Schulbegleitung

Jugend- und Erwachsenenalter

Schulbegleitung

Stand: 03.02.2020

Schulbegleiter, Individualbegleiter, Integrationsassistenten, Schulassistenten, Inklusionsassistenten – je nach Bundesland, Einrichtung und Region gibt es verschiedene Namen für diesen Beruf. Allerdings ist all diesen gemeinsam, dass durch ihre Unterstützung viele Kinder und Jugendliche mit geistiger, körperlicher oder seelischer Behinderung bei ihrem Schulbesuch unterstützt werden. Welche Aufgaben Schulbegleiter haben, welche Voraussetzung es gibt, um diesen Beruf auszuüben, wer die Finanzierung dieser Arbeitskräfte übernimmt und viele weitere Fragen werden in kommendem Fachbeitrag geklärt.


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Welche Aufgaben haben Schulbegleiter?  

Generell sind Schulbegleiter da, um einen bestimmten Schüler während seinem Schulalltag in verschiedenen Bereichen zu unterstützen. Zunächst ist es wichtig, dass der Schulbegleiter das Kind bestmöglich kennenlernt, um individuelle Lern- und Entwicklungsvoraussetzungen sowie persönliche Wünsche, Bedürfnisse und Herausforderungen ausfindig zu machen. Eine konkrete Arbeit besteht dann zum Beispiel aus dem Anbieten von Hilfen zur Strukturierung des Tagesablaufs, konkreter Hilfe bei der Aneignung eines bestimmten Lerninhaltes, Unterstützen der Kommunikation, sowie einer Erweiterung der Sozialkompetenzen. Besteht bei dem Schüler ein geringer pflegerischer Bedarf, wird auch diese Aufgabe generell vom Schulbegleiter übernommen. Eine Ausnahme besteht, wenn für dein Kind ein hoher pflegerischer Aufwand nötig ist. Lies dazu bitte auch nochmal den Abschnitt „medizinisch notwendige Schulbegleitung“ in unserem Fachbeitrag. Daneben gibt es viele weitere Aufgaben, die dieser Beruf mit sich bringt. Um nur ein paar zu nennen: Sie sorgen dafür, dass sich das Kind an die Regeln in der Schule hält oder helfen dabei, Kontakte zu Mitschülern zu knüpfen. Außerdem sollen sie den Schüler im Schulalltag positiv stärken und ermutigen. Letztlich sind dies aber keine pauschalen Aufgaben, sondern sollen auf die individuelle Situation, auf das zu betreuende Kind und den Schulbegleiter angepasst werden. Bei aller Unterstützung gilt der Grundsatz: „So viel Hilfe wie nötig, so wenig Hilfe wie möglich“. Generell gehört alles, was den Schulalltag, das Verhalten und die Persönlichkeit des Schülers zum Positiven verändert, zu den Aufgaben eines Schulbegleiters.  

Auf was müssen Schulbegleiter achten?  

Es gibt viele Herausforderungen, die Schulbegleiter tagtäglich bewältigen müssen. Zum einen gilt es durch feines Gespür und eine gute Beobachtungsgabe den richtigen Moment für Hilfe oder Unterstützung abzuwarten. Der Schüler sollte nicht das Gefühl entwickeln, abhängig vom Schulbegleiter zu werden. Deswegen ist es oft gut, auch erstmal abzuwarten und den Schüler die Aufgabe alleine bewältigen zu lassen. Zudem muss eine gute Balance zwischen Nähe und Distanz zum Schüler gefunden werden. Der Schulbegleiter muss sich außerdem bewusst sein, dass er nur einem bestimmten Schüler und nicht der ganzen Klasse zugeordnet ist. Auch wenn er Teil der Klasse ist, sollte er nicht die Rolle eines zweiten Klassenlehrers übernehmen. Im Mittelpunkt sollte stets der Schüler selbst stehen. Für eine gute Kommunikation kann es je nach Schüler auch von Vorteil sein, sich einige Methoden der Unterstützten Kommunikation, wie z.B. die Benutzung von lautsprachlichen Gebärden oder eines Talkers, zu eigen zu machen.  

