wir dir zu Beginn den Fachbeitrag Diagnose Erstmitteilung zu lesen, bei dem Du wertvolle Informationen und Hinweise zu den ersten Schritten nach einer Diagnosemitteilung bekommst.


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Toxoplasmose – was ist das?

Toxoplasmose ist eine Infektionskrankheit, die durch den einzelligen Erreger Toxoplasma gondii ausgelöst wird. Dieser Erreger befällt Säugetiere und Vögel und kann auf den Menschen übertragen werden. Solche Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragbar sind, heißen Zoonosen. Der Hauptwirt für Toxoplasma gondii ist die Katze. Im Dünndarm der Katze entwickeln sich aus männlichen und weiblichen Erregern sogenannte Vorstadien (Oozysten), die über den Kot der Katze ausgeschieden werden. Die Katze selbst erkrankt nur selten sichtbar. Die Oozysten benötigen 1-4 Tage Luft, Feuchtigkeit und Wärme, um sich weiter zu entwickeln. Erst nach dieser Zeitspanne können sie für eine Dauer von mehreren Monaten eine Infektion auslösen. Direkt über den Kot oder durch Wind und Staub werden die Oozysten auf Gemüse, Obst und Gräser übertragen. Hier können sich Tiere, insbesondere Schweine und Schafe mit Toxoplasmen infizieren. In ihrem Muskelgewebe und im Gehirn bilden sich dann harte, widerstandsfähige Dauerstadien (Zysten), die mit Toxoplasmose-Erregern gefüllt sind

Wie steckt man sich mit Toxoplasmose an?

Beim Verzehr von rohem oder ungenügend gegartem Fleisch (z.B. Tartar, Hackepeter, Mett, Räucherfleisch, Rohwurst, Steak saignant, Hamburger…) werden die Erreger vom Menschen aufgenommen. Aber auch über zu schlecht gewaschenes Gemüse, durch eine Schmierinfektion bei der Gartenarbeit oder beim Säubern des Katzenklos kann der Mensch sich infizieren.

Woran merke ich, dass ich mich angesteckt habe?

Nach einer Inkubationszeit (Zeitdauer von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit) von circa ein bis drei Wochen bricht die Krankheit aus. Befallen wird bevorzugt ein Teil des Immunsystems des Menschen. Durch fortschreitende Zellteilung entsteht aus der befallenen Zelle eine Pseudozyste, die zerfällt und so die Erreger freigibt. Mit dem Blut verteilen sie sich über den ganzen Körper und bilden wiederum Zysten im Gewebe. Das Immunsystem des Menschen reagiert und produziert beim Erstbefall (primäre Infektion) Antikörper, die die Erreger bekämpfen und bis zum Lebensende vorhanden sind, um erneuten Infektionen (sekundäre Infektionen) mit Toxoplasmen sofort zu begegnen, der Mensch wird also immun.

Bei gesunden Menschen, auch bei Schwangeren, verläuft die Infektion in über 90% der Fälle symptomlos (Toxoplasma-Infektion), seltener mit Krankheitserscheinungen (Toxoplasmose). Ca. 70% der Mitteleuropäer weisen Toxoplasmose-Antikörper auf, ohne zu wissen, dass sie einmal mit Toxoplasmen infiziert wurden.

Bei der Toxoplasmose sind zwei Formen zu unterscheiden: Die pränatale/konnatale (vor der Geburt erworbene) und die postnatale (nach der Geburt erworbene) Toxoplasmose.

Bei der nachgeburtlich erworbenen Toxoplasmose kommt es bei Personen mit gesundem Immunsystem nach der Inkubationszeit zu allgemeinen Krankheitssymptomen, die nicht direkt auf Toxoplasmose schließen lassen: leichtes Fieber, Mattigkeitsgefühl, Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen und manchmal Durchfall. Auch Schwellungen der Lymphknoten im Nackenbereich können auftreten. Die Infektion heilt normalerweise ohne Komplikationen und Folgen ab.

Bei immunschwachen Personen (AIDS-Kranke, Knochenmarktransplantierte o.Ä.) können alle Organe, besonders aber das Gehirn betroffen sein. Hier ist eine medikamentöse Behandlung mit Antibiotika dringend notwendig.

