Was ist Unterstützte Kommunikation (UK)?

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Was ist Unterstützte Kommunikation (UK)?

Stand: 17.08.2026

Menschen mit eingeschränkter oder fehlender Lautsprache können nicht problemlos über verbale Sprache mit ihrer Umwelt kommunizieren, Bedürfnisse äußern oder an Gesprächen teilnehmen. Kommunikation ist sehr wichtig für alle Menschen. Unterstützte Kommunikation (UK) kann für alle Menschen, deren Lautsprache eingeschränkt ist, eine große Hilfe sein. UK ermöglicht es, mithilfe von Gebärden oder Bildsymbolen auf andere Art zu kommunizieren. Dieser Fachbeitrag informiert darüber, für wen UK geeignet ist, welche Formen von UK es gibt und wie eine UK-Förderung geplant und gestaltet werden kann. Unterstützte Kommunikation kann ein Weg für dein Kind sein in Kontakt mit dir und dem Umfeld zu treten und damit auch Teilhabe zu ermöglichen.

Bildquelle: iStock.com/FatCamera

Was ist Unterstützte Kommunikation?  

Unterstützte Kommunikation (englisch: Augmentative and Alternative Communication - AAC), das sind alle Maßnahmen, die die Kommunikation einer Person fördern.  
Wenn eine Person sich nicht oder nur wenig über Lautsprache verständlich machen kann, können andere Möglichkeiten genutzt werden um zu kommunizieren. Diese können die vorhandene Lautsprache ergänzen oder auch ersetzen, je nachdem was die Person braucht.
Das können ergänzende oder ersetzende Gebärden, Symbole, Bildkarten oder auch technische Hilfsmittel wie beispielsweise ein Talker sein. 
Dadurch kann die Person besser kommunizieren und besser am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Es ist ein Grundbedürfnis des Menschen, mit anderen Menschen kommunizieren zu können.

Ist UK für mein Kind geeignet?  

UK ist für viele Menschen mit den unterschiedlichsten Voraussetzungen anwendbar.  Sie kann eine große Hilfe sein für: 

  1. Menschen, die Lautsprache gut verstehen können, aber deren Fähigkeit zu Sprechen eingeschränkt ist
    Zu dieser Gruppe gehören unter anderem Menschen, die durch eine motorische Beeinträchtigung keine Lautsprache verwenden können, aber über ein gutes Sprachverständnis verfügen (als Beispiel: Kinder mit schwerer Dysarthrie oder Anarthrie).
     
  2. Kinder, die Unterstützung beim erstmaligen Spracherwerb benötigen oder Menschen, die verloren gegangene Sprache mit Hilfe von UK wieder erlernen möchten
     
  3. Menschen, deren lautsprachliche Fähigkeiten für Gesprächspartner schwer verständlich sind
    Die Kommunikation über Lautsprache ist zwar eingeschränkt möglich, es kommt jedoch in manchen Situationen zu Verständigungsproblemen. Probleme können zum Beispiel im Gespräch mit fremden Menschen auftreten, wenn diese die Aussprache nicht richtig verstehen. UK kann hier helfen, Verständigungsprobleme in bestimmten Situationen zu vermeiden. Durch ein unterstützendes Hilfsmittel ist die vorhandene Lautsprache für Zuhörer oft besser verständlich.
     
     
  4. Menschen, für die Lautsprache insgesamt sehr schwierig ist und die daher eine geeignete Alternative benötigen
    Neben dem Sprechen ist auch das Sprachverständnis beeinträchtigt. Dies kann zum Beispiel bei Kindern mit Mehrfachbehinderung oder bei Kindern mit Autismus-Spektrum-Störung der Fall sein, wenn die Körperbehinderung von einer geistigen Behinderung begleitet wird. Die Unterstützte Kommunikation stellt in diesem Fall eine Ersatzsprache dar. Es ist hilfreich, dein Kind (und dich als Elternteil) möglichst frühzeitig an die UK heranzuführen.