Welche Voraussetzungen gibt es, um Schulbegleiter zu werden?

Generell ist keine spezielle Ausbildung nötig, um Schulbegleiter zu werden. Im besten Fall hat ein Schulbegleiter bereits eine Ausbildung zum Erzieher, Heilerziehungspfleger und Sozial-, Heil- oder auch Sonderpädagogen absolviert. Für Menschen ohne eine bestimmte Ausbildung im sozialen bzw. sonderpädagogischen Bereich gibt es in vielen Regionen spezielle Ausbildungen bzw. Weiterbildungen in diesem Bereich. Diese sind nicht notwendig, jedoch sehr zu empfehlen. Die Problematik, dass es bundesweit keine einheitlichen Regelungen und Erwartungen an Schulbegleiter gibt, bleibt jedoch weiterhin bestehen. Die Lebenshilfe hat 2016 eine Empfehlung zur Qualifizierung von Schulbegleitern verfasst, die konstruktive Vorschläge zur Verbesserung dieser Situation darlegt. Diese kannst Du hier nachlesen.

Kann mein Kind eine Schulbegleitung in Anspruch nehmen?  

Je nach Bedarf und Beeinträchtigung haben Kinder mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung einen Anspruch auf Schulbegleitung. In Einzelfällen kann auch eine Eingliederungshilfe für Kinder mit emotional-sozialen Beeinträchtigungen beantragt werden. Die Schulbegleitung ist in § 112 SGB IX geregelt. Dieser Bedarf wird jedoch immer im Einzelfall geprüft.  

Medizinisch notwendige Schulbegleitung

Benötigt dein Kind eine permanente medizinisch-pflegerische Versorgung während der Schulzeit, kannst Du eine „medizinisch notwendige Schulbegleitung“ beantragen, die von der Kranken- bzw. Pflegeversicherung übernommen wird. Diese Schulbegleiter müssen jedoch ausgebildete Fachkräfte, wie z.B. Kinderkrankenpfleger sein. Wenn Du für dein Kind ohnehin einen 24-Stunden-Intensiv-Pflegedienst erhälst, besteht die Möglichkeit, dass diese Pflegekräfte auch mit in die Schule gehen können.  

Wie funktioniert die Beantragung?  

Der Antrag muss von dir als Erziehungsberechtigter gestellt werden. Damit dieser bewilligt werden kann, braucht man neben einer Stellungnahme der Schule in der Regel auch medizinische Unterlagen, aus denen die Notwendigkeit einer Schulbegleitung hervor geht. Die Anträge können dann bei einer körperlichen und geistigen Behinderung auf Grundlage von § 112 SGB IX beim zuständigen Sozialhilfeträger (in Bayern der jeweilige Bezirk), bei (drohenden) seelischen Behinderungen oder Autismus-Spektrum-Störung auf Grundlage von § 35a SGB VIII beim Jugendamt gestellt werden.  

Wer finanziert die Schulbegleitung?  

Die Kostenübernahme wird in jedem Fall einzeln geprüft. Je nach Behinderung werden die Kosten von den örtlichen Sozialämtern oder Jugendämtern übernommen. Bei bestimmten Erkrankungen (verbunden mit einem sehr hohen Pflegeaufwand) kann es auch sein, dass die Kranken- bzw. Pflegekasse die Schulbegleitung bezahlt.  

Die Schulbegleiter sind meist von Schulträgern oder Diensten der Behindertenhilfe angestellt. Die Bezahlung findet oft auf Honorarbasis statt, was zum Beispiel bedeutet, dass in den Ferien oder während Krankheitszeiten kein Gehalt ausbezahlt wird. 

Weiterführende Informationen
  • Artikel von Dr. Wolfgang Dworschak
  • Fachbeitrag zum Thema Unterstützungsangebote im Schulalter
Quellenverzeichnis
Bildquellen