Mein Kind ist volljährig - und nun?

Jugend- und Erwachsenenalter

Mein Kind ist volljährig - und nun?

Stand: 05.02.2020

Der 18. Geburtstag ist in Deutschland ein ganz besonderer Geburtstag. Mit diesem erlangt man die Volljährigkeit und das Sorgerecht der Eltern endet. Das gilt zunächst auch für dein Kind mit Behinderung. Vielleicht benimmt sich dein Kind schon erwachsen, vielleicht hast Du aber auch das Gefühl dein Kind wird für immer ein Kind bleiben. Unabhängig von deiner persönlichen Wahrnehmung ist dein Kind dem Gesetz nach nun erwachsen. Deshalb gibt es einige Dinge, die Du vor bzw. nach dem 18. Geburtstag deines Kindes beachten solltest. Dieser Fachbeitrag soll dir einen Überblick über einige anstehende Veränderungen geben.


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Was verändert sich mit der Volljährigkeit meines Kindes?  

Rechtliche Betreuung  

Für Eltern von Menschen mit geistiger Behinderung ist vor allem die Frage nach der Betreuung wichtig. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass mit 18 Jahren die elterliche Sorge erlischt und der junge Erwachsene somit selbst verantwortete Entscheidungen treffen kann. Wenn er dazu nicht in der Lage ist, muss jemand seine rechtliche Vertretung übernehmen. Die rechtliche Betreuung muss dabei nicht zwangsläufig von den Eltern in allen Bereichen übernommen werden. Nähere Informationen dazu findest Du im Fachbeitrag „Rechtliche Betreuung“.

Erstellung einer Patienten-/Betreuungsverfügung  

Betreuungsverfügung

Mit dieser Verfügung kann der nun Volljährige bestimmen, wer als Betreuer eingesetzt werden soll, falls eine rechtliche Betreuung notwendig wird. Außerdem kann er auch Personen nennen, die diese Position auf jeden Fall nicht ausführen sollen. Diese Verfügung sollte schriftlich festgehalten werden und kann je nach Bundesland beim Gericht hinterlegt werden.  

Patientenverfügung  

In der Patientenverfügung sollen Regelungen getroffen werden, wie gesundheitliche Fragen entschieden werden sollen (z.B. Wiederbelebung oder künstliche Ernährung), wenn der Betroffene dazu nicht mehr selbst in der Lage ist. Für diese Verfügung ist eine sogenannte Einwilligungsfähigkeit erforderlich. Das bedeutet, dass der Betroffene in der Lage sein muss, die Art und Konsequenzen seiner Entscheidung verstehen zu können. Trifft dies zu, ist diese Entscheidung von dem Menschen mit Behinderung allein zu treffen und darf nicht vom rechtlichen Betreuer ausgeführt werden.  

Erstellung einer Vollmacht  

Statt einem rechtlichen Betreuer hat der Betroffene auch teilweise die Möglichkeit eine Person seines Vertrauens zu bevollmächtigen. Das bedeutet, dass dieser die Erlaubnis bekommt, ihn in bestimmten Situationen rechtlich zu vertreten. Um eine Vollmacht erteilen zu können muss die Voraussetzung bestehen, dass der Mensch mit Behinderung als geschäftsfähig gilt. Diese Vollmacht kann auch nur für bestimmte Bereiche (wie z. B. Finanzen oder Gesundheit) erteilt werden. Wird die Vollmacht für alle Lebensbereiche erteilt, spricht man von einer sogenannten „Generalvollmacht“. Jede Art von Vollmacht sollte schriftlich festgehalten werden. Einen Vordruck in leichter Sprache findest Du hier.

Grundsicherung  

Viele Menschen mit Behinderung können aufgrund eines durch die Behinderung bedingten verminderten Leistungsvermögen, ihren Lebensunterhalt nicht selbst verdienen. Diesen Personen steht ab dem 18. Lebensjahr eine sogenannte „Grundsicherung bei Erwerbsminderung“ zu. Weitere Informationen zur Grundsicherung kannst Du dem Fachbeitrag „Existenzsichernde Leistungen“ entnehmen.  

Wahlrecht  

Mit der Volljährigkeit hat der Mensch mit Behinderung nun generell die Möglichkeit wählen zu gehen. Welche Besonderheiten hierbei beachtet werden sollen, kannst Du im Fachbeitrag „Wahlrecht für Menschen mit Behinderung“ entnehmen.  

