Steuererleichterungen

Weitere Leistungen

Steuererleichterungen

Stand: 18.03.2020

Für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige gibt es die Möglichkeit von Steuern teilweise oder ganz befreit zu werden oder bestimmte Steuerfreibeträge zu erhalten. In folgendem Fachbeitrag bekommst Du Informationen darüber, welche Möglichkeiten der Steuererleichterung es gibt, wer Anspruch darauf hat und wie die Steuererleichterungen beantragt werden können.


Bildquelle: © dolgachov/ 123RF.com 

Einkommenssteuer

In deiner Steuererklärung kannst Du verschiedene Freibeträge, sogenannte Pauschbeträge, geltend machen. Die rechtlichen Regelungen dazu findest Du im Einkommensteuergesetz (EStG). Im Folgenden möchten wir dir die wichtigsten Rechte vorstellen.

Behinderten-Pauschbetrag

Eine Behinderung ist häufig mit einem persönlichen hohen Aufwand verbunden. Dies betrifft z. B. die Mehrkosten im Haushalt oder in der Pflege. Diese Mehraufwendungen, die mit einer Behinderung verbunden sind, können in der Einkommensteuererklärung als sogenannter Pauschbetrag geltend gemacht werden. Umgangssprachlich spricht man auch von dem Behindertenfreibetrag. 

Die Höhe des Pauschbetrages richtet sich dabei nach dem Grad der Behinderung (GdB), welcher im Schwerbehindertenausweis festgelegt ist:

Grad der Behinderung Pauschbetrag
25 und 30 310 €
35 und 40 430 €
45 und 50 570 €
55 und 60 720 €
65 und 70 890 €
75 und 80 1060 €
85 und 90 1230 €
95 und 100 1420 €


Wichtig: Bei einem Grad der Behinderung von weniger als 50 müssen zusätzlich weitere Bedingungen erfüllt sein, um den Pauschbetrag geltend machen zu dürfen:

  • es liegt ein gesetzlicher Anspruch auf Rente aufgrund der Behinderung vor (z. B. Unfallrente; gesetzliche Rentenversicherung zählt nicht!)
     
  • die Behinderung hat zu einer dauernden Einschränkung der körperlichen Beweglichkeit geführt oder ist auf eine typische Berufskrankheit zurückzuführen


Bei Menschen mit Behinderung, die in ihrem Schwerbehindertenausweis zusätzlich die Merkzeichen „H“ (Hilflos) oder „Bl“ (Blind) stehen haben, erhöht sich der Pauschbetrag auf 3.700 €.

Auch Kindern mit Behinderung steht grundsätzlich ein Pauschbetrag zu. Dieser kann auf die Eltern übertragen werden, wenn das Kind diesen Pauschbetrag nicht selbst in Anspruch nimmt und die Eltern für ihr Kind Kindergeld oder einen Kinderfreibetrag erhalten. Fülle dazu in deiner Steuererklärung in der „Anlage Kind“ auf Seite 3 die entsprechenden Zeilen aus.

Die gesetzliche Grundlage zu den Behinderten-Pauschbeträgen findest Du im § 33b des Einkommensteuergesetzes (EStG).

Weitere hilfreiche Informationen zum Behinderten-Pauschbetrag findest Du im Steuermerkblatt des Bundesverbands für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e.V. und auf der Seite des Lohnsteuerhilfevereins Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V..

Pflegepauschbetrag

Zusätzlich zu dem Behinderten-Pauschbetrag gibt es auch einen Pflegepauschbetrag. Dieser steht Personen zu, die pflegebedürfte Angehörige in deren oder der eigenen Wohnung pflegen. Voraussetzung hierfür ist das Merkzeichen „H“ im Schwerbehindertenausweis oder der Pflegegrad 4 oder 5. 

Zudem dürfen die steuerpflichtigen Personen für die Pflege keine Einnahmen erhalten – dazu zählt auch das Pflegegeld.