Welche Formen von UK gibt es?  

Zunächst kann man zwischen körpereigenen und externen Kommunikationshilfen (elektronisch oder nicht-elektronisch) unterscheiden.  

Körpereigene Kommunikationsformen  

Hierzu zählen Laute oder Geräusche, die ein Mensch von sich gibt, aber auch Mimik, Gestik, Blickkontakt oder das Deuten auf einen bestimmten Gegenstand. Für viele Menschen mit schwerer Behinderung, die über keine Lautsprache verfügen, sind diese angeborenen Fähigkeiten oft die einzige Art zu kommunizieren. 
Für das Umfeld bedeutet dies zu versuchen, die Gestik und Mimik der Person richtig zu interpretieren und zu verstehen.

Hier werden Grenzen jedoch sehr schnell sichtbar: Woher kann man wissen, warum jemand ein trauriges Gesicht macht? Warum fängt ein Mensch plötzlich an zu lachen, was hat ihn dazu bewegt? Wo möchte der Mensch, der seinen Finger in eine bestimmte Richtung hält, genau hin zeigen? All die tieferliegenden Ursachen von Emotionen oder konkreten Details von Wünschen und Bedürfnissen bleiben bei den ausschließlich körpereigenen Kommunikationsmöglichkeiten oft unergründet.  

Neben diesen angeborenen Fähigkeiten der Kommunikation gibt es auch noch verschiedene Arten von Gebärden, die erlernt werden können. Neben der offiziellen deutschen Gebärdensprache (DGS), die gehörlose Menschen in Deutschland erlernen, gibt es viele Abwandlungen von Gebärden, die für Menschen mit geistiger Behinderung geeignet sind. Hierzu gehören zum Beispiel GuK (gebärdenunterstützende Kommunikation) oder „Schau doch meine Hände an“. Hier werden die Gebärden nur lautsprachunterstützend verwendet und stellen keine eigene Sprache dar. Ausführliche Informationen erhältst Du dazu im intakt.info - Fachbeitrag “Unterstützte Kommunikation mithilfe von Gebärden”. 

Auf der Seite der Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation findest Du das Lexikon der Unterstützten Kommunikation. In diesem werden gängige Abkürzungen und Begrifflichkeiten rund um das Thema UK erklärt.

 

Externe Kommunikationsmittel (=nicht körpereigene Kommunikationsmittel)

Nicht-elektronische Kommunikationsmittel  

Oft werden in der UK statt Wörtern verschiedene Bildsymbole genutzt. Bekannte Bildsymbolsysteme sind zum Beispiel PCS (sogenannte Boardmarker Symbole), Symbolstix oder Metacom.

Um diese für die Kommunikation zu verwenden, eignet sich zum Beispiel der sogenannte Kölner Kommunikationsordner. Am Rand befindet sich das sogenannte Kernvokabular, also die Wörter, die das Kind am häufigsten benutzt. In der Mitte befinden sich verschiedene Seiten mit Wörtern, die oft eher situationsspezifisch sind und somit häufiger gewechselt werden müssen/können. Durch Zeigen auf die entsprechenden Bildsymbole kann das Kind Stück für Stück lernen, damit zu kommunizieren.  

Eine weitere Möglichkeit, um mit diesen Symbolen zu kommunizieren, ist das sogenannte PECS-Verfahren (Picture-Exchange-Communication-System). PECS basiert auf Verhaltenskonditionierung.  PECS ist ein stark strukturiertes Kommunikationssystem, bei dem eine Bildkarte mit dem gewünschten Gegenstand oder der gewünschten Aktion an den Kommunikationspartner überreicht wird. Dadurch dass der Kommunikationspartner dieser Aufforderung nachkommt, lernt das Kind, dass Kommunikation Sinn macht und es damit seine Bedürfnisse ausdrücken kann. Die Kinder sollen also lernen, dass sie selbst aktiv sein müssen und etwas mit Kommunikation erreichen können. Das Kind bekommt dann einen eigenen kleinen Ordner, in dem die Bildkarten gesammelt und überall mit hin genommen werden können. 