Kindergeld  

Generell wird das Kindergeld den Eltern bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres ausgezahlt (Ausnahmen bei Ausbildung/Beruf). Eltern von Kindern mit Behinderung steht der Anspruch auf Kindergeld jedoch auch nach Eintritt der Volljährigkeit zu. Bedingung dafür sind lediglich, dass die Behinderung vor Vollendung des 25. Lebensjahres eingetreten ist und dass das Kind nicht dazu in der Lage ist, sich selbst zu unterhalten. Das Geld wird normalerweise direkt an die Eltern ausgezahlt. Wenn das Sozialamt allerdings Kosten für den Unterhalt deines Kindes übernimmt (z. B. Wohnheimunterbringung) kann es sein, dass Du nur einen Teil des Geldes direkt ausbezahlt bekommst (auch Abzweigung genannt). Der andere Teil des Kindergeldes wird an das zuständige Sozialamt überwiesen.  

Hier findest Du Tipps dazu, wie Du dich gegen diese Abzweigungsanträge wehren kannst!

Widerspruch einlegen  

In der Vergangenheit kam es oft vor, dass Anträge zunächst einmal abgelehnt wurden. Egal ob es sich um pauschale Kürzungen, Streichungen bei Pflegegrad und Merkzeichen, um die Bestimmung des Grades der Behinderung oder andere Angelegenheiten handelt: Wir wollen dich ermutigen, dass Du in jedem Fall Widerspruch einlegst! In vielen Fällen wurden die Anträge nach Einlegen des Widerspruches dann bewilligt.  

Versicherungen  

Minderjährige Kinder sind meistens über die Familienversicherung der Eltern mitversichert. Grundsätzlich besteht diese Familienversicherung bei Erreichen der Volljährigkeit nicht mehr. Allerdings gibt es einige Ausnahmen, die das Kind dazu befähigen auch über das 18. Lebensjahr hinaus Teil der Familienversicherung zu sein:  

  • Bis zur Vollendung des 23. Lebensjahres, wenn das Kind nicht erwerbstätig ist  
  • Bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres, wenn sich das Kind in einer Schul- oder Berufsausbildung oder in einem freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahr befindet  
  • Ohne Altersgrenze, wenn das Kind aufgrund einer Behinderung außerstande ist, sich selbst zu unterhalten  

Hinweis: Menschen mit Behinderung, die in einer Werkstätte arbeiten befinden sich in einem versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. Das bedeutet, dass diese sich mit dem Einkommen selbst unterhalten können und somit nicht mehr Teil der Familienversicherung sein können. Bei Menschen, die eine Tagesförderstätte besuchen, kann der Betroffene weiterhin Teil der Familienversicherung bleiben.  

Wohnen

Nach und nach taucht vielleicht die Frage auf, wie es mit der Wohnsituation weiter geht. Andere junge Erwachsene denken im gleichen Alter so langsam darüber nach, von zu Hause auszuziehen. Das ist auch ein Gedanke, den dein Kind oder Du dir früher oder später machen werden. Vielleicht kann dir der Fachbeitrag „Ausziehen von zu Hause“ bei der Entscheidung weiterhelfen. Der Fachbeitrag „Alles rund ums Wohnen“ gibt dir einen Überblick über die verschiedenen Wohnmöglichkeiten für dein Kind.

Ausbildung, Studium und Beruf  

Menschen mit Behinderung haben meist genau wie andere in ihrem Alter den Wunsch eine Ausbildung anzufangen, studieren zu gehen oder einen Beruf auszuüben. Es gibt vom Staat viele verschiedene Maßnahmen und Nachteilsausgleiche, um den Menschen mit Behinderung in diesem Bereich bei der Teilhabe an der Gesellschaft zu unterstützen. Nähere Informationen findest Du in dem Fachbeitrag „Ausbildung, Studium und Beruf“.  

Freizeit  

Wie manch andere junge Erwachsene in diesem Alter, möchte dein Kind vielleicht nicht mehr den größten Teil seiner Freizeit mit den eigenen Eltern verbringen. Wenn es sich jedoch aufgrund seiner persönlichen Voraussetzungen nicht allein um seine Freizeitgestaltung kümmern kann, so gibt es auch hier Möglichkeiten der Unterstützung. Mehr dazu liest Du in unserem Fachbeitrag zum Thema „Freizeit“.  

Wer zahlt nun was?  

Eng mit all diesen Fragen verbunden ist die Frage nach den finanziellen Möglichkeiten, die Du und dein Kind haben. Wer zahlt denn nun was? Hierfür findest Du ausführliche Informationen zu verschiedenen Bereichen wie Kindergeld, Krankenkasse, Schwerbehindertenausweis, Pflegegeld etc. in unserer Rubrik „Recht“

Weiterführende Informationen
  • Sehr gute Broschüre zum Thema „18 werden mit Behinderung“ 
Quellenverzeichnis
Bildquellen