Was bedeutet eine Infektion mit Toxoplasmose für mein ungeborenes Kind?

Infiziert sich eine Frau in der Schwangerschaft erstmalig, so kann das ungeborene Kind durch die Plazenta mit Toxoplasmose geschädigt werden. Häufig infizieren sich gerade die Schwangeren, die keine Katze haben. Katzenbesitzerinnen infizieren sich meist schon früher und sind dann immun gegen Toxoplasmose, die Gefahr für das Kind ist gering.

In ca. 50% der Fälle werden die Krankheitserreger in der Schwangerschaft über die Plazenta von der erstmalig infizierten Mutter auf das ungeborene Kind übertragen. Eine Infektion ist im ersten Drittel der Schwangerschaft unwahrscheinlicher, im Verlauf der Schwangerschaft steigt das Übertragungsrisiko. Es kommt zur konnatalen Toxoplasmose.

Infektionen in der frühen Schwangerschaft können Schäden an fast allen Organen, vor allem des Gehirnes hervorrufen, gelegentlich kommt es zu Fehl- oder Totgeburten. Je nach Infektionszeitpunkt und Schwere der Erkrankung können auch Symptome wie Wasserkopf (Hydrozephalus), Kalkablagerungen im Gehirn oder Entzündungen der Augeninnenhaut kommen.

Kinder, die mit Toxoplasmose auf die Welt kommen, leiden häufig unter Infektionen der Augen, Gelbsucht, Leber- und Milzvergrößerung, Lungenentzündung, Krämpfen oder Gerinnungsstörungen. Einige dieser Neugeborenen sterben schnell. Bei ungefähr der Hälfte der Kinder, die bei der Geburt keine Anzeichen einer Erkrankung aufweisen, können noch nach Jahren Spätfolgen wie Entwicklungsverzögerungen, eine geistige Behinderung, Aufmerksamkeitsstörungen, Gehörschäden, Augenveränderungen, evtl. Erblindung auftreten.

Was passiert bei einer Infektion?

Bei Verdacht auf eine Toxoplasmose-Infektion entnimmt der Arzt eine Blutprobe und untersucht sie auf Toxoplasmose-Antikörper. Schon nach ca. einer Woche ist ein Nachweis der Antikörper möglich. War die Schwangere bereits vor der Schwangerschaft infiziert, weist sie Antikörper auf und es besteht kaum Gefahr für das Ungeborene. Wies die Frau vor der Schwangerschaft keine Antikörper auf und nun sind sie vorhanden, hat sie sich kürzlich mit Toxoplasmose infiziert und das Kind kann angesteckt werden.

Hier kann ab der 20. Schwangerschaftswoche eine Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) klären, ob die Erreger das Kind überhaupt erreicht haben und ob eine Behandlung notwendig ist. In Ausnahmefällen kann auch eine Blutuntersuchung aus der Nabelschnur vorgenommen werden. Eine erweiterte Ultraschalluntersuchung gibt Auskunft darüber, ob schon Organveränderungen vorliegen.

Neugeborene können auch über eine Blutuntersuchung auf Toxoplasmose getestet werden. Bei drei von 1000 Lebendgeburten wird eine pränatale Infektion festgestellt. Außerdem ist ein direkter Nachweis der Erreger in Gewebeproben aus verschiedenen Organen (Lymphknoten, Gebärmutter) möglich.  

Bei nachgewiesener Infektion, die jedoch keine Krankheitssymptome hervorruft, ist keine Behandlung notwendig. Bei Auftreten von Krankheitszeichen, besonders bei immungeschwächten Patienten, ist eine Behandlung mit Antibiotika durch einen Arzt angezeigt.

Liegt eine akute Infektion einer Schwangeren vor, muss diese ab der 16. Schwangerschaftswoche über mindestens vier Wochen medikamentös mit Antibiotika behandelt werden, auch wenn sie selber keine Krankheitssymptome zeigt. Damit kann eine Ansteckung des Kindes verhindert werden. Wird eine Infektion des ungeborenen Kindes nachgewiesen, so kann auch dieses behandelt werden. Nach der Geburt wird, wenn das Kind Symptome einer Toxoplasmose bei nachgewiesener Infektion zeigt, eine manchmal monatelang andauernde Therapie mit Medikamenten notwendig sein, um Spätfolgen und ein Wiederauftreten der Krankheit zu vermeiden.

