Was ist das Übergangsgeld?

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Was ist das Übergangsgeld?

Stand: 09.11.2022

Übergangsgeld ist eine Lohnersatzleistung und kann unter bestimmten Voraussetzungen in Anspruch genommen werden. Es soll die versicherte Person zum Beispiel in der Zeit einer Reha-Maßnahme wirtschaftlich absichern. Welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, welche Leistungsträger es gibt und alle weiteren wichtigen Informationen zum Thema Übergangsgeld, erhältst Du in folgendem Fachbeitrag.


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Was ist das Übergangsgeld?


Das Übergangsgeld ist eine ergänzende Leistung und hat eine Entgeltersatzfunktion. Wenn der Arbeitgeber aufgrund einer längeren Erkrankung des Arbeitnehmers (länger als 6 Wochen) nicht mehr verpflichtet ist das Gehalt zu zahlen, so erhält der Arbeitnehmer ein Übergangsgeld. Es wird gezahlt, wenn eine Leistung der Rehabilitation bewilligt und durchgeführt wird. Zuständig für die Leistungserbringung können verschiedene Träger sein. 

  • Die Rentenversicherung zahlt das Übergangsgeld, wenn eine medizinische oder berufliche Rehabilitationsmaßnahme durchgeführt wird und diese zum Ziel hat die Erwerbsfähigkeit des Betroffenen wiederherzustellen 
     
  • Die Gesetzliche Unfallversicherung zahlt das Übergangsgeld, wenn ein Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit den Arbeitsausfall verursacht hat
     
  • Die Bundesagentur für Arbeit zahlt das Übergangsgeld bei Maßnahmen zur Teilhabe von Menschen mit Behinderung
     

Grundsätzlich kann jeder, der die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt, Übergangsgeld erhalten. Dabei richtet sich die Berechnung der Höhe des Übergangsgeldes nach dem vorherigen Einkommen.

Übergangsgeld ist also eine Lohnersatzleistung und muss beantragt werden.

Für Menschen mit Behinderung und für von Behinderung bedrohte Menschen ist es eine Leistung zur Teilhabe und gehört zu den sogenannten „unterhaltssichernden und anderen ergänzenden Leistungen“. Die rechtliche Grundlage ist §§ 64 ff SGB IX.

Übergangsgeld für Menschen mit Behinderung

Welcher Rehabilitationsträger ist zuständig?


Im Zusammenhang mit Leistungen zur medizinischen und beruflichen Rehabilitation leisten die Träger der Rentenversicherung das Übergangsgeld.

Im Zusammenhang mit Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben kann das Übergangsgeld von verschiedenen Rehabilitationsträgern erbracht werden.

Zuständige Träger nach § 65 SGB IX:

Bei Leistungen zur medizinischen Rehabilitation:  Bei Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (berufliche Rehabilitation): 

 

Wann besteht Anspruch?


Menschen mit Behinderung erhalten während der Teilnahme an Maßnahmen zur Teilhabe am Arbeitsleben Übergangsgeld. Sie haben beispielsweise für den Zeitraum, in dem eine berufliche Eignung abgeklärt oder eine Arbeitserprobung durchgeführt wird, Anspruch auf Übergangsgeld, wenn sie in der Zeit kein oder ein geringeres Arbeitsentgelt erhalten. In diesem Fall wird das Übergangsgeld von der Bundesagentur für Arbeit gezahlt, da es sich um eine berufliche Reha-Maßnahme handelt.

Du kannst Übergangsgeld auch während einer Maßnahme zur medizinischen Rehabilitation erhalten.


Unter welchen Voraussetzungen bekommt man Übergangsgeld?


Je nachdem welcher Leistungsträger zuständig ist, unterscheiden sich auch die Anspruchsvoraussetzungen.

Diese kannst Du hier nachlesen:

 

Tipp: Du kannst dich bei jedem Leistungsträger über die genauen Voraussetzungen, Anspruch und Höhe des Übergangsgeldes beraten lassen. Die Leistungsträger unterstützen dich auch, wenn Du dir nicht sicher bist, welcher Leistungsträger zuständig ist.

Wann und wie lange wird das Übergangsgeld gezahlt?


Der jeweilige Träger zahlt das Übergangsgeld

  • für den Zeitraum der medizinischen bzw. beruflichen Rehabilitation (maximal 6 Wochen). Übergangsgeld wird nur für die Tage gezahlt, an denen aktiv an der Rehabilitationsmaßnahme teilgenommen wird. Ein Fehlen muss entschuldigt werden!
     
  • bei einer gesundheitsbedingten Unterbrechung während einer beruflichen Rehabilitation 
     
  • in Anschluss an eine berufliche Reha-Leistung, wenn eine Arbeitslosigkeit vorliegt. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass kein Anspruch auf Arbeitslosengeld besteht. 
    Es handelt sich um das Anschlussübergangsgeld. Es wird maximal 3 Monate gezahlt und ist niedriger als das Übergangsgeld. 
     
  • zwischen zwei Reha-Maßnahmen. Also wenn nach Abschluss einer Maßnahme eine weitere Maßnahme erforderlich ist wird zwischen dem Ende der ersten und dem Beginn der zweiten Maßnahme Zwischenübergangsgeld gezahlt.

Wie hoch ist das Übergangsgeld?


Das Übergangsgeld richtet sich nach den vorherigen Einkommensverhältnissen. 

Die Berechnungsgrundlage beträgt in der Regel 80 % des regelmäßigen Arbeitsentgelts (§ 66 SGB IX).

75 % der Berechnungsgrundlage erhalten Leistungsempfänger

  • die mindestens ein Kind haben, nach § 32 EStG
     
  • oder die ein Stiefkind im Haushalt aufgenommen haben
     
  • deren Ehe- oder Lebenspartner, der mit in der häuslichen Gemeinschaft lebt, eine Erwerbstätigkeit nicht ausführen können, da sie den Leistungsempfänger pflegen oder selbst pflegebedürftig sind und keinen Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung haben.

Alle übrigen Leistungsempfänger erhalten 68 % der Berechnungsgrundlage.

Bei der Zahlung von Anschlussübergangsgeld unterscheiden sich die Beträge erneut. Wenn man vorher 75 % der Berechnungsgrundlage als Übergangsgeld erhalten hat, so erhält man als Anschlussübergangsgeld nun 67 % der Berechnungsgrundlage. Für alle übrigen entspricht das Anschlussübergangsgeld 60 % der Berechnungsgrundlage. Das Anschlussübergangsgeld ist demnach geringer als das Übergangsgeld. 

Wichtig: Das Übergangsgeld wird jährlich an das allgemeine Lohnniveau angepasst (§ 70 SGB IX). 
Ein Berechnungsbeispiel findest Du in dieser Broschüre der Agentur für Arbeit.

Welche Besonderheiten gibt es beim Bezug von Übergangsgeld?

  • Man hat keinen Anspruch auf Übergangsgeld, wenn Mutterschaftsgeld bezogen wird. Bei der Unfallversicherung wird jedoch das Mutterschaftsgeld angerechnet.
     
  • Bei einer stufenweisen Wiedereingliederung im unmittelbaren Anschluss (innerhalb von 4 Wochen) an eine medizinische Rehabilitation wird das Übergangsgeld bis zum Ende der Wiedereingliederung gezahlt.
     
  • Das Übergangsgeld ist steuerfrei, muss aber trotzdem in der Steuerklärung angegeben werden.
Weiterführende Informationen
Quellenverzeichnis
Bildquellen