Elektronische Kommunikationsmittel  

  • Für das iPad gibt es zum Beispiel die App “MetaTalkDE” oder “GoTalkNow”, mit der Kinder und Erwachsene mithilfe von verschiedenen Symbolen kommunizieren können. Wie das in der Praxis aussieht, kannst Du in diesem Video von METACOMsymbole auf YouTube sehen. 
  • Auch andere Apps wie EiS eignen sich hierfür und verwenden die METACOM-Symbole.
  • Die kostenlose App UKAPO (Google Play Download) bietet Hilfe in Gesprächen mit medizinischem Personal, zum Besipiel beim Arzt oder in der Apotheke. Sie dient zur Beschreibung einer Erkrankung, Informationen über Vorerkrankungen oder Allergien und zur Besprechung der Medikation. 

Daneben gibt es außerdem viele speziell entwickelte Geräte, die für UK geeignet sind. Unterschieden werden die Geräte meist in einfache, dynamische und schriftsprachliche Systeme:

  • Bei den einfachen Geräten, wie zum Beispiel den Bigmack gibt es nur einen Button, auf den etwas aufgesprochen werden kann. 
  • Ein Quicktalker ist ein Gerät dass eine begrenzte Auswahl an Bildern zur Verfügung stellt, die durch verschiedene Vorlagen dem Kontext angepasst werden können. Das Gerät kombiniert physische (ausgedruckte) Bilder mit digitaler Sprachausgabe. Es ist ein robustes und einfach zu bedienendes Kommunikationsmittel.
  • Mit dynamischen Systemen, wie beispielsweise dem GoTalk, MyCORE, MetaTalk oder VOICEpad SC, ist es möglich auf ein großes Repertoire an Vokabeln zurückzugreifen und dadurch auch komplexere Sätze zu bilden.
  • Die schriftsprachbasierten Geräte, wie Allora, Letterpad oder Lightwriter sind für Menschen mit guten motorischen und visuellen Fähigkeiten geeignet.

Es gibt auch Geräte wie den Tobii oder Tellus, die über Augensteuerung zu bedienen sind und sich somit für Menschen eignen, deren Fein- und Grobmotorik (gänzlich) eingeschränkt ist.  

Der Anybook-Reader ist eine Möglichkeit für Kinder, zum Beispiel ein Bilderbuch oder eine Anleitung anzuhören. Das ist ein elektronischer Stift, der spricht, wenn man ihn auf spezielle Sticker hält. Er „liest“ dann vor, je nachdem womit er besprochen wurde. Es ist möglich verschiedene Sticker zu besprechen, die dann überall platziert werden können. Um diese abzuhören, muss das Kind den Stift auf den Sticker halten und hört sofort, was darauf auf gesprochen wurde.  

Auf der Seite uk-app-blog.blogspot.com findest Du eine Auflistung vieler Apps zum Thema Unterstützte Kommunikation. 

Wo informiere ich mich über eine UK-Förderung?  

Es gibt viele verschiedene Institutionen und Orte, die Beratung und Förderung von UK anbieten. Eine Übersicht über die verschiedenen Stellen in Deutschland findest Du auf der Seite der Gesellschaft für unterstützte Kommunikation e. V..  

Wenn es konkret um die Versorgung mit einem passenden Hilfsmittel oder einem Gerät geht, empfiehlt sich zum Beispiel eine Kontaktaufnahme mit ELECOK. Die Personen, die dort arbeiten, kennen sich sehr gut mit den unterschiedlichen Vor- und Nachteilen der Geräte aus und finden mit dir und deinem Kind zusammen das passende.

Eine Hilfsmittelversorgung läuft meist in verschiedenen Schritten ab:  

  1. Bedürfnisse klären
    Welche Fähigkeiten und Ressourcen hat das Kind? Wie ist das Umfeld? Welche Anforderungen soll das Gerät erfüllen? Was soll das Ziel der UK-Förderung sein?
     
