Mein Kind ist krank - was ist nun mit meiner Arbeit?

Krankenversicherung

Mein Kind ist krank - was ist nun mit meiner Arbeit?

Stand: 12.03.2020

Der Wecker klingelt, die Arbeit ruft, doch dein Kind ist krank. Wie löst man als Elternteil den Konflikt zwischen elterlicher Fürsorgepflicht und der Verpflichtung gegenüber dem Arbeitgeber? Je nach Versicherungsart und allgemeinen zivilrechtlichen Vorschriften hat der Gesetzgeber für Möglichkeiten gesorgt, dass Du dich als Elternteil um deine Kinder kümmern kannst, ohne eine Abmahnung im Job befürchten zu müssen. Welche rechtlichen Grundlagen und Voraussetzungen es hierfür gibt und wie lange Du von deinem Job fernbleiben kannst, erfährst Du im Folgenden. Erkundige dich aber am besten zusätzlich bei deinem Betrieb, da es in vielen Unternehmen bereits festgelegte Tarif- oder Betriebsvereinbarungen gibt.


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Welche rechtlichen Grundlagen gibt es?  

Berufstätige Elternteile haben unter bestimmten Voraussetzungen und für eine bestimmte Dauer Anspruch auf Kinderkrankengeld von ihrer Krankenkasse und Anspruch auf unbezahlte Freistellung  von ihrem Arbeitgeber. Die rechtliche Grundlage dafür ist § 45 SGB V.

Bei privater Krankenversicherung ist es allerdings anders geregelt. Bitte frage direkt bei deinem Arbeitgeber oder beim Betriebsrat nach, welche Regelungen es bei Erkrankung des eigenen Kindes gibt.

Welche Voraussetzungen für Kinderkrankengeld gibt es?  

  • Du brauchst ein ärztliches Attest, welches bescheinigt, dass Du als Mutter/Vater zur Beaufsichtigung, Betreuung oder Pflege des erkrankten und (gesetzlich) versicherten Kindes der Arbeit fernbleiben musst
  • Es gibt keine andere im Haushalt lebende Person, die das Kind beaufsichtigen, betreuen oder pflegen könnte
  • Das Kind darf noch nicht 12 Jahre alt sein, es sei denn, es ist aus anderen Gründen (z. B. auf Grund einer Behinderung) auf Hilfe angewiesen.
  • Das Kind muss (über einen Elternteil) gesetzlich krankenversichert sein.

Dauer & Höhe des Anspruchs

Die Dauer der bezahlten Freistellung hängt davon ab, ob Du dir als Elternteil das Sorgerecht teilst oder alleinerziehend bist. Der Anspruch besteht für jedes Kind längstens für zehn Arbeitstage im Jahr, bei Alleinerziehenden erhöht sich der Anspruch auf 20 Arbeitstage im Jahr pro Kind. Insgesamt ist der Anspruch unabhängig von der Anzahl der Kinder auf 25 Arbeitstage bzw. 50 Arbeitstage bei Alleinerziehenden begrenzt.  

Liegen die Voraussetzungen vor, erhalten Eltern 90 Prozent des ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts. Falls Du vertraglich Sonderzahlungen (wie z. B. Urlaubsgeld oder Weihnachtsgeld) bekommst, erhälst Du 100% des ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts (§ 45 Abs. 2 Satz 3 SGB V) zurück.

Zusätzlich gibt es aber eine festgelegte Obergrenze für das Kinderkrankengeld. Diese beträgt maximal 109,38 Euro (2020) pro Tag im Jahr.  

Bestehen im Einzelfall tarifliche Vereinbarungen, nach denen Arbeitnehmer die Differenz zwischen Krankengeld und Nettolohn erhalten oder das Alter der Kinder höher angesetzt ist als zwölf Jahre (wie in verschiedenen Metall-Tarifverträgen), sollte die Krankenkasse in jedem Fall darauf hingewiesen werden.

Du arbeitest im öffentlichen Dienst?  

Für betroffene Beschäftigte des öffentlichen Dienstes besteht ein tarifrechtlicher Anspruch auf 4 Tage Sonderurlaub unter Fortzahlung der Bezüge gemäß § 52 BAT zu. Weiterhin kann man nach § 50 BAT (Bundesangestelltentarifvertrag) Sonderurlaub ohne Fortzahlung der Bezüge beantragen.

Gibt es eine Zusatzregelung, wenn mein Kind schwerstkrank ist?  

Nach dem Gesetz zur Sicherung der Betreuung und Pflege schwerstkranker Kinder gilt seit 01.08.2002 folgende zusätzliche Regelung:  

  • Ein Elternteil hat einen nicht befristeten Anspruch auf Krankengeld und auf Freistellung von der Arbeit,
  • wenn das Kind an einer Erkrankung leidet, die progredient verläuft (d.h. sich fortlaufend verschlechtert) und bereits ein weit fortgeschrittenes Stadium erreicht hat
  • Heilung ausgeschlossen ist
  • eine palliativ-medizinische Behandlung (Schmerzbehandlung) notwendig oder von einem Elternteil gewünscht ist
  • eine begrenzte Lebenserwartung von Wochen oder wenigen Monaten erwarten lässt. (siehe § 45 Abs. 4 SGB V).

Dieser Anspruch auf Freistellung von der Arbeit und Kinderkrankengeld zur Betreuung und Begleitung des Kindes gilt in diesem Fall auch dann, wenn die Arbeitnehmer nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert ist.

Was ist, wenn ich selbst krank bin?  

All diese Regelungen gelten nur bei Erkrankung des Kindes. Erkrankt jedoch der Elternteil, der für die Versorgung des Kindes zuständig ist, so besteht für den anderen Elternteil zur Betreuung des Kindes kein Anspruch auf die o.g. Leistung. In einem solchen Fall besteht lediglich die Möglichkeit, unbezahlten Urlaub oder eine Haushaltshilfe zu beantragen.

Weiterführende Informationen
Quellenverzeichnis
Bildquellen