Für Eltern von pflegebedürftigen Kindern mit Behinderung gibt es hier jedoch eine Ausnahmeregelung: Das Pflegegeld, das Eltern für die Pflege ihrer Kinder erhalten, stellt keine Einnahme dar. 

Der Pflegepauschbetrag beträgt aktuell 924 €. Ausführliche Informationen rund um den Pflege-Pauschbetrag können ebenfalls im Steuermerkblatt des Bundesverbands für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e.V. und auf der Seite des Lohnsteuerhilfevereins Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V..  

Außergewöhnliche Belastungen

Zusätzlich zum Behinderten-Pauschbetrag und dem Pflegepauschbetrag können weitere Kosten für außergewöhnliche Belastungen in der Einkommensteuererklärung geltend gemacht werden. Das betrifft z. B. Krankheitskosten (Arztkosten, Fahrtkosten, Zuzahlungen zu Medikamenten), Pflegekosten oder Unterhaltskosten. 

Die Höhe der Beträge, die Du in Form von außergewöhnlichen Belastungen geltend machen kannst, ist dabei abhängig von deinen Einnahmen. Das Finanzamt ermittelt anhand des Gesamtbetrags deiner Einkünfte, deines Familienstands und der Anzahl der Kinder deine individuelle zumutbare Belastungsgrenze. Alle Ausgaben, die über deiner zumutbaren Belastungsgrenze liegen, kannst Du dann absetzen.

Weitere Informationen rund um das Thema außergewöhnliche Belastungen findest Du wiederum im Steuermerkblatt des Bundesverbands für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e.V. und auf der Seite des Lohnsteuerhilfevereins Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V..  

Im Zusammenhang mit außergewöhnlichen Belastungen, tauchen häufig Fragen zu Themen wie Kindergeld und Kinderfreibeträge, Leistungen der Krankenkasse und der Pflegeversicherung auf. Diese haben wir in weiteren Fachbeiträgen für dich aufbereitet:  

Kraftfahrzeugsteuer

Menschen mit einer Schwerbehinderung können unter bestimmten Voraussetzungen teilweise oder ganz von der Kraftfahrzeugsteuer befreit werden. Gesetzliche Grundlage hierfür ist der § 3a des Kraftfahrzeugsteuergesetzes.    

Voraussetzung für die Steuererleichterung ist, dass das Fahrzeug auf den Menschen mit Schwerbehinderung zugelassen ist. Grundsätzlich können dies auch Kinder mit Schwerbehinderung in Anspruch nehmen. Eltern müssen dann das Fahrzeug auf ihr Kind zulassen. Allerdings dürfen die Eltern das Auto dann nur für Fahrten zur Fortbewegung oder Haushaltsführung des Kindes mit Schwerbehinderung nutzen. 

Außerdem kann die Steuervergünstigung bzw. -befreiung nur für ein Auto beantragt werden.  

Die Merkzeichen im Schwerbehindertenausweis entscheiden darüber, ob die Kraftfahrzeugsteuer ganz oder teilweise erlassen wird:

  • Keine Kraftfahrzeugsteuer zahlen Fahrzeughalter mit den Merkzeichen „H" (Hilflosigkeit), „Bl" (Blindheit oder hochgradige Sehbehinderung) und „aG" (außergewöhnliche Gehbehinderung).
     
  • Personen mit den Merkzeichen „G" (Gehbehinderung), „Gl“ (Gehörlosigkeit) oder Ausweise ohne Merkzeichen aber mit orangefarbenem Flächenaufdruck können wählen:

    • Ermäßigung der Kraftfahrzeugsteuer von 50 % oder
       
    • kostenlos mit Bus und Bahn fahren

Der Antrag auf Steuererleichterung muss schriftlich beim zuständigen Hauptzollamt eingereicht werden. Dazu muss der Schwerbehindertenausweis vorgelegt werden. Das Zollamt prüft deinen Antrag und trägt die Steuervergünstigung dann im Kfz-Schein ein.

Weiterführende Informationen
Quellenverzeichnis
Bildquellen