Was können wir tun?

Optimaler Weise vor, sonst während der Schwangerschaft sollten Frauen, die nicht wissen, ob sie gegen Toxoplasmose immun sind, einen Bluttest vornehmen lassen. Dieser wird von den Krankenkassen leider nur noch bei Verdacht auf Toxoplasmose bezahlt, dennoch ist eine solche Untersuchung sinnvoll, da die Krankheit schwerwiegende Folgen haben kann, aber auch gut zu behandeln ist. Der Test gilt als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) und kostet in der Regel zwischen 14 und 16€ (zusätzlich können noch die Laborkosten anfallen).

Sind Antikörper im Blut nachweisbar, ist die Schwangere immun und selbst bei einer sekundären Infektion während der Schwangerschaft ist das Risiko für das ungeborene Kind gering. Sind keine Antikörper vorhanden, sollte dieser Test während der Schwangerschaft wiederholt werden, um eine Neuinfektion frühzeitig zu erkennen.

Wie kann ich eine Infektion verhindern?

Folgende Verhaltensregeln können eine Infektion verhindern und sollten daher beherzigt werden:  

  • Verzichte auf den Verzehr von rohem oder ungenügend erhitztem Fleisch (Tartar, Hackepeter, Mett, Räucherfleisch, Rohwurst, Steak saignant, Hamburger,...) in der Schwangerschaft; schon ein einmaliges Abschmecken des rohen Fleisches reicht zur Infektion.
  • Wasche Gemüse, Obst und Salat vor dem Verzehr gründlich.
  • Bei +4°C (Kühlschrank) bleiben die Zysten bis zu drei Wochen lang lebensfähig! Einfrieren (bis -21°C) und Erhitzen (20 min bei Kerntemperatur von mind. 50°C) tötet die Parasiten ab.
  • Wasche dir nach dem Kontakt mit rohem Fleisch und Gemüse sowie nach der Gartenarbeit oder nach der Berührung von Katzen die Hände gründlich mit Seife.
  • Wird die Katze nicht mit rohem Fleisch gefüttert und geht sie nicht jagen, besteht keine Infektionsgefahr.
  • Ob die Katze Überträger von Toxoplasmose ist, kann der Tierarzt feststellen. Rund 70% aller Katzen infizieren sich früher oder später mit Toxoplasmose! Bist Du nicht sicher, ob deine Katze Toxoplasmose-Erreger überträgt, musst Du die Katze NICHT entfernen, sondern
  • füttere die Katze nach Möglichkeit mit Dosen- und Trockenfutter, vermeide die Aufnahme von Frischfleisch.
  • Achte auf einen hygienischen Umgang mit Katzen, z.B. küsse das Tier nicht,
  • reinige das Katzenklo täglich, spüle es mit heißem Wasser (mind. 70°C) aus, um eine Reifung der Vorstadien zu verhindern.
  • Stelle das Katzenklo möglichst weit von den Wohnräumen entfernt auf und halte es etwas feucht, damit kein getrockneter Kot in die Luft gelangen kann.
  • Lasse das Katzenklo nach Möglichkeit von jemand anderem reinigen oder trage Gummihandschuhe dabei.

Wo finde ich Hilfe? 

In Deutschland kannst Du dich vor allem auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts ausführlich über Toxoplasmose informieren. Dort findest Du zahlreiche Informationen zu Infektionswegen, Ansteckungszeit, Symptomatik, Diagnostik und Therapie. Auch in dem Ratgeber des Bundesinstituts für Risikobewertung findest Du viele Verbrauchertipps zum Schutz vor Toxoplasmose.

Ebenso wird dein Frauenarzt dich sicherlich gut beraten können und dir Informationsmaterialien mitgeben. Bei deinem Frauenarzt kann auch der Antikörper-Suchtest durchgeführt werden.

Weiterführende Informationen
Quellenverzeichnis
Bildquellen
  • https://de.123rf.com/lizenzfreie-bilder/toxoplasmose.html?oriSearch=spina+bifida&sti=n7cycjc2akw09xpzjj|&mediapopup=101716974