  2. Persönliche Beratung  
    Du bekommst eine ausführliche Beratung zu den verschiedenen Geräten von erfahrenen Beratern des Teams. Außerdem findet meist ein Hausbesuch statt, um die Fähigkeiten und Wünsche des Kindes einschätzen und berücksichtigen zu können.
     
  3. Beantragung der Kostenübernahme
    Das Team beantragt bei deiner Einwilligung die Kostenübernahme selbst.
     
  4. Persönliche Einweisung  
    Das Gerät wird geliefert, Du und dein Kind erhalten eine ausführliche Einweisung. Gegebenenfalls gibt es auch weitere Schulungen für dich als Erziehungsberechtigter.
     
  5. Evaluation und Überwachung  
    UK-Förderung ist nie abgeschlossen und sollte stetig überprüft, verbessert und erweitert werden.

Auf was muss ich bei einer UK-Förderung achten?  

Denke daran, dass Du in allem was Du tust ein Vorbild für dein Kind bist. Kinder ohne Behinderung wachsen in einem Umfeld auf, in dem oftmals alle die gleiche Sprache sprechen, Dinge benennen und Kontakt miteinander aufnehmen. Sie haben Vorbilder, die ihnen zeigen, wie man Kommunikation sinnvoll einsetzen kann. 

Diese Vorbilder fehlen Kindern mit Behinderung meist, die Probleme mit der verbalen Lautsprache haben. Deshalb ist sehr wichtig, dass Du dich auf die Sprache deines Kindes einlässt, das UK-System mitbenutzt und deinem Kind auch in dieser alternativen Sprache in allen Lebensbereichen ein kompetentes Vorbild für die Sprachentwicklung bist. Dieses Prinzip nennt man auch Modelling. Um zu lernen wie dieses Modelling im Alltag umzusetzen ist, ist folgendes Buch sehr zu empfehlen: „Modelling in der Unterstützten Kommunikation“ von Claudio Castaneda, Nina Fröhlich und Monika Waigand. Ein weiterer Buchtipp ist „Unterstützte Kommunikation bei Kindern und Erwachsenen. Praxiswissen Logopädie“ von Lüke und Vock (2019).

Ein UK-Hilfsmittel zu haben reicht nicht aus. Es ist sehr wichtig, dass die Nutzung des Hilfsmittels von Anfang an therapeutisch begleitet wird. Sprachtherapeuten, Logopäden oder UK- Fachkräfte zeigen deinem Kind und der Familie, wie das Gerät richtig funktioniert und wie ihr den Umgang im Alltag damit lernen könnt. Ohne diese Begleitung ist das Gerät oft schwer zu verstehen. Das kann dazu führen, dass das Gerät nicht oder nur wenig genutzt wird. Die Therapie hilft dabei, dass das Hilfsmittel im Alltag auch wirklich eine Hilfe ist. 

Erfahrungen von Eltern 

Auf unserem YouTube-Kanal findest Du auch Interviews zum Thema UK. In diesem sprechen wir mit einer Mutter eines Kindes mit Behinderung, die über die Anfänge der UK in ihrer Familie, welche Hilfsmittel es gibt und wie UK geholfen hat den Alltag zu strukturieren, berichtet. Und in diesem sprechen wir mit einer anderen Mutter ebenfalls über das Thema Kommunikation. Es geht darum, welche Bedeutung Kommunikation für die Familie hat und wie ihre Anfänge im Bereich UK ausgesehen haben. In den Interviews wird auch deutlich, dass ein früher Beginn mit UK sinnvoll ist.

Oft hilft auch der Austausch mit Eltern über ihre Erfahrungen. Schau doch mal in der intakt.info - Community vorbei.

Weiterführende Informationen
Quellenverzeichnis
Bildquellen
  • https://www.istockphoto.com/de/foto/spielen-sie-ein-spiel-auf-einem-digitaltablett-gm636027542-112593293